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Solingen
Erfolgreiche Tumorbehandlung

Solingen. Das Pankreaszentrum in der St. Lukas Klinik hat Qualitäts-Zertifikat erhalten. Von Alexander Riedel

Manchmal kann die Begegnung mit einem Patienten auf den Arzt wie ein Mutmacher wirken: Denn der ehemalige Schulleiter Alfons Kern, inzwischen 84 Jahre alt, bezeichnet sein Wohlbefinden als insgesamt gut - 15 Jahre, nachdem Chirurg Dr. Markus Meibert ihm einen Tumor an der Bauchspeicheldrüse entfernte. "Er war der erste Pankreaskrebspatient, seit ich an diesem Haus tätig bin", erklärt der Leiter des Pankreaszentrums in der St. Lukas Klinik. Das ist eingebettet in das Onkologische Zentrum und widmet sich verschiedenen gut- und bösartigen Erkrankungen des lebenswichtigen Verdauungsorgans, das sowohl für die Regulierung des Blutzuckers als auch die Produktion von Enzymen zur Verarbeitung von Nährstoffen zuständig ist.

64 Tumorpatienten wurden in der Einrichtung im Jahr 2015 behandelt - ein Zuwachs um rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Dabei ist uns interdisziplinäres Arbeiten sehr wichtig", betont Professor Ulrich Mahlknecht, Chefarzt für Onkologie und Hämatologie. Einmal in der Woche besprechen unter anderem Chirurgen, Pathologen, Radiologen, Innere Mediziner und Psychoonkologen im Rahmen einer Tumorkonferenz die Situation aller Patienten, um passgenaue Lösungen zu finden. "So haben wir von Anfang an gearbeitet", betont Meibert.

Seit dem Vorjahr jedoch ist der Standard der Einrichtung auch offiziell fixiert - ein Expertenteam der Kölner Zertifizierungsstelle WIESO CERT verschaffte sich gründliche Einblicke in die Arbeitsweise des Pankreaszentrums und verlieh ihm die Zertifizierung nach der Qualitätsmanagementnorm DIN EN ISO 9001. "Viele Patienten schauen eben darauf, wo es ein Zentrum mit einem derartigen Qualitätsnachweis gibt", erklärt Mahlknecht die Bedeutung des Zertifikats. Mit ihm verknüpft sind viele Hoffnungen der Patienten. Denn Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse sind nach wie vor eine besonders große Herausforderung der Medizin: Das längliche Organ grenzt an große Blutgefäße, Tumoren verursachen an einigen Stellen lange keinerlei Symptome, und zum Zeitpunkt der Entdeckung haben sich oft schon Mikro-Metastasen gebildet, die auch durch moderne Verfahren nicht erkennbar sind. So ist die Prognose trotz einer erfolgreich verlaufenen Operation so ungünstig wie bei kaum einer anderen Krebserkrankung.

Im Falle von Alfons Kern, dessen Tumor am Pankreaskopf sich durch eine Entzündung bemerkbar gemacht hatte, lag die Wahrscheinlichkeit, die ersten fünf Jahre nach dem Eingriff zu überleben, bei 41 Prozent. Inzwischen ist dreimal so viel Zeit vergangen. Sein Leben ist nach wie vor geprägt von der Erkrankung: So entzündet sich als Folge der operativen Entfernung von Gewebe alle vier bis fünf Monate sein Gallengang durch aufsteigende Bakterien. Dennoch sprechen aus Kern Mut und Dankbarkeit: "Als ich hörte, dass man den Tumor operieren kann, hatte ich keine Todesängste mehr", berichtet er, und fügt mit Verweis auf die Fortschritte der Medizin an: "Es ist ein Glücksfall, dass ich heute leben darf."

Quelle: RP
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