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Solingen
Eine Ausstellung als Abschiedsgeschenk

Solingen: Eine Ausstellung als Abschiedsgeschenk
Dr. Barbara Grotkamp-Schepers verlässt nach 25 Jahren als Direktorin das Deutsche Klingenmuseum. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Nach 25 Jahren als Direktorin des Deutschen Klingenmuseums verabschiedet sich Dr. Barbara Grotkamp-Schepers. Von Jan Crummenerl

Manchmal kommt es im Leben ganz anders, als man denkt. "Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich je etwas mit Blankwaffen machen würde." Nach ihrem Studium der Kunstgeschichte in Heidelberg hatte es die gebürtige Essenerin mehr mit der Kunst von der Renaissance bis Joseph Beuys zu tun. Heute ist Dr. Barbara Grotkamp-Schepers die deutschlandweit führende Expertin, wenn es um Blankwaffen, Bestecke und die ganzen Geschichten darum geht. Mit 30.000 Stücken in der Dauerausstellung und im Depot ist das Deutsche Klingenmuseum im ehemaligen Gräfrather Kloster die weltweit größte und wichtigste Einrichtung seiner Art. Seit 25 Jahren leitet Grotkamp-Schepers als Direktorin dieses einmalige Museum. Mit Ablauf diesen Monats geht die 64-Jährige in den Ruhestand.

Eigentlich wollte sie schon früher aufhören. "Aber ich wollte noch unbedingt die nun zu Ende gegangene Ausstellung ,Das Schwert' machen. Das war mein Abschiedsgeschenk." Aber auch wenn die Zeit im Museum vorbei ist, wird es noch einen Nachschlag von der Direktorin geben. "Ich arbeite gerade an einem Katalog über den Bestand von Blankwaffen aus dem Orient und aus Asien, die sich im Museum befinden." Und wenn alles gut läuft, wird es dazu im Herbst eine Ausstellung im Klingenmuseum geben. Ansonsten will sich Grotkamp-Schepers erst einmal ganz aus dem Museum zurückziehen. "Ich bin für einen sauberen Schnitt. Ich freue mich jetzt erst einmal auf meine nun selbstbestimmte Zeit. Ich werde mich aber ehrenamtlich engagieren", sagt die Direktorin. Denn sie weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig ehrenamtliche Arbeit ist. "Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer könnten wir zum Beispiel Veranstaltungen wie das jährliche Museumsfest gar nicht stemmen." Voll des Lobes ist Grotkamp-Schepers deshalb auch über den sehr engagierten, 1954 gegründeten Freundeskreis. Ohne dessen finanzkräftiger Unterstützung wären viele wichtige Anschaffungen nicht möglich gewesen. Dazu gehört der fast spektakuläre Ankauf der bedeutenden Bestecksammlung Marquardt, die seit 2004 im Klingenmuseum beheimatet ist.

Eher zufällig kam die Kunsthistorikerin nach Solingen. "Nach einer Kinderpause habe ich mich erneut umgesehen." Das war Mitte der 80er Jahre. Das war die Zeit der breit von der öffentlichen Hand finanzierten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. "In Solingen gab es da beispielsweise Stellen im Stadtarchiv und auch im Klingenmuseum." Mit dem Ruhestand ihres Vorgängers Dr. Hanns-Ulrich Haedeke kam es aber ganz anders. Grotkamp wurde seine Nachfolgerin. "Ich habe da Glück gehabt, es war nicht so geplant", sagt sie. "Ich habe mir das Thema des Museums immer mit Wohlgefallen angesehen, und ich habe es nie bereut, mich darauf spezialisiert zu haben." Denn das Klingenmuseum ist viel mehr als eine historische Verwahranstalt für Schwerter, Messer und Gabel. "Die Stücke sind eine faszinierende Mischung aus Schönheit, Gestaltungswillen und Lebensnotwendigkeit." So haben die alten Schmiede ihre Waffen zunächst nach Zweckmäßigkeit hergestellt. Der Schmied habe sich dabei ja nicht gedacht, ,jetzt mache ich mal ein neues Design'. Das Kunstvolle war zunächst erst Beiwerk zur Funktionalität. Davon legen die Exponate des Museums lebendiges Zeugnis ab - vom kunstvollen Essbesteck vergangener Jahrhunderte bis hin zu den gruseligen Richtschwertern, Handwerkszeug des Henkers, die ebenfalls in Solingen geschmiedet wurden. Streng ging es zu in alten Zeiten auf Bauernhöfen und in Handwerksbetrieben. Neben Bauer und Meister durften bei Tisch nur der Großknecht und der Altgeselle ungefragt das Wort ergreifen. Das Messer diente zum Zerteilen des Fleisches, gegessen wurde mit dem Löffel. Dieser - in ärmlicheren Haushalten aus Holz geschnitzt - wurde beim Tod eines Hausgenossen an den nächsten weitergegeben. Daher die Redewendung: Er hat den Löffel abgegeben. Die Gabel hingeben kam im christlichen Abendland erst spät zu Tischehren. Zu sehr erinnerte sie doch an das gezackte Gerät, mit dem der Teufel oft dargestellt wurde.

Neben der Dauerausstellung sind Grotkamp-Schepers in ihrem Haus besonders die Sonderausstellungen wichtig, die jeweils ein ganz eigenes Licht auf das Thema Klingen werfen. "Jährlich haben wir 20.000 bis 26.000 Besucher im Haus", berichtet Grotkamp-Schepers. Zwei Drittel der Besucher kommen von außerhalb, sogar aus Übersee reisen viele extra an.

www.klingenmuseum.de

Quelle: RP
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