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Mordprozess
Fall Hanaa S.: Zeugen berichteten von "ungewöhnlichem Teppichtransport"

Mordprozess: Fall Hanaa S.: Zeugen berichteten von "ungewöhnlichem Teppichtransport"
Die Schwester des Ehemannes gehört zu den fünf Familienangehörigen, die beschuldigt werden, ein Mordkomplott geschmiedet zu haben. FOTO: Bernd Thissen
Solingen / Wuppertal. Der Mordprozess gegen fünf Familienangehörige im Fall der verschwundenen sechsfachen Mutter Hanaa S. ist heute vor dem Landgericht Wuppertal fortgesetzt worden. Der Leiter der Mordkommission sagte aus und berichtete von Blutspuren sowie Zeugenaussagen eines "ungewöhnlichen Teppichtransports". Von Annemarie Kister-Preuss und Guido Radtke

Im Mittelpunkt der Verhandlung stand die Vernehmung des Kriminalbeamten, der die Mordkommission im Fall von Hanaa S. leitete. Er berichtete der Strafkammer von Blutspuren, einer stark beschädigten Badezimmertür und ausgerissenen Haarbüscheln, die in der Solinger Wohnung von Hanaa S. gefunden wurden. "Es kam der Verdacht, dass die Frau die Räumlichkeiten nicht freiwillig verlassen hatte", sagte der Kriminalhauptkommissar. Durchsucht wurde die Wohnung an der Hasselstraße, nachdem der neue Lebensgefährte der 35-jährigem Irakerin sie als vermisst gemeldet hatte.

Der Beamte schilderte zudem eine Aussage einer Nachbarin, die einen "ungewöhnlichen Teppichtransport" beobachtet hatte. Zudem berichtete der 55-Jährige von Bedrohungen, die das spätere Opfer über das Handy bekommen hatte.

Erwartungsgemäß war gleich zu Beginn des heutiges Prozesstages der Antrag abgelehnt worden, die Verhandlung auszusetzen, weil das Landgericht Wuppertal nicht zuständig sein soll. Gleiches galt für den Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Thomas Bittner.

Dass einer der Angeklagten Analphabet sein soll und daher die Anklageschrift nicht verstehen konnte, war nach Auffassung des Gerichts ebenfalls kein Grund, die Verhandlung nicht durchzuführen. Das Gericht sei im Vorfeld zu keinem Zeitpunkt von den Verteidigern über eine mögliche Leseschwäche ihres Mandanten informiert worden. "Es erscheine zweifelhaft, dass der Angeklagte Ehemann der Getöteten wirklich nicht lesen könne", hieß es.

Auf der Anklagebank des Wuppertaler Landgerichts müssen sich neben dem Ehemann der Verschwundenen, ihr Sohn sowie zwei Brüder und eine Schwester des Ehemanns verantworten. Sie sollen ein Mordkomplott gegen die 35-jährige Irakerin geschmiedet haben, um "die Familienehre wiederherzustellen", wie es in der Anklage heißt.

Sie hatte sich von ihrem Ehemann getrennt und war am 21. April 2015 spurlos verschwunden. Die Solinger Wohnung, in der die Tat an diesem Tag geschehen sein soll, wurde von Haanah S. aufgelöst, weil sie mit dem neuen Freund leben wollte.