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Solingen
Erinnerungen in Wachs konserviert

Solingen. Die Wahlhamburgerin Annette Brasch gibt in der Galerie SK Einblick in ihre künstlerische Welt. Von Güdny Schneider-Mombaur

Annette Brasch liebt es, auf Holz zu malen. "Holz gibt Widerstand, reagiert ganz anders als die bewegliche Leinwand. Holz verbindet mich mit dem Handwerk." Dies darf man bei Annette Brasch wörtlich nehmen - sie versteht sich als Künstlerin, die mit ihren Händen denkt und fühlt. Entsprechend wichtig ist ihr das Material ihrer Bildträger und der Malprozess.

Im Erdgeschoss der Galerie SK in den Güterhallen hat die Künstlerin rund 20 schmale und kleinformatige kastenartige Bilder in additiver Reihung gehängt. Sie gehören zu ihrer Werkgruppe "People", die zwischen Figuration und Abstraktion steht. Auf jedem Bildkasten taucht jeweils eine schemenartig angedeutete Einzelfigur zwischen ungestümen Farbflecken und wilden Lineaturen auf, konkretisiert sich oder verschwindet fast im freien Farbrausch. Interessant sind diese Bilder auch aus der Seitenansicht, denn Brasch malt "um die Ecke". Die Bilder gewinnen an Dreidimensionalität, werden objektartig und, so formuliert es die Künstlerin, "breiten sich mehr im Raum aus." In ihren aktuellen Arbeiten aus diesem Jahr hat sie dieses Prinzip auch auf großformatige Bildkästen übertragen, doch durch das andere Verhältnis von Bildfläche und Rand sind es hier vor allem die überlängten Proportionen der auf der Vorderseite dargestellten abstrahierten Figuren, die den Betrachter fesseln und irritieren.

Figurativ im engeren Sinne sind auch die Werkgruppen, die sich mit persönlichen Erinnerungen und mit der Genderthematik auseinandersetzen. Teilweise von Ausschreibungen zu Wettbewerben angeregt, setzt die Malerin hier unterschiedliche Materialien ein und erobert den Raum durch objekthafte Zusammenstellungen. Die Serie "Neue Heimat" nutzt die konservierende Eigenschaft von Wachs. Kleine Stofftiere und alte Fotos sind von rotem Wachs überzogen und in quadratischen Holzrahmen fixiert. Wachsmalerei wurde bereits bei den Mumienporträts der Antike zur Speicherung von Erinnerung genutzt.

Der Künstlerin dient Wachs als Schutz- und Konservierungsmedium für eigene Kindheitserinnerungen, die sie in ihren Miniatur-Wachsfigurenkabinetten arrangiert. In "Sauberkeit und Hygiene" und "Fremde Freunde" sind es alte Putzschwämme, die mit Porträts bemalt und dann mit Wachs konserviert sind. Diese Werke zeugen von Witz und überraschender Leichtigkeit in der Umsetzung thematisch komplexer Probleme, sei es die digitale Bilderflut oder gesellschaftliche Normen zur Rolle der Frau.

Im oberen Stockwerk der Galerie überrascht Brasch mit großen Tondos. Die Rundbilder gehören zur Serie " Der Boden unter mir" und lösen sich vom Figurativen in die Abstraktion. "Ausgangspunkt war für mich die Vorstellung, durch das Bullauge eines Schiffes ins Wasser zu blicken," erläutert die Malerin und nimmt damit direkt Bezug auf ihre Wahlheimat Hamburg, in der die 1963 in Waltrop geborene Annette Brasch seit fast 30 Jahren lebt. Hier studierte die diplomierte Sozialpädagogin freie Malerei an der Fachhochschule für Gestaltung. Lehraufträge in Sommerakademien führten sie nach Italien und in die Emirate. Jetzt ist sie mit der Ausstellung in der Galerie SK in die Nähe ihrer Heimat zurückgekehrt.

Quelle: RP
 
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