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Solingen
Erste Hilfe für die Seele mit mehr Ehrenamtlichen

Solingen. Der Evangelische Kirchenkreis bekennt sich zur Zukunft der Notfallseelsorge. Doch dafür gibt es nicht mehr so viele Pfarrer. Von Günter Tewes

Weil es in Zukunft nicht mehr so viele Pfarrstellen geben wird, will die evangelische Kirche die Notfallseelsorge mit Hilfe von Ehrenamtlichen sichern und weiterentwickeln. Das beschloss die Synode des Kirchenkreises mit den zehn Gemeinden jetzt auf ihrer Frühjahrstagung in Ketzberg. "Die Synode bekräftigt ihr ,Ja' zur Notfallseelsorge als Erster Hilfe für die Seele und als christlichem Dienst an Menschen in Notsituationen", heißt es in dem einstimmig verabschiedeten Beschluss. Zurzeit, so Pressepfarrer Thomas Förster, wird der Bereitschaftsdienst der Notfallseelsorge rund um die Uhr vor allem durch die Pfarrer der Evangelischen Kirche in Solingen aufrechterhalten. In den nächsten 15 Jahren wird sich die Zahl der Pfarrstellen jedoch halbieren auf dann nur noch nahezu 13 Pfarrstellen. "Wir wollen das gewohnte Niveau der Notfallseelsorge erhalten, aber wir können die Belastung der Pfarrer bei zurückgehender Zahl nicht durch eine immer stärkere Verdichtung ihres Dienstes noch weiter erhöhen", erklärte Superintendentin Dr. Ilka Werner.

Deshalb sollen zukünftig verstärkt Ehrenamtliche "als verlässliche zweite Säule des Bereitschaftsdienstes" gewonnen und ausgebildet werden. Simone Henn-Pausch koordiniert die evangelische Notfallseelsorge. Den Regelfall, erläuterte sie, stelle nicht die Katastrophenlage mit großer medialer Aufmerksamkeit dar, sondern der plötzliche Todesfall im häuslichen Umfeld, bei dem ein hinterbliebener Mensch dringend Hilfe brauche, um das Geschehene zu begreifen und erste Schritte des Abschiednehmens zu gehen. Das, so betonte Diakonie-Geschäftsführerin Friederike Stratmann als Vorsitzende des Fachausschusses Seelsorge, sei eine seelsorgliche Aufgabe, die bereits seit Jahrhunderten zu den Aufgaben der evangelischen Kirche gehöre. Sie schätzt, dass drei Ehrenamtliche die regelmäßige Bereitschafts- und Einsatzzeit eines Pfarrers oder einer Pfarrerin abdecken können. Derzeit befinden sich neun zukünftige ehrenamtliche Notfallseelsorger in der Ausbildung.

Etwa zweimal pro Woche wird in Solingen die Notfallseelsorge des Kirchenkreises alarmiert. Dabei erfolgt die Alarmierung nicht durch Privatpersonen, sondern durch die Leitstellen von Feuerwehr und Polizei sowie durch die Kliniken. Neben dem Regelfall, der Seelsorge anlässlich eines plötzlichen Todesfalls, zählt auch die Begleitung bei der Überbringung einer Todesnachricht durch Polizeibeamte oder der Einsatz bei Unfällen, Verbrechen oder größeren Schadenslagen zu den Aufgaben. Diplom-Theologin Simone Henn-Pausch ist außerdem in der Nachbetreuung von Rettungskräften nach psychisch besonders belastenden Einsätzen aktiv.

Quelle: RP
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