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Solingen
Eltern klagen gegen Umzug der Hauptschule Central

Solingen. Ein Treffen zur strittigen Übersiedlung der Schule nach Krahenhöhe brachte keinen Fortschritt. Eine Entscheidung vor Gericht wird wahrscheinlicher. Kompromisssuche geht aber weiter. Von Martin Oberpriller

Im Streit um den geplanten Umzug der Hauptschule Central nach den Sommerferien verhärten sich die Fronten immer weiter. Denn nachdem auch eine Gesprächsrunde zwischen Stadtspitze, Politik und Eltern am Mittwochabend im Verwaltungsgebäude Bonner Straße keine Annäherung brachte, wird die Wahrscheinlichkeit zunehmend größer, dass am Ende die Gerichte über die Auseinandersetzung und damit über die Zukunft von ungefähr 80 Schülern entscheiden werden.

So kündigte ein betroffener Vater nach dem Treffen, an dem unter anderem Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) sowie Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne) teilgenommen hatten, gestern im Gespräch mit unserer Redaktion an, die Verlagerung der Hauptschule Central nun per Eilantrag stoppen zu wollen. "Immerhin geht es um unsere Kinder", begründete der Solinger diesen Schritt und zeigte sich zudem von der Stadt tief enttäuscht. Der Verwaltung, so der Mann, komme es lediglich darauf an, an ihren bereits getroffenen Beschlüssen festzuhalten.

Dabei ist es den Eltern mit ihrem Widerstand bitterernst. Sie fürchten nämlich, dass ihre Töchter und Söhne, die nach den Ferien in die zehnte Klasse kommen, bei einem Wechsel zur Hauptschule Höhscheid in die Räume der alte Hauptschule Krahenhöhe die Verlierer sein werden. "Beispielsweise sind sich die Schüler der Schulen am Central sowie in Höhscheid nicht grün", klagte am Donnerstag ein anderer Vater und berichtete in diesem Zusammenhang von Drohungen, die es gegeben habe.

Erfahrungen, die zuvor bereits der Schülersprecher der Hauptschule Central beim Treffen am Mittwoch an der Bonner Straße geschildert hatte - und die von der Stadt durchaus ernst genommen werden. "Wir haben die Vereinbarung getroffen, dass es zwischen den Schülern zeitnah eine Begegnung geben soll", sagte eine Rathaus-Sprecherin gestern Abend. Sie betonte zudem, die Atmosphäre in der Verwaltungsstelle Ohligs sei "sehr offen" gewesen. So habe sich OB Kurzbach bei den Eltern ausdrücklich für frühere Fehler in der Kommunikation entschuldigt sowie zugesagt, den Umzug der Hauptschüler zur Krahenhöhe in allen erdenklichen Punkten unterstützen zu wollen.

An der Übersiedlung selbst will die Stadt aber nicht rütteln. So hätten ebenfalls anwesende Beamte der Bezirksregierung bei der zweieinhalbstündigen Runde vom Mittwoch deutlich gemacht, dass aus ihrer Sicht die Verlegung schon wegen der nicht länger passenden Schüler-Lehrer-Relation zum neuen Schuljahr unumgänglich sei, teilte die Stadt mit.

Dies jedoch wird von dem klagenden Vater sowie dessen rechtlichen Beistand in Zweifel gezogen. So könne beispielsweise das augenblicklich noch günstige Zahlenverhältnis von Pädagogen und Kindern auch nach den Sommerferien erhalten bleiben, wenn Versetzungen von Lehrern einfach später vollzogen würden, argumentiert der Anwalt, der in diesem Zusammenhang davon spricht, die Verantwortlichen ließen die Hauptschule Central "künstlich leerlaufen".

Tatsächlich hatte der Rat 2012 beschlossen, die Schule nach dem Schuljahr 2017/18 zu schließen. Den Kindern, die kommendes Jahr ihren Abschluss machen, und deren Eltern war allerdings zugesichert worden, dass die Hauptschule Central als Institution bis zu jenem Zeitpunkt auf jeden Fall weiter existieren werde. Wobei nun strittig ist, ob damit lediglich die Einrichtung selbst oder die Schulgebäude gemeint waren.

Denn nach Ansicht der Bürger Fraktion Solingen (BFS) steht die Stadt sehr wohl in der Pflicht, die letzten Schüler der Hauptschule bis zum Ende der Schullaufbahn am Central zu unterrichten. "Darum haben wir für die Sitzung des Schullausschusses am 9. Mai einen Antrag eingebracht", sagte am Donneratg BFS-Ratsherr Jan Salewski, der unterstrich, man werde die Schüler "nicht allein lassen". Und auch in der CDU mehren sich die kritischen Stimmen. So bezeichnete der schulpolitische Sprecher Torsten Küster das Treffen von Verwaltung und Betroffenen gestern als "Zeitverschwendung". Die Behörden hätten es versäumt, Fragen zu klären und Alternativen zum Umzug aufzuzeigen, monierte Köster.

Derweil nimmt die Suche nach solchen Alternativen hinter den Kulissen Fahrt auf. Dem Vernehmen nach kamen Dezernentin Becker sowie Vertreter der Fraktionen am Donnerstagmorgen zu einem weiteren Gespräch zusammen. "Jetzt sollen ,technische Hilfestellungen' gefunden werden", berichtete ein Teilnehmer der Sitzung später. Wie die genau aussehen, ist jedoch unklar. Die Eltern signalisierten jedenfalls schon einmal Kompromissbereitschaft. "Wenn statt des Umzugs zur Krahenhöhe Gebäude nahe dem Central für das letzte Schuljahr unserer Kinder genutzt würden, wären wir damit ja bereits einverstanden", sagte ein Vater.

Quelle: RP
 
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