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Solingen
"Es muss ein Ruck durch die Stadt gehen"

Solingen: "Es muss ein Ruck durch die Stadt gehen"
Ausbildungspartner (v.l.): Martin Klebe, Oberbürgermeister Tim Kurzbach, Arnd Krüger und Horst Gabriel. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in Solingen ist dramatisch. Für die vielen Bewerber gibt es zu wenig Plätze. Wir haben darüber mit dem Oberbürgermeister gesprochen.  Von Uwe Vetter

Die Zahlen sind eindeutig: Auf 495 angebotene Ausbildungsstellen kommen 1084 Bewerber. Das war die Lage zur Halbzeit des Ausbildungsstellenjahres Ende März. Auf 100 Bewerber kamen nur 46 Lehrstellen. Damit war ein neuer Tiefpunkt erreicht - der schlechteste Wert seit fünf Jahren. Mit dieser Zahl war die Klingenstadt absolutes Schlusslicht im Vergleich der drei bergischen Großstädte. Die Situation hat sich mittlerweile zwar etwas verbessert, unter dem Strich bleibt aber: "Es gibt zu wenig Ausbildungsplätze in Solingen", sagt Martin Klebe, Chef der Arbeitsagentur Solingen-Wuppertal.

Als Oberbürgermeister Tim Kurzbach vor Wochen diese Zahlen sah, "brannten bei mir sofort die roten Lampen". "Das ist eine dramatische Situation, sie gibt Anlass zur größten Sorge", so der Verwaltungschef, der mit Blick auf die Unternehmen und weitere Ausbildungsstellen appelliert: "Es muss ein Ruck durch Solingen gehen."

Diesem Appell beziehungsweise der ins Leben gerufenen Ausbildungskampagne schließen sich die Kreishandwerkerschaft, die Arbeitsagentur, der Arbeitgeberverband Solingen und die Industrie- und Handelskammer an. Denn alle wissen: Ausbildung ist Zukunft - für die Wirtschaft und damit letztlich die Stadt. In einem gemeinsamen Brief werden die Unternehmen gebeten, dem Abwärtstrend entgegenzuwirken und über das aktuelle Ausbildungsplatzangebot noch einmal nachzudenken. "Es ist zwar mitunter schwer, qualifizierte Jugendliche zu finden, aber es muss ausgebildet werden", sagt Kreishandwerksmeister Arnd Krüger. Unterstützt in dieser Einschätzung wird er von Horst Gabriel. Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes hatte schon vor Wochen an die Mitgliedsfirmen des Arbeitgeberverbandes appelliert, größere Ausbildungsanstrengungen zu unternehmen. "Der Fachkräftemangel ist in der Industrie schon jetzt ein Thema. Es ist fünf vor Zwölf", sagt Gabriel.

Gleichwohl werden Fachkräfte gebraucht, um die weitere Entwicklung des Wirtschaftsstandortes nicht zu gefährden. "In wenigen Jahren gehen rund 20 Prozent der Solinger Arbeitnehmer in den Ruhestand. Darunter sind 80 Prozent Fachkräfte", sagt Klebe. Ohne Ausbildung werde man keine neuen Fachkräfte bekommen. Überdies gibt es in anderen Städten weitaus mehr Stellen als Bewerber. Nicht von ungefähr nutzen derzeit gut 56 Prozent der Solinger auswärtige Ausbildungsangebote. "Diese jungen Menschen sind dann auch für die Stadt verloren", so Kurzbach, Klebe, Krüger und Gabriel gestern beim gemeinsamen Pressegespräch im Rathaus.

Um eine Umkehr auf dem Ausbildungsmarkt zu erreichen, sollen neben dem Brief auch persönliche Gespräche stattfinden. IHK-Präsident Thomas Meyer und Horst Gabriel verabredeten dies, Oberbürgermeister Kurzbach will ebenfalls Betriebe ansprechen. "Wir brauchen rasch auskömmliche, attraktive und vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten", so die Ausbildungspartner.

Quelle: RP
 
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