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Solingen
Ein Urgestein an den Güterhallen

Solingen: Ein Urgestein an den Güterhallen
Zwischen der Band und den Zuhörern kam auch schon Mal ein Radfahrer vorbei. Die Krautrocker vom Embryo waren wieder im Südpark zu Gast. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Die Kult-Band Embryo begeisterte ihre Fans bei einem kurzfristig angesetzten Open-Air-Konzert. Von Jan Crummenerl

Eine Jahreszahl, die schon gar nicht mehr wahr ist, so weit weg ist sie mittlerweile: 1969. Es ist das Jahr in dem der vietnamesische Revolutionsführer Ho Chi Minh starb, ebenso der Künstler Otto Dix und der ehemalige US-Präsident Eisenhower. Es ist das Jahr der ersten Mondlandung, das Jahr in dem Willy Brandt Bundeskanzler wurde und Richard Nixon in Weiße Haus einzog. Fast Nachrichten aus einer anderen Welt.

Dennoch: 1969 lebt! Es ist auch das Gründungsjahr der legendären Band Embryo, die mittlerweile älteste Krautrock-Formation. Wie lebendig und eindringlich diese Musik ist, davon konnte man sich am Donnerstagabend an den Güterhallen überzeugen. Auf Einladung der Galerie Pest-Projekt von Peter Amann und Thomas Zolper machten die Musiker Station in Solingen.

"Gestern hatten wir ein Konzert in Amsterdam, morgen sind wir in Dortmund", erläutert Christian Burchard, Gründer des Münchner Bandkollektivs. "Ein Auftritt heute in Belgien musste ausfallen, und so sind wir kurzfristig nach Solingen gekommen." Schließlich liegt die Klingenstadt irgendwie auf dem Weg nach Dortmund, und mit Peter Amann gibt es schon lange Kontakt. "Vor zwei Jahren haben Embryo zum ersten Mal bei uns gespielt", erzählt Amann.

"Wir haben gedacht, das würde ein schöner Nostalgieabend - aber es kann alles anders. Richtig frische Sachen wurden gespielt." So wurde nun spontan vor einer Woche das Konzert in den Güterhallen vereinbart. Und da das Wetter hochsommerlich heiter war, genügte ein kurzer Anruf beim Ordnungsamt, um daraus ein kleines, aber hochfeines Open-Air-Konzert auf der Grünfläche der Künstlerkolonie zu machen. Bewaffnet mit Limo oder Bier, auf Bänken und Stühlen gelagert und durchweg mit strahlenden Gesichtern, wippenden Füßen und nickenden Köpfen lauschten alle, vom Säugling bis zum Echtzeitfan, den verzaubernden Klängen. Orientalisch angehaucht mit Flöten- und Hackbrett-Instrumenten startete am alten Güterbahnhof eine musikalische Weltreise. Die Band machte dabei ihrem Namen alle Ehre: Ein Embryo ist etwas, das im Werden ist. So das Musiker-Kollektiv: Stillstand gibt es nicht. Eine höchst lebendige Mischung aus Weltmusik und Jazz lässt die Solisten rund um den Multiinstrumentalisten Christian Burchard (Jens Pollheide, Lothar Stahl, Marja Burchard, Valentin Altenberger, Art-Zen und Mik Quantius) mit jedem Stück zu neuen Ufern aufbrechen. Wandlungsfähig, vielgestaltig und hochaktuell verschmelzen hier die Klänge der Instrumente und Stimmen in einer fast hypnotischen Harmonik und einem mitreißenden Rhythmus, der einen sagenhaften Drive entwickeln kann.

Da staunten selbst die zufälligen Zaungäste an den Güterhallen: Jogger, Radfahrer und Spaziergänger machten eine Pause bei ihrer abendlichen Runde, um ein wenig in dieses musikalische Mini-Happening hinein zu schnuppern oder sich von den fliegenden Tönen von Christian Burchard an der Marimba davontragen zu lassen. Mit originellen Klangfarben und jazzigem Gefühl startete die Reise in der Türkei und führte über Asien nach Afrika - immer spürbar dabei: das Authentische.

Embryo reist durch die ganze Welt, um mit den verschiedensten Musikern zusammen zu arbeiten und so immer neue Impulse zu gewinnen. Davon konnte sich die angetanen Zuhörer an den Güterhallen überzeugen. Darunter Julia Freiwald. "Ich kenne die Band seit Anfang an", sagt die Ex-Bürgermeisterin. "Und heute ist es für mich ein wenig Nostalgie an einem schönen Sommerabend."

Info Wer sich über die Band Embryo und die weiteren aktuellen Tourdaten informieren möchte, kann das im Internet tun: www.embryo.de

Quelle: RP
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