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Im Blickpunkt Oberbürgermeister-Wahl
Friedhelm Funk - der kritische Kandidat

Im Blickpunkt Oberbürgermeister-Wahl: Friedhelm Funk - der kritische Kandidat
Friedhelm Funk geht von einer Stichwahl aus: "Mindestens einen der Parteikandidaten werde ich am 13. September rauskegeln." FOTO: Köhlen, Stephan (TEPH)
Solingen. Friedhelm Funk tritt bei der Oberbürgermeister-Wahl am 13. September als unabhängiger Kandidat gegen Frank Feller (CDU), Tim Kurzbach (SPD/Grüne) sowie die ebenfalls parteilosen Einzelbewerber Hakan Canik und Wolfgang "Coco" Teuber an. Von Uwe Vetter

Filz, Klüngel und Postenschacherei kann Friedhelm Funk überhaupt nicht ausstehen. Doch davon gebe es in Solingen reichlich, sagt er mit Blick auf die Parteienlandschaft und die Büros der Stadtverwaltung. Dies zu ändern war mit ein Grund, sich für den Posten des Oberbürgermeisters zu bewerben: "Die vereinnahmen uns immer mehr, das kann so nicht weitergehen."

Der gelernte Damaszierer und nach dem Verkauf des Familienbetriebes als Journalist tätige Funk hat nie einer Partei angehört. "Ein Journalist muss unabhängig sein", sagt Friedhelm Funk, "um kritisch hinterfragen und berichten zu können." Ohne Parteibrille kann der 70-Jährige von daher klar auf die Dinge schauen, die er im Argen sieht. "Parteien und Verwaltung haben eine Milliarde Euro Schulden aufgetürmt", sagt Friedhelm Funk. Hätte er damals seinen Handwerksbetrieb ebenso geführt, "wäre ich nach sechs Monaten pleite gewesen", sagt er unumwunden.

Wird er zum Oberbürgermeister gewählt, "dann zählen bei Postenbesetzungen nur fachliche Kompetenzen und nicht das Parteibuch". Sämtliche Ausgaben der Stadt kämen auf den Prüfstand und würden, wo es erforderlich ist, gekürzt. "Ausgaben müssen auf das unbedingt Notwendige reduziert werden", meint der Vater eines 46-jährigen Sohnes, "die Stadt kann nicht alles leisten". Richtig aufregen kann sich der Solinger - seine Frau Brigitte engagiert sich stark bei der Solinger Tafel - darüber, wenn über sogenannte Investorenmodelle von Verbänden beispielsweise Kindertagesstätten gebaut werden. "Die rühmen sich dann damit, die Zeche zahlt aber die Stadt über 20- bis 30-jährige Mietverträge." So werde Monat für Monat Geld der ohnehin klammen Stadtkasse entzogen. Die Investoren hingegen könnten sich die Hände reiben: "Einen sichereren Zahler als die öffentliche Hand gibt es nicht", weiß Funk mit Blick auf die "Rotzlöffelrenditen", wie solche Finanzierungsmodelle in den Fachmedien genannt werden.

Viel Resonanz hat Friedhelm Funk beim Wahlkampf auf der Straße erfahren. Aber er weiß, dass längst nicht alle zur Wahl am 13. September gehen werden. "Ein Drittel der Bevölkerung kann man nicht mehr erreichen, denen ist alles ziemlich egal. Ein weiteres Drittel nimmt Anteil, bleibt aber passiv", erzählt der Damasziermeister und Journalist. Ein Echo erfahre er aber von "den Gestaltungswilligen", die sich aktiv einmischen. "Mit denen führt man gute Gespräche", sagt der parteilose Kandidat.

Die erwarten aber gleichzeitig, dass Kandidaten bereits das Wissen eines Oberbürgermeisters haben sollten, der bereits drei Jahre im Amt ist. "Von diesem Teil der Bevölkerung wird ein hoher Maßstab an die Kandidaten angesetzt, wenn man so will, sollte man eine umfassende Wissensbox sein", sagt Funk.

Durch seine journalistische Tätigkeit in den vergangenen fast 20 Jahren ist er indes mit einigem Rüstzeug ausgestattet. Er kennt Verwaltungsarbeiten ebenso wie politisches Handeln. Antworten auf Fragen - auch unbequeme - kann Funk von daher im Straßenwahlkampf und auf der Bühne bei Podiumsdiskussionen ohne Weiteres geben.

Und er sieht seine Kandidatur für den Chefposten in der Verwaltung durchaus chancenreich. "Ich gehe von einer Stichwahl aus, mindestens einen der Parteikandidaten werde ich am 13. September rauskegeln", sagt er mit Zuversicht.

Illusionen bei der Wahlbeteiligung hat er aus den Reaktionen des Wahlkampfes dagegen keine großen. "Die wird wohl unter 40 Prozent liegen", bedauert Funk, zumal bei der letzten Kommunalwahl lediglich 43 Prozent zur Urne gingen.

Quelle: RP
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