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Solingen
Es kommen deutlich weniger Flüchtlinge

Solingen: Es kommen deutlich weniger Flüchtlinge
600 Flüchtlingen bietet das Henry-Dunant-Dorf an der Monhofer Straße eigentlich Platz. Seit Wochen aber sind in der Notunterkunft die meisten Betten nicht belegt. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Rund 2700 Flüchtlinge leben zurzeit in der Klingenstadt. 961 sind in Wohnungen untergebracht, der Rest lebt nach wie vor in Gemeinschaftsunterkünften. In den beiden Landeseinrichtungen in der City und in Ohligs sind 101 Personen. Von Uwe Vetter

In Turnhallen und Schulen sind keine Flüchtlinge mehr untergebracht. Das war auch erklärtes Ziel der Stadtverwaltung, hier für angemessene Unterkünfte zu sorgen. Immerhin 961 von rund 2700 Flüchtlingen konnten bereits in Wohnungen untergebracht werden. "Das ist eine deutliche Steigerung, der Rest lebt aber weiter in Gemeinschaftsunterkünften", sagt Birgit Wenning-Paulsen von der städtischen Pressestelle.

Zwar ist die Zahl der Flüchtlinge von Mai auf Juni wie im Land insgesamt auch in Solingen stabil geblieben und kaum merklich gestiegen. Dennoch gibt die Stadt keine Entwarnung: "Wir brauchen weiter Unterkünfte, wir wissen ja nicht, was passiert", sagt Wenning-Paulsen. Von daher gelte es, Vorsorge zu treffen. Ein unkalkulierbarer Aspekt sei der Familiennachzug. "Der uns sicherlich noch viele weitere Menschen bringen wird", sagt die städtische Pressesprecherin. Von daher brauche es noch zusätzliche Holzhäuser.

Zwei davon entstehen aktuell an der Jaspersstraße und an der Zietenstraße. Jeweils 84 Personen können dort aufgenommen werden. Am 13. beziehungsweise 20. August, noch bevor die Holzhäuser bezogen werden, haben interessierte Bürger die Möglichkeit, diese Häuser zu besichtigen. Das gilt auch für den sogenannten "Roten Esel" in Wald. Das ehemalige Schulhaus inklusive Container an der Friedrich-Ebert-Straße bietet Platz für 200 Flüchtlinge, Container für 100 Personen gibt es zudem an der Beethovenstraße. Beide Einrichtungen können am 6. beziehungsweise 27. August von Interessierten in Augenschein genommen werden.

Für zwei weitere Holzhäuser - an der Neuenkamper Straße in Höhscheid und an der Nibelungenstraße in Gräfrath - haben jeweils Nachbarn Klagen eingereicht. "Das Verwaltungsgericht Düsseldorf überprüft nun die Baugenehmigungen für die beiden Holzhäuser", sagt Birgit Wenning-Paulsen. Wann eine Entscheidung des Gerichts vorliegt, lasse sich derzeit nicht sagen. Fakten wurden von der Stadt indes keine geschaffen, die vorgesehenen Grundstücke an den beiden Standorten in Höhscheid und Gräfrath wurden nicht vorbereitet.

Während sich die Lage bei den Flüchtlingen der Stadt zurzeit weitestgehend normalisiert hat, sind in den beiden Landeseinrichtungen im alten Finanzamt an der Goerdelerstraße und dem Henry-Dunant-Dorf an der Monhofer Straße in Ohligs aktuell ebenfalls deutlich weniger Flüchtlinge untergebracht als noch zur Jahreswende. "Vergangene Woche hatten wir 75 Menschen hier", sagt die Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Simone Hoch, mit Blick auf das Henry-Dunant-Dorf.

Das DRK betreibt diese Einrichtung im Auftrag des Landes. Platz bietet es für insgesamt 600 Flüchtlinge. "350 Personen hatten wir bislang in der Spitze in diesen Hallen", ergänzt Simone Hoch, "bevor die Menschen von hier in die Städte verteilt werden, sind sie durchschnittlich 21 Tage in Ohligs".

Im Winter hatte das DRK im Ohligser Dorf schon einmal weniger Betrieb, aber das könne sich täglich ändern. "Wir haben hier eine sehr starke Fluktuation, es ist nicht planbar", sagt Simone Hoch. Mittlerweile habe man sich damit aber arrangiert. "Wir sind ganz entspannt", so die Sprecherin des DRK-Kreisverbandes Solingen.

Zwei Speisehallen, eine Verwaltungshalle, zudem drei Unterkunftshallen - je eine für Familien, Männer und Frauen - sowie zwei Sanitäts- und zwei Multifunktionshallen werden in dem vom DRK betriebenen Dorf vorgehalten.

Nach Angaben der Bezirksregierung sind im Leichtbauhallenkomplex derzeit 77 Personen untergebracht, in der Goerdelerstraße 24 Flüchtlinge. Zusammen also 101. "Derzeit wird seitens des Landes eine Bestandsaufnahme gemacht, welche Unterkünfte in welcher Form bestehen bleiben und weiterentwickelt werden, oder welche Planungen aufgegeben und die Einrichtungen nicht weiter betrieben werden", sagt Stefanie Klockhaus von der Bezirksregierung. Dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen, endgültig entschieden sei nichts. Zuletzt hatte das Landesinnenministerium die zukünftig vorzuhaltende Anzahl der Plätze (50.000 statt bisher 69.000 in Nordrhein-Westfalen) bekanntgegeben. "Daran werden sich jetzt die weiteren Überlegungen orientieren", so Klockhaus.

Die Notunterkunft im alten Finanzamt an der Goerdelerstraße soll jedenfalls laut Plan zum Ende des Jahres aufgegeben werden. Der Leichtbauhallenkomplex an der Monhofer Straße ist derzeit mit einer Laufzeit bis Oktober 2017 vorgesehen - "die auch mindestens eingehalten werden soll", so die Sprecherin der Bezirksregierung. Sie ergänzt: "Das ist der Stand von heute. Änderungen im Rahmen des Anpassungsprozesses sind nicht ausgeschlossen."

Quelle: RP
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