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Manfred Kartenberg
"Es könnten deutlich mehr Stiftungen sein"

Manfred Kartenberg: "Es könnten deutlich mehr Stiftungen sein"
Sparkassen-Vorstandsmitglied Manfred Kartenberg. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Vor rund einer Woche haben zwei Solinger Stiftungen, die von Rudolf und Elfriede Knupp sowie die von Erika Giossi, 15.000 Euro an sechs Vereine und zwei Einzelpersonen vergeben. Die Veranstaltung fand nicht zufällig im Veranstaltungsraum der Stadt-Sparkasse statt.

KARTENBERG Es ist bekannt, dass die Stadt-Sparkasse viele wohltätige Organisationen unterstützt und Kompetenz bei der Geldanlage hat. Weniger bekannt ist, dass einige unserer Mitarbeiter sich persönlich bei Stiftungen engagieren. Peter Frank beispielsweise, dem am Samstag vor einer Woche ein besonderer Dank galt, arbeitet ehrenamtlich als Schatzmeister im Vorstand der Knupp-Stiftung. Ludger Hoebink nimmt diese Funktion beim Palliativen Hospiz Solingen (PHoS) wahr.

Sie beraten auch bei der Gründung von Stiftungen. Wie oft wird das Angebot genutzt?

KARTENBERG Viele Privatkunden, die wir lange in Vermögensangelegenheiten betreut und die oft keine direkten Nachkommen haben, wenden sich bei großen Spenden oder Stiftungen an uns.

Und wie oft gehen die Beratenen dann tatsächlich stiften?

KARTENBERG Meinem Empfinden nach könnten es in Solingen deutlich mehr sein. Viele gehen trotz der Beratung, die wir leisten, den Schritt nicht. Dabei haben Stiftungen große Vorteile: Man tut Gutes, kann die Erinnerung an die eigene Person wachhalten und hat auch noch steuerliche Vergünstigungen, wenn man zu Lebzeiten eine Stiftung gründet. Stifter können deutlich höhere Beträge geltend machen als Spender. Der steuerliche Aspekt stand bei den Solingern, die ich beraten habe, allerdings nicht im Vordergrund.

Wo liegen die Gründe für die Zurückhaltung potenzieller Stifter?

KaRTENBERG Da kann ich nur spekulieren. Manchen mögen die Hürden zur Errichtung einer selbstständigen Stiftung zu hoch erscheinen. Die Nachhaltigkeit muss gesichert sein, Organe müssen besetzt werden. Die Stiftung muss beispielsweise einen Vorstand, typischerweise aber auch ein Kuratorium haben. Jemand muss ja auch nötige Satzungsänderungen veranlassen können. Aber es gibt auch einfachere Wege, um mit Wohltaten im Gedächtnis zu bleiben.

Zum Beispiel?

KARTENBERG Wenn das Geld an eine Treuhand-Stiftung geht. Man kann ihr seinen Namen geben, hat die absolute Transparenz, weil man jedes Jahr einen Bericht bekommt, und braucht keinen Vorstand und kein Kuratorium. Die Hürde ist da deutlich geringer. Wir empfehlen die Deutsche Stiftungsagentur als guten Partner. Auch Zustiftungen zu bereits eingetragenen Stiftungen sind eine Alternative.

Wie vermögend muss man denn sein, um eine Stiftung gründen zu können?

KARTENBERG Sehr viele gehen den Weg, zunächst ein Mindeststiftungskapital zur Verfügung zu stellen und nach dem Tod dann das gesamte restliche Vermögen. Den Weg kann man empfehlen. Dass man sich zu Lebzeiten mit der Stiftung vertraut macht, einige Stifter wollen auch gerne mitarbeiten, halte ich für sehr sinnvoll.

Warum macht es wenig Sinn, weniger als eine hohe sechsstellige Summe in die Hand zu nehmen?

KARTENBERG Ich kenne jemanden, der vor zirka acht Jahren eine Stiftung mit der Mindestsumme von 50.000 Euro gegründet hat. Das würde heute wahrscheinlich nicht mehr genehmigt werden: Die Existenz der Stiftung ließe sich mit den Erträgen nicht langfristig sichern. Deshalb dreht es sich bei anderen Stiftern durchaus auch um sechs- bis siebenstellige Summen. Alternativ könnte neuerdings auch der Weg einer sogenannten Verbrauchsstiftung gewählt werden. Diese hätte dann eine endliche Laufzeit und Wirkung.

Welchen Zweck sollte eine Stiftung erfüllen?

KARTENBERG Man sollte heute den Stiftungszweck sehr breit anlegen. Früher wurde oft differenziert, weil es vor dem Jahr 2007 noch unterschiedliche Steuerregelungen gab, je nachdem, wem das Geld zugutekam.

Die Stadt-Sparkasse ist auch selbst als Stifter aufgetreten. Sie sind seit über einem Vierteljahrhundert Bevollmächtigter der Altenstiftung.

KARTENBERG An der Altenstiftung lassen sich einige der gerade besprochenen Themen gut darstellen. Etwa der Verwendungszweck: Ursprünglich zur Förderung von Altenwohnungen gegründet, ist sie heute an zwei Altenheimen beteiligt, fördert seit rund zwei Jahrzehnten aber auch Kinder und Jugendliche. Der Ertrag der Zöppkesmarkt-Lotterie, die von der Altenstiftung veranstaltet wird, geht an die Kinderstuben. Auch das Kinderhospiz wurde wie das Mehrgenerationenhaus bereits unterstützt. Thema Zustiftung: Geld aus einer großen Erbschaft, das die Stiftung 2016 erhalten hat, wird möglicherweise in den Bau einer Kita investiert. Da suchen wir noch potenzielle Partner.

Was ist mit Unternehmensstiftungen, wie man sie von Krupp kennt?

KARTENBERG Derartige Stiftungen, die nur partiell gemeinnützig sind und von denen auch die Besitzer profitieren sollen (ein Drittel der Erträge kann der Familie zukommen), sind mir aus Solingen nicht bekannt. Bei Unternehmensstiftungen braucht man aber ganz dringend den Beistand von Rechts- und Steuerberatern. Das gilt in geringerem Maße auch für private Stiftungen. Die Stadt-Sparkasse übernimmt die Erstberatung; auch für Solinger, die ihre Konten woanders haben. Vertieft informieren dürfen aber nur Notare, Rechtsanwälte und Steuerberater. Alle Stiftungen müssen zudem von der Aufsicht in Düsseldorf genehmigt werden.

FRED LOTHAR MELCHIOR FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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