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Im Blickpunkt Flüchtlingskrise
Erschöpfte Flüchtlinge in Solingen angekommen

Im Blickpunkt Flüchtlingskrise: Erschöpfte Flüchtlinge in Solingen angekommen
Gegen 16 Uhr trafen gestern Nachmittag die ersten 58 Flüchtlinge ein. Unter ihnen befanden sich etliche Familien mit Kindern. Bei Dreien der Asylsuchenden handelte es sich um Jugendliche, die alleine auf der Flucht waren. Sie wurden von Sozialarbeitern betreut. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. In einem Kraftakt nimmt die Stadt etwa 200 Menschen - weitere werden heute erwartet. Auch viele Bürger helfen den Neuankömmlingen. Von Martin Oberpriller

Den Menschen waren die Strapazen der zurückliegenden Tage deutlich anzumerken. Rund 200 Flüchtlinge, darunter auch Familien mit kleinen Kindern, sind gestern in Solingen angekommen. Nach einer ersten Registrierung sowie einer kurzen medizinischen Untersuchung im Theater und Konzerthaus wurden die Asylsuchenden später mit Bussen der Verkehrsbetriebe zur Notunterkunft an der Zweigstraße gefahren. Von dort aus sollen die Menschen in den kommenden Tagen oder Wochen auf andere Einrichtungen in ganz Nordrhein-Westfalen verteilt werden.

Nach ihrer Ankunft wurden die erschöpften Menschen zunächst versorgt. Dutzende Helfer waren im Einsatz. FOTO: Köhlen, Stephan (TEPH)

Die meisten der am Wochenende Eingetroffenen stammen aus Syrien sowie Afghanistan. Hinter ihnen liegt vielfach eine Odyssee. Erst in den vergangenen Tagen waren die Flüchtlinge über Ungarn nach Deutschland eingereist, nachdem sie zuvor oft Wochen sowie teils unter Lebensgefahr auf der Flucht gewesen waren.

"Wir sind glücklich, hier zu sein", sagte zum Beispiel ein Mann. Er war vor einem Monat mit seiner gesamten Familie, darunter seine Schwester und deren einjährige Tochter, aus Kundus in Afghanistan aufgebrochen. "Es war alles sehr anstrengend", schilderte der Mann, während ein anderer Flüchtling aus Syrien über seine dramatische Fahrt über das Mittelmeer berichtete. "Unser Boot ging kaputt, und wir wurden erst in letzter Sekunde gerettet", sagte der Syrer.

Die Stadt druckte Infos in verschiedenen Sprachen . Später kamen die Flüchtlinge in die Notunterkunft Zweigstraße FOTO: Köhlen, Stephan (TEPH)

Dementsprechend erschöpft wirkten die meisten Menschen bei ihrer Ankunft gestern. Es spielten sich verzweifelte Szenen ab. Eine Frau bekam zum Beispiel einen Weinkrampf. Als der erste Bus mit 58 Flüchtlingen gegen 16 Uhr Solingen erreichte, wurden die Schutzsuchenden von städtischen Bediensteten sowie freiwilligen Helfern empfangen und mit dem Notwendigsten versorgt. Im Foyer des Theater und Konzerthauses bekamen die Menschen Essen und Trinken, ehe sie später im Kammermusiksaal durch Beamte registriert sowie von Ärzten des Klinikums und des Gesundheitsamtes einem ersten medizinischen Check unterzogen wurden.

Mehrere Kinder kamen ins Krankenhaus. "Ein Kind, das 14 Tage Durchfall hat, wurde von uns umgehend ins Klinikum gebracht", sagte Joachim Eichenberg, Leiter des Stadtdienstes Gesundheit, als die ersten Menschen untersucht waren. Ungefähr zum selben Zeitpunkt traf vor dem Theater und Konzerthaus der zweite Bus mit diesmal 53 Frauen, Männern und Kindern ein. Auch diese Asylsuchenden wurden später in die Notunterkunft Zweigstraße gefahren, derweil die vielen Helfer im Theaterfoyer auf weitere Flüchtlinge warteten.

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Insgesamt erreichten gestern vier Busse mit Flüchtlingen Solingen, ein fünfter folgt heute. Bis zum Abend wurden die Menschen versorgt. Die Stadt, die Samstagnachmittag von der Bezirksregierung Düsseldorf kurzfristig über die bevorstehende Ankunft der Asylsuchenden unterrichtet worden war, hatte über Nacht alle notwendigen Vorbereitungen getroffen. "Ich habe vor all unseren Mitarbeitern und den anderen Helfern einen riesigen Respekt", sagte Oberbürgermeister Norbert Feith, der vor Ort mit weiteren Verantwortlichen der Stadt den Empfang der Flüchtlinge organisierte. Nach der Ankündigung der Bezirksregierung hatten die Beamten begonnen, Computer und Tische aufzubauen sowie Nahrungsmittel heranzuschaffen. Um 1 Uhr in der Nacht zu Sonntag stand die Infrastruktur. Zuvor waren 70 Stadt-Bedienstete in drei Schichten eingeteilt und die Verkehrsbetriebe informiert worden, so dass am Morgen gegen 8 Uhr alles vorbereitet war.

Im Laufe des Tages verzögerte sich die Ankunft der Neuankömmlinge. Darum wurde am Nachmittag das Rote Kreuz in Alarmbereitschaft versetzt, um gegebenenfalls den Transport der Asylsuchenden auch in der Nacht sicherzustellen. Derweil fanden sich etliche Bürger am Theater ein, die helfen wollten. So meldete sich eine Ärztin zum medizinischen Dienst. Händler eines Flohmarktes, der im Konzertsaal stattfand, spendeten Kleidung und Handykarten. Und an der Zweigstraße verteilten Bürger Stofftiere.

Quelle: RP
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