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Solingen
Einheimische und Neubürger vereint

Solingen. Beim Festakt zur Deutschen Einheit im Pina-Bausch-Saal wurden auch Einbürgerungsurkunden verliehen. Von Wolfgang Günther

Für Oberbürgermeister Tim Kurzbach macht die Zusammenlegung des Festaktes mit der Einbürgerungsfeier durchaus Sinn. "Das gehört einfach zusammen, und ich möchte damit eine neue Tradition begründen", sagte er am Tag der Deutschen Einheit im Pina-Bausch-Saal des Theater und Konzerthauses. Er nimmt sich die feierlichen Einbürgerungsfeiern in den USA zum Vorbild.

Am Montagabend kamen nicht nur die eingesessenen Solinger Bürger, auch viele Flüchtlinge und angehende Mitbürger füllten den Saal. Fadhila Hmaidi, geboren in Tunesien, und der in Italien geborene Salavatore Franchina nahmen stellvertretend ihre Einbürgerungsurkunden entgegen.

Tim Kurzbach erinnerte an die mutige und friedliche Revolution, die am Ende zur deutschen Einheit geführt hat. Er stellte in seiner Rede aber auch den 3. Oktober 1990 in den Kontext des heutigen Europa. "Die Wiedervereinigung war ein Wendepunkt in der Geschichte. Wir müssen uns heute wieder an die Aufbruchsstimmung von damals erinnern, an den Traum vom vereinten Europa, und sehen gegenwärtig nur noch überall Verzagtheit", sagte Kurzbach.

Die Solinger Bevölkerung sei deutlich bunter geworden: "In unserer Stadt leben Menschen aus 130 Nationen, etwa jeder fünfte Bewohner hat einen Migrationshintergrund", informierte der Oberbürgermeister. Er forderte nicht nur die Neubürger, sondern alle Menschen in der Klingenstadt auf, sich weiter für Freiheit und Einheit in Frieden einzusetzen. "Engagieren sie sich. Die bunte Vielfalt in unserer Stadt soll zu einer vielfarbigen Einheit werden".

Umrahmt wurde die Feier von Musik der Bergischen Symphoniker unter Leitung von Generalmusikdirektor Peter Kuhn. Zu Beginn erklang die impressionistische Orchestersuite "Le Tombeau de Couperin", mit der Maurice Ravel dem Komponisten Francois Couperin, einem Meister aus dem Barock, die Ehre erweist. Die Musik von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957) passte wunderbar in den Rahmen der Feierstunde, denn auch er war ein mehrfach Vertriebener. Korngold floh 1934 nach Amerika und hatte dort Erfolg als Filmkomponist. Nach dem Weltkrieg kam er nach Wien zurück. Aber dort waren die scharfen Kritiken seines Vaters Julius noch in bester Erinnerung, und man vergraulte ihn wieder. Mihalj Kekenj spielte als Solist mit den Symphonikern das Violinkonzert von Korngold - und das war ganz großes Kino in Breitwand und Farbe. Der Konzertmeister erntete langen Beifall und Bravorufe für seine virtuose Darbietung. Er kam um eine Zugabe nicht herum. Kekenj ist auch ein brillanter Jazzmusiker, und Gershwins wunderschöne Melodie "Summertime" erklang als letzte Erinnerung an den Sommer.

Oberbürgermeister Kurzbach lud die Besucher zum anschließenden Umtrunk ein: "Als sparsame Verwaltung haben wir zwar an den Kosten, dafür keine Mühen gespart".

Quelle: RP
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