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Solingen
Eltern auf Zeit für junge Flüchtlinge gesucht

Solingen. Die Stadt muss deutlich mehr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterbringen. In Rekordzeit ist die Zahl auf 97 gestiegen. Von Günter Tewes

Der Jüngste ist zwölf. In der Regel sind die jungen Menschen, die hauptsächlich aus Syrien und Afghanistan stammen, 16 beziehungsweise 17 Jahre alt. Sie haben viel mitgemacht in ihrer vom Krieg erschütterten Heimat und auf ihrem langen Weg der Flucht, der sie bis nach Solingen geführt hat.

Dies schilderten gestern Peter Eberhard, Leiter des Stadtdienstes Jugend, sowie Claudia Auer vom städtischen Pflegekinderdienst, Silvia Hamacher und Sandra Latour von der Caritas sowie Béla Gall vom Intensivpädagogischen Dienst Bergisch Land und Sandra Regier vor der Awo. Alle Einrichtungen arbeiten eng zusammen, um Familien zur Seite zu stehen, die einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling aufnehmen. Die Stadt sucht Patenfamilien für diese Jugendlichen, die ohne Eltern oder Familienangehörige nach Solingen gekommen sind.

Plätze für minderjährige Flüchtlinge werden dringend gebraucht, erklärt Eberhard. Der Jugend-Stadtdienstleister spricht von einem akuten Problem. Denn mit der Änderung des Jugendhilferechts vor zweieinhalb Monaten werden die jungen Flüchtlinge jetzt nach einem bundesweiten Schlüssel auf die Städte verteilt. Konsequenz für Solingen: Aktuell sind der Stadt 97 unbegleitete Minderjährige zugewiesen worden. Zuvor waren in einem ganzen Jahr drei bis vier von ihnen gekommen, weil die Klingenstadt beispielsweise eben über keinen großen Flughafen verfügt. Denn nach der alten Rechtslage war für die Unterbringung jene Kommune zuständig, in der die Zufluchtsuchenden zuerst eingetroffen waren.

"Wir müssen in Rekordzeit viele Plätze zur Verfügung stellen", beschreibt Peter Eberhard die aktuelle Situation. Gerade für minderjährige Flüchtlinge ist die Aufnahme in einer Patenfamilie eine gute Alternative zur Unterbringung in einer allgemeinen Einrichtung - damit sie individuell in ein selbstständiges Leben begleitet werden. Die Eltern auf Zeit können die Jugendlichen mit den gesellschaftlichen Bedingungen in Deutschland und Solingen vertraut machen sowie sie bei ihren Schritten in Bildung und Ausbildung unterstützen.

Eine solche Patenschaft kann auch über den Aufenthalt in der Familie hinaus wirken und beide Seiten bereichern, heißt es. Nach den Worten von Sandra Regier von der Awo sei eine Patenfamilie "gut für die Seele" der Jugendlichen. Zwischen dem Flüchtling und den Pflegeeltern muss indes die Chemie stimmen. Beide Seiten müssen sich bewusst dafür entscheiden, erklärt Silvia Hamacher von der Caritas. Sechs Wochen beträgt meist die Vorbereitungszeit, anschließend erhalten die Familien ebenso Unterstützung.

Béla Gall vom Pädagogischen Dienst betont: "Wir sind in der Verantwortung, die Familien gut zu begleiten, die sich auf die Herausforderung einlassen." Dazu gehört auch eine finanzielle Vergütung nach den üblichen Bedingungen für Pflegekinder.

Quelle: RP
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