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Solingen
Fall Hanaa S.: Polizisten berichten von Kampfspuren

Solingen. Mit verschärften Kontrollen vor dem Gerichtssaal ging gestern der Mordprozess um die Irakerin Hanaa S. am Wuppertaler Landgericht weiter. Zuvor war ein Angehöriger der fünf Angeklagten dabei erwischt worden, wie er aus dem Zuschauerraum mit seinem Handy unerlaubt fotografierte. Wiederholt hatten Beobachter des Prozesses zuletzt Einfluss auf den Ablauf der Verhandlung genommen, zum Beispiel, indem sie einen Dolmetscher bezichtigten, einen Zeugen falsch übersetzt zu haben. Von Alexander Riedel

Nach diversen - und äußert zeitaufwändigen - Zeugenaussagen von Familienmitgliedern des mutmaßlichen Mordopfers kamen gestern zwei Polizeibeamte zu Wort. Die hatten im April 2015, als Hanaa S. als vermisst gemeldet worden war, die Wohnung der 35-jährigen Jesidin aufgesucht - und waren auf Indizien für einen Kampf gestoßen: In einer angeblich kurz zuvor frisch gestrichenen Tür hätten sie Macken und kleine Blutspritzer gefunden. Außerdem habe auf dem Fußboden ein Büschel Haare gelegen. Darüber hinaus hätten die Räume wie nach einer Wohnungsauflösung gewirkt, ohne persönliche Gegenstände und nur noch mit wenigen Möbelstücken, berichtete einer der Polizisten. Der neue Lebensgefährte der verschwundenen Frau habe zudem einen sehr aufgewühlten Eindruck gemacht. Der Polizei habe er vorgeworfen, trotz wiederholter Hinweise auf eine Gefährdung der jungen Frau nicht konsequent gehandelt zu haben.

Die sechsfache Mutter Hanaa S. soll von der Familie ihres Ehemannes bedroht worden sein, weil sie diesen verlassen hatte. Neben dem Mann müssen sich am Landgericht auch drei seiner Geschwister sowie der älteste Sohn des Paares für die Mordtat verantworten. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vor, das Verbrechen aus Gründen verletzter Familienehre verübt zu haben. Keiner der Angeklagten hat dazu bislang Stellung genommen. Bis es zu einem Urteil wird es noch lange dauern: Prozesstage sind mindestens noch bis November terminiert. Erst einmal macht der Prozess jedoch eine gut zweiwöchige Pause. Danach sollen weitere Zeugen befragt werden.

(rdl)
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