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"Es gibt zu viel Angebot in der Gegend"

Solingen. Der Solinger Konzert- und Show-Experte Marc Kirchheim sieht den Bau einer Eventarena in seiner Heimatstadt eher kritisch.

Wie verfolgen Sie die Diskussion um eine kombinierte Sport- und Eventhalle mit bis zu 600 Plätzen?

Marc Kirchheim Ich sehe die Situation mit gemischten Gefühlen. Ich habe selber zwölf Jahre Handball gespielt und finde es toll, dass der BHC in der Bundesliga spielt. Zudem reizt mich das Thema "große Veranstaltungshalle", da ich sicher auch gerne ein oder zwei Konzerte im Jahr dort veranstalten würde. Aber leider sehen die Fakten für die geplante Refinanzierung durch zusätzliche Veranstaltungen anders aus. Es wäre schön, wenn diese Halle gebaut werden würde - aber was bringt es, wenn sie danach nicht finanziert werden kann?

Der Bedarf müsste aber doch da sein: In Solingen gibt es keine Halle mit diesen Kapazitäten, in Remscheid auch nicht; und die Uni-Halle in Wuppertal bröckelt vor sich hin.

Warum so pessimistisch?

Kirchheim Es gibt zu viel Angebot in unserer Gegend. Die Solinger nehmen es in Kauf, nach Düsseldorf oder Köln zu fahren. Ich sehe nur eine Chance, wie man eventuell ein paar Künstler nach Solingen bekommt: eine sehr geringe Miete, so dass der Veranstalter aus kaufmännischen Gründen handelt. In diesem Fall reicht aber die Refinanzierung nicht aus.

Die Nähe zur A 46 ist aber doch ein Vorteil gegenüber innerstädtischen Hallen.

Kirchheim Leider nein. Insgesamt ist Solingen kein geeigneter Standort für eine solche Halle! Dies hat folgende Gründe: Geografisch gesehen ist die Lage Solingens unglücklich, es gibt Köln, Düsseldorf und das Ruhrgebiet in unmittelbarer Nähe. Daher würde ein Veranstalter im Rahmen einer Tournee größeren Städte wählen, dies sind in der Regel: Hamburg, Berlin, Frankfurt, München, Köln (oder Düsseldorf) und Dortmund (oder Oberhausen und Essen). Damit ist die Tour geografisch gut verteilt. Es gibt einen sogenannten Gebietsschutz, das heißt, der Künstler respektive die örtlichen Veranstalter möchten kein weiteres Konzert in unmittelbarer Nähe, weil dadurch gegenseitig Besucher abgezogen werden. Solingen ist nun mal keine bekannte Stadt, und Künstler möchten in den großen Städten auftreten, zumal dort auch mehr Presse vor Ort ist. In Solingen oder Wuppertal gibt es keinen örtlichen Veranstalter, für den Konzerte in einer Größenordnung von 6000 Besuchern Tagesgeschäft sind.

Wenn überhaupt, welche Kapazität müsste Sie aus Ihrer Sicht bieten?

Kirchheim Eine gute Kapazität liegt bei maximal 2500 Besuchern, wenn die Halle dann auch noch abgetrennt und somit die Kapazität reduziert werden kann. Hier gibt es deutlich mehr Künstler, die auch in Solingen Station machen würden. Bei Comedy-Veranstaltungen reicht das Theater und Konzerthaus. Es gibt sicherlich einige Comedy-Acts, die auch eine 6000er-Halle füllen, aber diese Anzahl ist überschaubar. Auch für Corporate Events ist die Kapazität absolut uninteressant. Es gibt nicht mehr viele Firmenveranstaltungen in dieser Größenordnung; und wenn, dann geht der Kunde nach Köln oder Düsseldorf, weil dort die Infrastruktur vorhanden ist: Flughafen, Hotels.

Wie viele Veranstaltungen müssten Ihrer Erfahrung nach dort im Jahr stattfinden?

Kirchheim Es werden sicherlich mindestens 20 bis 30 Veranstaltungen sein. Wichtig ist, wie hoch die Miete ist und ob man die Gastronomie selber in Anspruch nehmen kann.

Trauen Sie es einem Verein zu, ein Management mit Booking aufzubauen?

Kirchheim Nein, dies wird nicht funktionieren. Die Künstler in dieser Größenordnung werden unter den örtlichen Veranstaltern aufgeteilt, weil diese über die nötigen Kontakte verfügen. Da kommt man als Neuling nicht rein! Oder es werden wie beispielsweise damals bei der Museumsmeile Bonn von den Tour-Veranstaltern so hohe Gagen gefordert, dass man Mühe hat, schwarze Zahlen zu schreiben. In dieser Größenordnung kann man schnell an einem Abend 200.000 Euro Verlust einfahren.

Für welche Preisklasse/Kategorie von Künstlern wäre eine solche Halle interessant?

Kirchheim Interessant wäre es nur für Comedy-Veranstaltungen. Diese Künstler spielen sehr oft im Rahmen einer Tour Städte, die nicht weiter als 30 Kilometer auseinander liegen. Comedy ist so verbreitet, dass man oftmals mit Karten, die man nur in seiner Stadt verkauft, große Hallen füllen kann. Bei Konzerten würde es sich auf die "alten" Acts beschränken wie Status Quo, Nena oder Jethro Tull. Die Preise sollten bei maximal 45 Euro liegen.

Würden Theater und Konzerthaus, Cobra und Getaway unter einem zusätzlichen Hallen-Anbieter leiden?

Kirchheim Nein, dies hätte absolut keine Auswirkung. Deren Kapazitäten liegen zwischen 800 und 1400 Plätzen.

JÖRN TÜFFERS FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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