| 00.00 Uhr

Solingen
Elf Personen bei Chemieunfall verletzt

Giftalarm in Solingen
Solingen. Auf dem Gelände des Müllheizkraftwerkes ist beim Umfüllen von Calciumhydroxid der Schlauch eines Silotransporters aufgrund eines technischen Defektes gerissen. Das Abtragen des ätzenden und giftigen Pulvers gestaltete sich schwierig. Von Guido Radtke

Ein kleiner technischer Defekt mit riesigen Folgen hat 80 Feuerwehrleute am Donnerstag in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Auf dem Gelände des Müllheizkraftwerkes haben sich am Nachmittag rund zwei Tonnen Calciumhydroxid freigesetzt. Beim Entladen eines Silolastwagens war gegen 16 Uhr das Kupplungsteil eines Schlauches gerissen, so dass sich der Löschkalk innerhalb kürzester Zeit im Versorgungsbereich der Anlage an der Sandstraße großflächig verteilte.

Mit einem Großaufgebot rückte die Solinger Feuerwehr an, die von Einsatzkräften aus Remscheid und Wuppertal unterstützt wurde. Bei der notärztlichen Untersuchung der Mitarbeiter des Müllheizkraftwerkes kamen auch fünf Helfer des Rettungsdienstes in Kontakt mit der giftigen Chemikalie, was zu Verätzungen der Haut und im schlimmsten Fall sogar zur Erblindung führen kann. Insgesamt wurden elf Personen verletzt, drei Angestellte wurden in ein Krankenhaus gebracht. Einer von ihnen musste später in eine Augenklinik nach Düsseldorf verlegt werden. "In den anderen Fällen hat ein einfaches Abduschen gereicht", erklärte Torsten Dunkel aus dem Team der Feuerwehr-Einsatzleitung.

Bilder: Mindestens elf Verletzte bei Giftunfall in Müllheizkraftwerk FOTO: Radtke, Guido

Extrem schwierig gestaltete sich das Abtragen des Calciumhydroxids, das in der Müllverbrennungsanlage für die Filteranlage benötigt wird. Das erste Vorhaben war, den Löschkalk mit städtischen Kehrmaschinen aufzunehmen. Wegen der dabei zu erwartenden Staubentwicklung wurden Anwohner im Umkreis von zwei Kilometern mit Lautsprecher- und Radio-Durchsagen sowie über Facebook aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Aus diesem Grund waren gegen 17 Uhr auch die Sirenen im Stadtgebiet zu hören. Im naheliegenden Klinikum wurde vorsorglich die Lüftungsanlage abgeschaltet.

Die Fahrer der Kehrmaschinen trugen Atemschutz und Sicherheitskleidung. Zudem installierte die Feuerwehr ein mobiles Becken, in dem die Männer nach ihrem Kurzeinsatz abgeduscht wurden. Aufgrund des einsetzenden Regens wurde der erste Reinigungsvorgang, bei dem sich eine riesige weiße Staubwolke gebildet hatte, nach nur wenigen Minuten eingestellt.

Da sich der Löschkalk zu einer Lauge verflüssigen würde, wurde das Verfahren zur Beseitigung kurzerhand angepasst. Zwei Spezialfahrzeuge von Fachfirmen aus Köln und Duisburg wurden angefordert, um das entstandene Gemisch aufzusaugen. Die Ankunft verzögerte sich, da beide Wagen bei der Anfahrt nach Solingen im Stau gestanden haben. Entwarnung für die Bevölkerung wurde erst kurz nach 20 Uhr gegeben, als sicher war, dass es beim Absaugen nicht ebenfalls zu einer Staubentwicklung kommen würde. "Es hat genug geregnet, um das zu verhindern. Aber zu wenig, um das Calciumhydroxid in eine Lauge zu verwandeln", sagte Torsten Dunkel.

Das Amt für Arbeitsschutz wurde über den Chemieunfall informiert und erschien vor Ort. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Elf Personen bei Chemieunfall verletzt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.