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Solingen
Flüchtlingsfamilien kommen am Montag

Solingen: Flüchtlingsfamilien kommen am Montag
Blick in ein Achtbettzimmer. Hier sollen Familien Obdach bekommen. FOTO: mak
Solingen. Das Land nutzt die Jugendherberge in Gräfrath als Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. Der Aufenthalt der Familien soll auf drei Monate begrenzt sein. Nach dieser Zeit werden sie den Einrichtungen der Städte zugewiesen. Von Annemarie Kister-Preuss

Als der Vorsitzende des BV Gräfrath erfuhr, dass unweit seiner Vereinssportanlage am Flockertsholz in der Jugendherberge Gräfrath Flüchtlinge untergebracht werden sollen, machte er der Stadt gleich ein Angebot. Per Mail ließ Frank Müller Oberbürgermeister Norbert Feith wissen, dass die Menschen gerne mehrmals in der Woche auf dem Platz Fußball spielen könnten. "Das war ein tolles Zeichen der Solidarität", sagte der Oberbürgermeister gestern bei einem Pressegespräch bei Steinhaus im Alten Hauptbahnhof, bei dem die Flüchtlinge Thema waren. "Wir haben die Aufgabe, solidarisch zu sein und uns als weltoffene Stadt zu präsentieren", betonte Norbert Feith.

142 Plätze hat die Jugendherberge in Gräfrath. Für drei Monate soll sie ab Montag dem Land als Erstaufnahmestelle für Flüchtlingsfamilien dienen, bevor die Menschen den Städten zugewiesen werden. Alle Kosten trägt das Land, wie der stellvertretende Kölner Regierungspräsident Wilhelm Steitz betonte, der auch die Idee hatte, mit dem Jugendherbergswerk Kontakt aufzunehmen. Die Solinger Herberge wird die erste bundesweit sein, die Flüchtlinge vorübergehend aufnimmt. Weil Personal und Räume vorhanden sind, seien Jugendherbergen gut geeignet. Die Buchungen, die für die kommenden Monate in Gräfrath vorlagen, werden auf andere Herbegen zum Beispiel in Wuppertal oder Burg verteilt. "Das Jugendherbergswerk hat sofort zugestimmt und auch die Mitarbeiter freuen sich auf die neue Aufgabe", so Wilhelm Steitz gestern vor der Presse. Die Mitarbeiter unterstützen werden zwei Mitglieder von ZOF, einem Verein, der sich um Migranten kümmert und den Menschen, die am Montag kommen, auch bei Fragen zu Asyl und Aufenthalt zur Seite steht.

"Es werden ausschließlich Familien nach Gräfrath kommen, die alle medizinischen Untersuchungen bereits hinter sich haben", sagt Wilhelm Steitz. Solingens Sozialdezernent Robert Krumbein betont, dass es sich bei den Menschen, die nach Gräfrath kommen, um Flüchtlinge im Erstaufnahmeverfahren handelt. Die Zahl der Flüchtlinge, die Solingen zugewiesen werden, kommt hinzu. Daher sucht die Stadt weiterhin privaten Wohnraum zur Anmietung, um die Menschen unterzubringen. Derzeit hat die Stadt in eigenen Unterkünften und angemieteten Wohnungen rund 800 Menschen untergebracht, pro Woche kommen rund 15 neue hinzu.

"Das ganze System ist am Limit", sagt Wilhelm Steitz. In diesem Jahr reiße der Zustrom der Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten nicht ab, wie sonst um diese Jahreszeit. Darauf habe man sich vorher nicht einstellen können. 2006 seien in ganz NRW 6000 Flüchtlinge angekommen, 2014 sind es bereits 30 000. Bundesweit rechnet man mit 200 000 Flüchtlingen aus verschiedenen Herkunftsländern. Dennoch, Mitte der 1990-er Jahre suchten, verursacht durch die Jugoslawien-Krise, noch mehr Menschen Zuflucht in Deutschland.

Quelle: RP