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Solingen
Frauenhilfe - ein Projekt für die Zukunft?

Solingen: Frauenhilfe - ein Projekt für die Zukunft?
Ingrid Raabe (l.) ist die neue Vorsitzende der Frauenhilfe, Lore Kluth ihre Vorgängerin. FOTO: Schneider-Mombaur
Solingen. Die Frauenhilfe ist eins der sozialen Projekte der evangelischen Kirche mit einer über 100 jährigen Tradition. 1899 wurde der Hilfsverein unter der Schirmherrschaft von Auguste Viktoria, der Frau von Prinz Wilhelm von Preußen, dem späteren Kaiser Wilhelm II., ins Leben gerufen. Von Güdny Schneider-Mombaur

Auguste Viktoria engagierte sich stark im sozialen Bereich, setzte sich für die Frauenbewegung und bessere Bildung für Mädchen und junge Frauen ein. Im Ersten Weltkrieg kümmerte sie sich um karitative Organisationen und das Lazarettwesen. Aus heutiger Sicht würde man sie als empathisch, engagiert und modern bezeichnen. Die letzte deutsche Kaiserin starb 1921 im niederländischen Exil.

Wie schon 1899 geht es im Verein der evangelischen Frauenhilfe auch heute noch um die Bedürfnisse von Frauen. Doch nicht zu leugnen ist, dass sich das Frauenbild und die gesellschaftliche Rolle der Frau seit Ende des 19. Jahrhunderts stark geändert hat. Ist also die Frauenhilfe noch ein Projekt für Gegenwart und Zukunft? Diese Frage beantworten die im Kreisverband Solingen zusammengeschlossenen Leiterinnen der Frauenhilfegruppen eindeutig positiv, vor allem bezogen auf ihre aktuelle Arbeit. Die Mitgliederzahlen sind zwar auch in der Frauenhilfe gesunken. Derzeit gibt es in den elf Solinger Gemeindegruppen rund 250 Mitglieder, doch jede erfüllt vor Ort eine wichtige soziale Funktion. Heute sind es vorrangig die betagten Gemeindemitglieder, verwitwete und alleinlebende Frauen, denen durch die regelmäßigen Zusammenkünfte geistige Anregung, Kommunikation und seelische Betreuung zukommt. Mit nur einem geringen Mitgliedsbeitrag organisiert das Leitungsteam ein vielfältiges Programm, das von Bibelarbeit über die Organisation von Vorträgen bis hin zu Geburtstagsfeiern und Ausflügen reicht. Auch Hilfsangebote zur Erhaltung der Alltagskompetenz gibt es. "Großen Erfolg hatte das Gedächtnistraining, das Angebot zum Rollatortraining bei Busfahrten, der Besuch der Polizei mit Ratschlägen zur Sicherheit im Alltag und die Informationsveranstaltung zu den neuen Pflegegraden", erzählt Christel von Camen aus der Kirchengemeinde Höhscheid.

Begleitet werden die ehrenamtlichen Leiterinnen bei der Programmplanung vom Landesverband der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland, der die Vereinsarbeit mit Ideen, Materialien und Weiterbildungsangeboten unterstützt. Eine jährliche Deligiertenkonferenz der 38 Kreisverbandsgruppen festigt die gemeinsame Zielvereinbarung und den Austausch untereinander.

Doch trotz gut strukturierter Verbandsarbeit macht sich die ehemalige Vorstandsvorsitzende Lore Kluth Sorgen um das Projekt Frauenhilfe in der Zukunft. "Es fehlt an ehrenamtlichen Kräften, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und die tagsüber Zeit haben, sich um die seniorengerechten Angebote zu kümmern. Berufstätige Frauen, und das ist heutzutage der größte Teil, sind zeitlich eingeschränkt und familiär gebunden. Aber auch viele Rentnerinnen kümmern sich lieber um Mann und Enkelkinder." Zum anderen wandelt sich die Einstellung der Generation 50 plus. "In der Gräfrather Gemeinde", so erzählt Renate Vesper, "gibt es einen Frauen-Treff mit Teilnehmerinnen zwischen 50 und 70 Jahren. Diese jungen "Alten" wollen etwas erleben und können sich nicht mit dem antiquierten Etikett Frauenhilfe identifizieren."

Was also wird aus dem Projekt Frauenhilfe in der Zukunft? Diese Frage können auch die engagierten Mitarbeiterinnen aus den Solinger Gemeinden nicht beantworten. Eins aber bestätigen alle: Die aktuelle Arbeit vor Ort ist ein unverzichtbarer Beitrag in einer alternden Gesellschaft, in der gerade die Frauen im hohen Alter meist allein zurückbleiben und sich einsam und ausgegrenzt fühlen.

Quelle: RP
 
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