| 00.00 Uhr

Solingen
Eine perfekte Mischung aus Komödie und Tragik

Solingen. Das Solinger Theater Rampenlicht im Autohaus Schönauen feierte am Wochenende die Premiere des Stücks "Zeit der Zärtlichkeit". Von Wolfgang Günther

Schon bei der Ankündigung hatte Bianca-Maria Hoppe, die Prinzipalin des Theaters mitgeteilt: "Wir verlassen diesmal den gewohnten Bereich der Komödien und begeben uns auf Neuland". Gemeint war das Stück "Zeit der Zärtlichkeit", die Premiere am Samstagabend war ausverkauft. Die Verfilmung mit Shirley MacLaine, Debra Winger und Jack Nicholson heimste 1983 fünf Oscars ein. Erzählt wird über einen Zeitraum von 30 Jahren die Geschichte von Aurora und ihrer Tochter. Emma hat es schwer, sich neben ihrer Mutter zu behaupten. Immer auf Würde und Ehre achtend, hat die Witwe mehrere Heiratsanträge zurückgewiesen, um sich, nicht ganz ohne Eigennutz, ihrer Tochter zu widmen.

Als Emma ein eigenes Leben führen will und gegen den Willen ihrer Mutter den von ihr gehassten jungen Lehrer Flap heiratet, ist die Witwe plötzlich allein. Das Paar zieht in eine andere Stadt, Emma bringt drei Kinder zur Welt, es wird viel telefoniert, Aurora ist über ihre Großmutterrolle gar nicht glücklich. Nebenan wohnt der ehemalige Astronaut Garrett, ein abgehalfterter Säufer und Lebemann. Nach zehn Jahren Nachbarschaft gibt Aurora ihre veralteten Ansichten auf und beginnt eine Affäre mit Garrett, während sich Emma von ihrem untreuen Ehemann trennt und mit ihren Kindern nach Hause zurückkehrt. Der Regisseur Philip Flottau hat diese Handlung auf der einfallsreich ausgestatteten kleinen Bühne optimal inszeniert. Die überbesorgte und neurotische Aurora ist eine Paraderolle für Bianca-Maria Hoppe, sie kann hier die ganzen Farben ihrer bunten schauspielerischen Palette zeigen. Norbert Grüll spielt kongenial den ehemaligen Astronauten, der sich aber im Verlauf des Stücks vom egoistischen Trinker zum hilfreichen Freund wandelt.

Das Publikum musste sich erst daran gewöhnen, dass diesmal keine Pointen im Sekundentakt über die Rampe kamen. Natürlich gab es immer mal wieder Anlass zum Lachen, und in der Pause wurde gerätselt, wie es nun weiter geht in dem schwierigen, aber liebevollen Verhältnis zwischen Mutter und Tochter. Die Wendung ist dramatisch, denn bei Emma wird eine unheilbare Krebserkrankung festgestellt. Garrett zieht durch seinen Einfluss in höchsten Medizinerkreisen noch alle Register, aber Emma stirbt und macht ihre Kinder zu Waisen.

Man mag kaum glauben, dass diese schicksalhafte Rolle tatsächlich das Bühnendebüt von Johanna Pfaff darstellt. Die textsichere junge Schauspielerin spielte ihre Sterbeszene dermaßen intensiv, dass im Publikum kein Atemzug zu hören war. Kurz, aber eindrucksvoll war der Auftritt von Winfried Eckert als Arzt, auch Miriam Kraft spielte die lebenslustige Freundin von Emma überzeugend. Die schauspielerische Leistung des gesamten Ensembles war beeindruckend, da war der stürmische Beifall am Ende deutlich verdient.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Eine perfekte Mischung aus Komödie und Tragik


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.