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Solingen
Flüchtlinge ziehen nächste Woche in Zeltstadt

Solingen: Flüchtlinge ziehen nächste Woche in Zeltstadt
FOTO: Kempner, Martin (mak)
Solingen. Das "Henry-Dunant-Dorf" in Ohligs steht kurz vor der Fertigstellung. Bei der Präsentation des Roten Kreuzes gab es erste Einblicke in die Unterkunft für rund 600 Menschen. Von Martin Oberpriller und Martin Kempner (Fotos)

Die zulässige Privatsphäre bemisst sich in deutschen Flüchtlingsunterkünften nach den Regeln des Brandschutzes - was auch für das neue "Henry-Dunant-Dorf" des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Solingen gilt.

Zurzeit laufen an der Monhofer Straße in Ohligs, wohin ab kommender Woche die ersten´ von später einmal bis zu 600 Menschen umsiedeln werden, noch die letzten Arbeiten. Doch die Wohnzelte sind inzwischen bezugsfertig. Und bei der gestrigen Vorstellung des Dorfes wurde bereits deutlich, dass die Unterkünfte für die Flüchtlinge alles andere, nur keine "Luxusherbergen"sind.

Die Menschen werden in "Kojen" mit bis zu sechs Betten untergebracht. Dort sollen auch ganze Familien leben. Pro Box gibt es einen Stoffschrank. FOTO: Kempner, Martin (mak)

Im Gegenteil: Die Wohn- und Schlafbereiche mit den massiven Außenwänden sowie einer Heizungsanlage unter dem Giebeldach sind in rund 100 "Kojen" unterteilt. Eine Bezeichnung, die angesichts der nur wenige Quadratmeter großen Boxen durchaus treffend ist. Wobei auch die Einrichtung spartanisch ist. Zwei bis sechs Betten pro "Koje", ein Schrank aus Stoff und 1,60 Meter hohe Trennwände zu den Nachbarn - die Menschen haben im "Henry-Dunant-Dorf" nur wenig Privatsphäre. "Das ist eine Vorschrift des Brandschutzes", sagte DRK-Geschäftsführer Jan Welzel, während er gestern Mittag 200 Gäste aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft über das 13.000 Quadratmeter große Areal führte.

In einer Rekordzeit von sechs Wochen ist die größte Unterkunft für Flüchtlinge in Solingen aus dem Boden gestampft worden. Neben den Wohnzelten, in denen Männer, Frauen sowie ganze Familien getrennt untergebracht werden, sind auf dem alten Brachgelände gegenüber von Kronprinz zwei Krankenzelte, ein Sanitätszelt, zwei Speisezelte, eine Küche sowie diverse Container untern anderem für Duschen, WC, Technik, Lager und Sicherheitsdienst entstanden.

Die Duschen sind in eigenen Containern eingerichtet. FOTO: Kempner, Martin (mak)

Ein richtiges Dorf also, in das in den nächsten Tagen Leben einzieht. 120 Flüchtlinge, die zurzeit noch in der Sporthalle Schwertstraße untergebracht sind, werden die ersten Bewohner sein. Ein Umstand, der den Verantwortlichen des Roten Kreuzes ganz gelegen kommt. Denn immerhin halten sich diese Menschen bereits einige Wochen in Solingen auf, so dass die Eingewöhnung relativ entspannt über die Bühne gehen sollte.

Nach dieser Generalprobe ist der eigentliche Aufnahmeprozess allerdings jederzeit möglich. Die Unterkunft ist eine Notaufnahmestelle des Landes, was wiederum bedeutet, dass innerhalb weniger Stunden Männer, Frauen und Kinder zugewiesen werden können, die gerade erst Deutschland erreicht haben.

In den Essenszelten finden 150 Personen gleichzeitig Platz. FOTO: Kempner, Martin (mak)

Diesen Neuankömmlingen will das Rote Kreuz das Einleben so einfach machen, wie es gerade geht. Von DRK-Mann Frank Voß als Leiter der Einrichtung über einen Arzt, Dolmetscher, Hausmeister und Sozialarbeiter bis hin zu einem syrischen Koch - rund 70 Angestellte werden sich um die Asylsuchenden kümmern.

DRK-Geschäftsführer Welzel: "Da wir nicht wissen, wie lange die Menschen bleiben, ist es unser Ziel, ihnen schon hier Grundzüge der deutschen Sprache und unserer Werte zu vermitteln". Helfen sollen dabei neben den Hauptamtlichen möglichst viele Freiwillige, die das DRK zur Mitarbeit animieren will. Parallel legen die Verantwortlichen aber auch Wert darauf, dass bei den Flüchtlingen kein Lagerkoller entsteht.

Eine Gefahr, die angesichts der Enge in den Zelten sowie der dort manchmal wahrscheinlich recht hohen Geräuschkulisse durchaus besteht. Deshalb existiert ein festes Regelwerk, das ab 22 Uhr Nachtruhe vorsieht, und an das sich alle halten müssen. Gleichzeitig kann das Dorf aber jederzeit verlassen werden. Worunter die Sicherheit nicht leiden soll. So erhalten Bewohner, Angestellte und Gäste am Eingang eine Karte mit den wichtigsten Daten. Die Security ist zudem angehalten, jeden zu kontrollieren. Und das Rote Kreuz steht in ständigem Kontakt mit dem polizeilichen Staatsschutz, um Gefahren für die Bewohner möglichst auszuschließen.


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Quelle: RP