| 00.00 Uhr

Solingen
Fernsehturm bald Denkmal?

Witzhelden: Emotionaler Abschied vom Fernsehturm "Äu"
Solingen. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Witzhelden hat sich ein sieben Meter langes Stück des alten Funkturms gesichert. Von Peter Clement

Gefühlt das gesamte Dorf hatte von verschiedenen Punkten aus in Kontakt miteinander gestanden und zugesehen, als der Fernsehturm am 7. November um 13.30 Uhr nach 57 Jahren zusammenfiel.

Dass es das Ende einer Ära sein würde, hatten die meisten zwar gewusst, bis zu diesem Moment aber doch eher verdrängt: Am Bechhauser Weg waren bereits am frühen Morgen die ersten Schaulustigen vorbeigekommen und beobachteten die Spezialfirma dabei, wie der Abbruch des Turms - ihres langen "Äus" - vorbereitet wurde. Es wurde heftig diskutiert, und nicht wenige fragten sich: "Kann man nicht wenigstens ein Stück des Turms für die Witzheldener erhalten?

Der Erfüllung dieses Wunsches ist der Verkehrs-und Verschönerungsverein im Höhendorf (VVV) jetzt ein gutes Stück nähergekommen, wie Vorsitzender Ulrich Braun bekanntgab: "Wir haben ein etwa sieben Meter hohes Stück von der Deutschen Funkturm-Gesellschaft überlassen bekommen", berichtete er. Aber nicht irgendeines: "Es handelt sich dabei um den originalen Eingang, sogar mit Eingangstür, die zwischenzeitlich ja abmontiert gewesen war und nun wieder zur Verfügung steht." Benannt wurde der Funkturm bekanntlich nach dem bis 1963 amtierenden Bürgermeister der Gemeinde, August Weltersbach, Großvater des Ehemannes von Sigrid Weltersbach.

Sie ist heute stellvertretende Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins und hatte bereits 2016 mit der Funkturm-Gesellschaft Kontakt aufgenommen - zunächst natürlich vor allem in der Absicht, die Witzheldener Landmarke zu erhalten. "Je mehr allerdings deutlich wurde, dass der Abriss nicht zu vermeiden sein würde, haben wir als Verein versucht, wenigstens ein gutes Stück davon zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen."

Das könnte nun bald geschehen. Zuvor muss allerdings noch einiges geklärt werden, wie beide Vereinsvorstände betonen: Da ist zunächst die Frage des Grundstücks zu klären. Am liebsten wäre es dem VVV, wenn sich im Bereich des Turmwegs jemand fände, der einen Teil seines Grundstücks zur Verfügung stellen könnte.

Denn viel zahlen kann der Verein nicht - im Gegenteil: "Wir sind natürlich darauf angewiesen, dass wir auch Spenden bekommen, damit wir unsere Ideen hinsichtlich des Turms als Denkmal umsetzen können", merkt Vorsitzender Ulrich Braun an.

Zumindest an denen scheint allerdings kein Mangel zu bestehen: Von einer Aussichtsplattform in sieben Metern Höhe inklusive einem Fernglas mit Bezahlfunktion bis hin zu einer Art Denkmal-Präsentation des Siebenmeterstücks als bearbeitete Originalanmutung - gewissermaßen ein Turm im reduzierten Format - reichen die kreativen Vorschläge. Für Braun und Weltersbach ist vor allem eines wichtig: "Der Turm war ein Wahrzeichen und ein wichtiges Stück Heimat", sagen sie beide übereinstimmend. Wenn man nach längerer Abwesenheit zurück ins Höhendorf gekommen sei, sei er einem als erstes ins Auge gefallen - "und wenn man dann den Alten vom Berge erblickt hat, wusste man: Jetzt bin ich zu Hause."

Zurzeit wird das Turmstück an einem unbekannten Ort sicher verwahrt, und auch das hat seinen Grund, wie Braun betont: "Wir haben am Tag des Abrisses so viele Leute beobachtet, die sich mit Hammer und Brecheisen ein Stück des Turmes sichern wollten, dass wir jetzt einfach Angst haben, ,Turm-Spechte' anzulocken, wenn wir sagen, wo das gute Stück lagert."

Wer den Witzheldener Fernsehturm möglichst schnell als Denkmal im Höhendorf wieder sehen möchte, Spenden oder ein Grundstück zur Verfügung stellen will, kann sich an folgende E-Mail-Adressen wenden:

sigrid.weltersbach@gmx.de oder service@soma-apotheke.de

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Fernsehturm bald Denkmal?


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.