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Mordfall Hanaa S.
Familienrat wusste vom gesamten Geschehen

Der Fall Hanaa S.
Der Fall Hanaa S.
Solingen. Der Familienrat soll alles gewusst und die Flucht des Haupttäters beschlossen haben. Das hat ein mitangeklagter Schwager am Freitag im Prozess um den mutmaßlichen Mord an Hanaa S. (35) aus Solingen erklärt.

Der 36-Jährige beschrieb im Landgericht Wuppertal nach mehr als 80 Verhandlungstagen erstmals seine Version vom Geschehen um den Tod der sechsfachen Mutter. Er beteuerte: "Ich hatte ein gutes Verhältnis zu ihr".

Hanaa S. verschwand am 21. April 2015 aus ihrer Wohnung an der Hasselstraße, wo sie sich vor ihrer Familie versteckt hatte. Ihres Mordes angeklagt sind ein Schwager (26), ihr Ex-Mann (43), ihr ältester Sohn (19), eine Schwägerin – und eben der 36-Jährige, der in Köln Unternehmer ist.

Früheren Aussagen zufolge hatte der 26-Jährige zusammen mit dem Sohn versucht, seine Schwägerin zu entführen. Er habe Goldschmuck von ihr zurückgefordert, den sie für ihn aufbewahren sollte, schließlich aber nicht mehr hergegeben habe. Der Sohn wollte laut eigenen Angaben mitgemacht haben, damit die Mutter einlenke. Er sei aber bei ihrer Tötung dabei gewesen. Der ältere Schwager kommentierte, das Geschehen sei "eskaliert".

Der Ex-Mann soll am selben Tag zusammengefasst haben: "Mein Bruder hat Mist mit Hanaa gemacht." Laut der neuen Aussage beschloss dann der Familienrat, dass der 26-Jährige nicht zur Polizei geht. Vielmehr sollte er sich ins Ausland absetzen. Inwieweit das Gericht dieser Version folgen wird, ist offen. Ihr zufolge hätten jedenfalls alle Angeklagten gewusst, wer der Haupttäter gewesen ist. Sie hätten sich trotzdem seit eineinviertel Jahren schweigend einem Prozess gestellt, in dem sie gemeinsam verurteilt werden können.

 

(dilo)