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Solingen
Fachkräftemangel bereitet große Sorge

Solingen: Fachkräftemangel bereitet große Sorge
In Solingen gingen die Industrieumsätze um zehn Prozent zurück, in Remscheid stiegen sie kräftig um 15 Prozent. Die Schneidwarenbranche schwächelte zuletzt etwas, heißt es in der IHK-Bilanz. FOTO: Vetter / Kempner (Archiv)
Solingen. Die Wirtschaft im bergischen Städtedreieck hat sich auch in diesem Herbst weiter gut behauptet. Die Unternehmen sind zudem optimistisch, dass der Aufschwung anhält. Im Städtevergleich liegt Solingen aktuell an letzter Stelle. Von Uwe Vetter

Die Geschäftslage ist gegenüber dem Frühjahr zwar leicht eingetrübt. Doch der Präsident der Industrie- und Handelskammer, Thomas Meyer, sieht die bergische Wirtschaft nach wie vor gut aufgestellt: "Wir haben eine robuste Wirtschaftsentwicklung. Uns geht es gut", sagte Thomas Meyer nach der jüngsten Konjunkturumfrage. Die IHK hatte hier 357 Unternehmen - darunter 188 in Wuppertal, 89 in Solingen und 80 in Remscheid - mit insgesamt 20.500 Beschäftigten nach ihrer aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen in den kommenden Monaten befragt.

Immerhin halten danach 39 Prozent ihre Geschäftslage als gut, darüber hinaus weiter 57 Prozent für befriedigend. Nur fünf Prozent sind unzufrieden. Unter dem Strich ergibt sich damit ein Geschäftslage-Index von plus 34. Der ergibt sich aus der Differenz der Antworten "gut" und "schlecht". "Nachdem 2008/09 bei der Wirtschafts- und Finanzkrise alle tief im Keller gewesen waren, ging es ab 2010 aufwärts. Diese Entwicklung ist über die Jahre hinweg nicht außergewöhnlich, aber ungewöhnlich", sagte der IHK-Präsident.

Für ihn ist derzeit wichtig: "Die Unternehmen wollen weiter investieren und ausbilden." Gerade Letzteres hält Meyer für unabdingbar. Denn jedes zweite Unternehmen, das sich an der Umfrage beteiligte, hat Schwierigkeiten, offene Stellen mit Fachkräften zu besetzen. "Der Fachkräftemangel wird aber von einigen Unternehmen nicht angegangen. Wer nicht ausbildet, schadet der Gesellschaft", sagte Thomas Meyer. "Der Fachkräftemangel wirkt sich als Wachstumsbremse aus. Von daher nehmen diejenigen Unternehmen, die ausbilden und investieren, die Herausforderungen der Zukunft an." Der IHK-Präsident hält angesichts des Fachkräftebedarfs ein Einwanderungsgesetz für notwendig. "Außerdem müssen wir unter anderem auch mehr Frauen in Ganztagsbeschäftigung holen." Dafür brauche es aber mehr Kitas mit Ganztagsbetreuung für die Kinder, so Thomas Meyer.

FOTO: Vetter Uwe

Im Städteranking liegt in diesem Herbst Solingen an letzter Stelle. Der Indexwert hat sich mit plus 18 kaum gegenüber dem Frühjahr verändert. Zu Jahresbeginn hatte er noch bei plus 36 gelegen. Wuppertal (41) und Remscheid (34) haben derzeit deutlich die Nase vorn. "Die Erwartungen sind dennoch quer durch alle Branchen positiv. Die Unternehmen rechnen weiter mit einem anhaltenden Aufschwung", sagte der IHK-Präsident. Die Solinger Werte seien eine Momentaufnahme. "Es gab Dämpfer bei den Schneidwarenfirmen. Die Inlandsumsätze haben sich hier nicht so gut entwickelt wie im Vorjahr", erklärte IHK-Geschäftsführer Uwe Mensch.

Zwar mischt sich die Industrie- und Handelskammer nicht in das Tarifgeschehen ein. Doch der Unternehmer Thomas Meyer hält die aktuellen Forderungen der IG Metall - 28 Stunden Woche, sechs Prozent mehr Lohn - "für unrealistisch". Ohnehin sehen vier von zehn Befragten, dass höhere Arbeitskosten zu massiven Problemen führen könnten. Jedes zweite Unternehmen nennt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als größten Risikofaktor.

Quelle: RP
 
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