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Solingen
Flüchtlingsheim lehnte Hygieneartikel ab

Solingen: Flüchtlingsheim lehnte Hygieneartikel ab
Erst vor wenigen Wochen zogen die Flüchtlinge ein. Zuvor stellte die Stadt Betten für die Flüchtlinge auf. FOTO: Kempner
Solingen. Zweimal wies die städtische Unterkunft im ehemaligen Hallenbad Ohligs an der Sauerbreystraße ehrenamtliche Helfer ab, die gezielt Hilfsgüter abgeben wollten. Die Stadt Solingen räumte jetzt Missverständnisse ein. Von Alexander Riedel

Der Versuch, den neuen Nachbarn im Stadtteil etwas Gutes zu tun, endete für Michael Morsbach frustrierend: In Namen eines Vereins hatte sich der Ohligser auf den Weg zum alten Hallenbad an der Sauerbreystraße gemacht. Seinem Anliegen, die Flüchtlingsunterkunft gezielt mit Zahnbürsten, Duschgel, Windeln und anderen Hygieneartikeln zu versorgen, habe jedoch schon der Wachdienst einen Riegel vorgeschoben, berichtet er. "Daraufhin wollte ich den Hausmeister sprechen."

Rund 100 Flüchtlinge leben zurzeit in dem alten Ohligser Hallenbad an der Sauerbreystraße. FOTO: Archiv

Bis der kam, nutzte Morsbach die Gelegenheit, kurz einen Blick in das Innere des Gebäudes zu werfen - und war vor allem ob der Enge und Lautstärke entsetzt. Die Bodenplatte über dem alten Schwimmbecken, auf der ein Großteil der über 100 Flüchtlinge aus Ländern wie dem Irak und Syrien zwischen Stellwänden lebt, verursache bei jedem Schritt ein lautes Klappern.

Auch das Gespräch mit dem Hausmeister sei anders verlaufen als erhofft: "Es hieß, für die Sachen, die ich besorgen wollte, sei kein Lagerraum vorhanden", erklärt Morsbach. Besonders erschüttert habe ihn aber die Aussage, die Flüchtlinge sollten sich ihre Hygieneartikel selbst von ihrem Taschengeld kaufen. "Direkte Hilfe ist offensichtlich unerwünscht", resümiert Morsbach sein Erlebnis.

Dirk Wagner, Sonderbeauftragter für Flüchtlinge im Rathaus, bedauert den Vorfall. Die Stadt lege ausdrücklich Wert darauf, dass nicht nur an den öffentlichen Sammelstellen Sachspenden abgegeben werden, sondern auch vor Ort, wenn es zuvor eine Absprache über die benötigten Waren gegeben hat. "Wir sind sogar auf passgenaue Spenden angewiesen", betont Wagner. Gerade im Rahmen von Patenschaften wüssten schließlich viele Ehrenamtler genau, wer was brauche. Die Verwaltung habe die Mitarbeiter in den Sammelunterkünften für derartige Situationen sensibilisiert.

Dass die notwendige Arbeit der Sicherheitsdienste und der Wunsch, unbürokratische Hilfe zu leisten, auch andernorts häufig auf Kriegsfuß stehen, weiß auch Anita Dabrowski vom Fachdienst Integration beim Caritasverband Wuppertal/Solingen. Gemeinsam mit der Stadt suche man nach Ideen, um die Kommunikation zwischen Helfern und Security zu verbessern.

Wie Dirk Wagner bestätigt, war Michael Morsbach nicht der erste Helfer, der in der Ohligser Unterkunft abgewiesen wurde. Schon einige Wochen zuvor, in der zurückliegenden Adventszeit, wollte eine Gruppe von Ehrenamtlern nach einem Gespräch mit Flüchtlingen offenbar dringend benötigte Hilfsgüter an der Sauerbreystraße anliefern, darunter Desinfektionsmittel sowie gesammelte Schuhe und Winterjacken - und stieß ebenfalls auf wenig Gegenliebe. Erst nach einigen Diskussionen konnten die Spenden vor Ort bleiben. Nach einem empörten Schreiben ins Rathaus entschuldigte sich die Verwaltung umgehend im Namen der Einrichtung - und gelobte Besserung.

Quelle: RP
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