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Solingen
Frischer Glanz für den Kaiserbesuch

Solingen. Das Bild aus dem Jahr 1899 auf Schloss Burg zeigt nicht nur Wilhelm II. - sondern auch Julius Schumacher, den Ur-Ur-Ur-Onkel des ehemaligen Burger Bürgermeisters Gerhard Schumacher. Von Maxine Herder

Es war ein großer, ein ganz besonderer Tag für Schloss Burg: Im August 1899 besuchte Kaiser Wilhelm II. das Bergische Land und entschloss sich auf Einladung des Landrates zu einem Abstecher nach Schloss Burg, um dort die umfangreichen Wiederaufbauarbeiten in Augenschein zu nehmen. Tausende Menschen standen Fähnchenschwenkend an den Straßenrändern, vom Burger Bahnhof bis zum festlich dekorierten Schloss hinauf, um nur einmal den Kaiser zu sehen.

Ein Tag, der in einem großen, ganz besonderen Bild für die Nachwelt erhalten ist: Noch im Jahr 1899 hielt der Maler Theodor Rocholl den Besuch des Kaisers in einem großformatigen Gemälde fest, das bis heute in den Räumen der Schloss-Gastronomie hängt.

Allerdings: In rund 116 Jahren hat der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen. Die Farben des Gemäldes mit den Maßen 2,10 mal 3,10 Meter sind, unter anderem durch rauchende Gäste im Restaurant, nachgedunkelt, der Putz hinter dem Bild scheint zu bröckeln, wölbt die Leinwand aus und sorgt für einen dunklen Schatten am Fuß des Gemäldes. "Die Auswölbungen haben sich in den vergangenen Jahren zwar nicht verstärkt, doch hier muss etwas geschehen", sagt Klaus-Dieter Schulz, Vorsitzender des Schlossbauvereins. Dabei hoffen die Aktiven des Vereins auf neuen Glanz für das alte Gemälde durch die Regionale Kulturförderung des Landschaftsverbands: "Wir haben Signale erhalten, dass über diesen Förderzugang im kommenden Jahr Restaurierungen von historischen Bildern gefördert werden können", so Schulz weiter. Wenn der Aufruf für die Fördermittel für 2016 käme, seien sie vorbereitet, sagt Gregor Ahlmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter auf Schloss Burg. In einem ersten Schritt müsste das Bild, das vor rund drei Jahren schon einmal von einem Restaurator in Augenschein genommen wurde, dann abgehängt und genauer untersucht werden. "Um den Restaurierungsbedarf festzustellen, würde dann zunächst eine Probereinigung gemacht", erläutert Ahlmann. Der finanzielle Rahmen der Restaurierung lässt sich derzeit nicht abschätzen. "Man weiß beispielsweise ja nicht, wie das Bild von hinten aussieht", sagt Klaus-Dieter Schulz. Ebenso unklar ist momentan noch, wie lange das Gemälde dann nicht zu sehen sein wird. "Wir möchten deshalb die Bürger über unsere Pläne informieren, damit sie die Gelegenheit haben, das Bild noch einmal anzusehen", so Schulz. Es sei, sagt Bernd Peter Mayer, Schatzmeister des Schlossbauvereins, ein "Schatz", ein "wichtiges Dokument seiner Zeit": "Der Kaiser, der damals eigentlich in der Region war, um sich die Remscheider Talsperre anzusehen, hatte eine Wichtigkeit wie heute nur wenige internationale Popstars."

Auf dem Gemälde steht er, die Pickelhaube auf dem Kopf, im Innenhof des Schlosses vor dem Tor, das heute der Eingang ist, um ihn herum seine Gefolgschaft, in der ersten Reihe die Verwaltungsspitzen der Region, dahinter Wiederaufbauarchitekt Gerhard August Fischer, der Vorstand des Schlossbauvereins und, mit langem Bart, dessen Vorsitzender Julius Schumacher, der Ur-Ur-Ur-Onkel von Gerhard Schumacher, dem letzten ehrenamtlichen Bürgermeister von Burg, der selbst viele Jahre im Schlossbauverein aktiv war. "Auch meine Oma hat mir noch von dem Tag erzählt, als der Kaiser auf Schloss Burg war", erinnert sich der 81-Jährige.

Info Das Gemälde kann zu den Öffnungszeiten der Gastronomie oder nach Voranmeldung (Tel.: 8802016) besichtigt werden.

Quelle: RP
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