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Ansichtssache
Eine enorme Herausforderung und große Chance

Meinung | Solingen. Beinahe täglich kommen neue Flüchtlinge, die ein Dach über dem Kopf brauchen. Solingen heißt die Menschen willkommen. Mit großer Geschlossenheit strahlt die Stadt dieses Signal aus.

Leben braucht Vielfalt": Wenn am heutigen Samstag zum 14. Mal das Internationale Kultur- und Umweltfest mit über 100 Mitstreitern rund um den Fronhof in der City gefeiert wird, ist die Botschaft aktueller denn je: "Willkommen in Solingen!"

Beinahe täglich kommen Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und anderen Ländern. Die Stadtverwaltung ist längst im Krisenstab-Modus, um all die Menschen unterzubringen, die vom Land zugewiesen werden. Beziehungsweise für deren Erstaufnahme von NRW um "Amtshilfe" ersucht wird. Mitunter bleiben nur wenige Stunden, um die notwendigen Schritte einzuleiten.

In zwei Sporthallen - die an der Gesamtschule an der Krahenhöhe und jene am Gymnasium Schwertstraße - wird als Notmaßnahme nun sogar schon vorübergehend Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf gegeben. Viele von ihnen sind Familien mit kleinen Kindern. Ob in einigen Wochen zusätzlich Container oder vielleicht sogar Zelte aufgestellt werden müssen, kann angesichts der Situation derzeit keiner ausschließen.

Wir müssen die Türen und Herzen öffnen, um den Menschen eine Zuflucht zu geben, appellierte Oberbürgermeister Norbert Feith. Der Walder Pfarrer Bernd Reinzhagen nennt es so: "Das ist allererste Christenpflicht." Die evangelische Gemeinde räumt jetzt ihr Gemeindehaus an der Corinthstraße: 59 Menschen können dadurch aufgenommen werden.

Es wäre ein wichtiges Zeichen, wenn ebenso andere Gemeinden - auch katholische - ihren Immobilienbestand überprüfen und Flüchtlinge aufnehmen. Gerade Kirchengemeinden - aber freilich nicht nur diese - bündeln in diesen Wochen die überwältigende Hilfsbereitschaft der Solinger allerorts. So sind Sprachkurse, Flüchtlingskaffee und Kleiderstube in St. Joseph in Ohligs gut angelaufen, wie Pastor Meinrad Funke mitteilt. Das ist ein Beispiel von vielen. Zudem helfen Vereine und Verbände, Nachbarn, Freunde und Einzelpersonen tatkräftig.

Solingen heißt die Menschen willkommen. Dieses Signal strahlt die Stadt mit einer großen Geschlossenheit aus. Wenngleich es zunehmend schwieriger wird, die Menschen unterzubringen.

Das ist eine enorme Herausforderung, und es bedeutet zugleich eine große Chance für die Stadt. Betriebe suchen Fachkräfte. Im Hinblick auf den demografischen Wandel mit der älter werdenden Gesellschaft droht dies in Zukunft sogar zur Standortfrage zu werden. Jedenfalls reagieren Unternehmen bereits, setzen auf die Neubürger und schließen eine Entwicklung wie in den 1960er Jahren nicht aus: Zusammen mit Gastarbeitern gelang damals ein Wirtschaftsaufschwung.

Quelle: RP
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