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Solingen
Fünf Brücken - ein Ziel

Solingen: Fünf Brücken - ein Ziel
FOTO: Moll Jürgen
Solingen. Der internationale Brücken-Kongress läuft. Er ist Auftakt zu einem Marathon, an dessen Ende die Müngstener Brücke Weltkulturerbe sein soll - mit vier Bauwerken aus ganz Europa. Von Martin Oberpriller

Der Anfang hätte - wenigstens rein wettertechnisch - bergischer kaum sein können. Denn als die Delegationen aus Porto, Paderno d'Adda und Ruynes en Margeride gestern Morgen um kurz nach 9 Uhr unter der Müngstener Brücke eintrafen, da tauchte ein feiner Nieselregen mit den dazugehörigen grauen Wolken die gesamte Szenerie in ein eher trübes Licht.

Was aber weder die Gäste aus Portugal, Italien und Frankreich, noch ihre Gastgeber, die Städte Solingen, Remscheid sowie Wuppertal, besonders störte. Seit Freitag läuft nämlich im Schatten des bergischen Wahrzeichens ein mit hochkarätigen Wissenschaftlern besetzter internationaler Fachkongress, der nach dem Willen der Verantwortlichen den Auftakt in eine gemeinsame europäische Zukunft symbolisieren soll. Ziel ist es, die Müngstener Brücke mit den weiteren Brücken Dom Luis I., Maria Pia (beide Portugal), San Michele (Italien) sowie dem Garabit-Viadukt (Frankreich) zum UNESCO-Weltkulturerbe erklären zu lassen.

Ein Quintett als Weltkulturerbe? (im Uhrzeigersinn): Müngstener Brücke, Dom Luis I., San Michele, Maria Pia, Garabit-Viadukt. FOTO: Archiv (5), or

Wobei, das wurde schon am ersten Tag des Treffens in Haus Müngsten deutlich, der Weg dorthin ein langer und ebenso steiniger werden dürfte. Der Hintergrund: Die Eintragung in die UNESCO-Liste hängt nicht allein von fachlichen Erwägungen wie dem historischen Wert der Bauwerke ab, sondern ist immer auch eine Art von Politikum. Darauf verwies beispielsweise Professor Christoph Machat vom Deutschen Nationalkomitee des International Council of Monuments and Sites (ICOMOS), das wie die Organisation TICCIH (The International Committee for the Conservation of Industrial Heritage) als Mitveranstalter des Kongresses gewonnen werden konnte.

So sei es unter anderem wichtig, einen "Managementplan" auf die Beine zu stellen, sagte Machat, dessen Institution - genauso wie TICCIH - die UNESCO beratend begleitet. Denn immerhin gebe es mittlerweile weltweit über 1000 Weltkulturerben, was zuletzt dazu geführt habe, dass die Kriterien, um das begehrte Prädikat zu erreichen, gerade bei den bis dato bevorzugten europäischen Bewerbungen deutlich nach oben geschraubt worden seien.

Eine Erfahrung, die im Bergischen bereits gemacht wurde. Vor einigen Jahren scheiterte ein erster Versuch, die Müngstener Brücke in die UNESCO-Liste eintragen zu lassen. Was allerdings nicht einer prinzipiellen Absage gleichkam. Vielmehr bekamen die Verantwortlichen seinerzeit mit auf den Weg, es doch noch einmal, dann jedoch im Rahmen einer "seriellen" Bewerbung, zu probieren.

Im Klartext: Gemeinsam ist man stärker - weswegen seit 2012 Mitstreiter für einen erneuten Anlauf gesucht und schließlich auch gefunden wurden. So stammen die anderen vier Großbogenbrücken in Portugal, Italien sowie Frankreich samt und sonders aus derselben Zeit wie die Müngstener Brücke - und stehen in ihren Regionen bis heute ebenfalls gleichermaßen für die Ingenieurskunst des späten 19. Jahrhunderts, den damit verbundenen epochalen Aufbruch sowie für eine nach wie vor vorhandene Alltagstauglichkeit.

"Es geht bei der Bewerbung neben den Vorteilen für die Regionen darum, den europäischen Gedanken zu stärken", sagte dementsprechend Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach bei der Begrüßung der Gäste in Müngsten. Und auch Remscheids OB Burkhard Mast-Weisz sowie Matthias Nocke, Beigeordneter in Wuppertal, hoben die Bedeutung der Initiative hervor, indem beide den historischen wie heutigen Wert der "Marke" Müngstener Brücke für die Bevölkerung betonten.

Was durchaus für alle Bewerbungsbauwerke gilt. So verwies Renzo Rotta, Bürgermeister des italienischen Paderno d'Adda, darauf, dass die Ponte San Michele die zwei geschichtlichen Gebiete Mailand sowie Venedig verbinde und bis heute von 50 Güterzügen täglich befahren werde. Rui Loza, Vize-Bürgermeister aus Porto, berichtete wiederum, die Altstadt der portugiesischen Metropole, die von den Brücken Dom Luis I. und Maria Pia erschlossen wird, sei bereits Weltkulturerbe. Und den Bürgermeister des französischen Ruynes en Margeride, Gérard Delpy, verbindet sogar ein ganz persönliches Verhältnis zum Garabit-Viadukt in seiner Heimat, wie er erklärte. "Mein Haus liegt direkt unter der Brücke", sagte Delpy, der zudem herausstellte, das Viadukt sei Vorbild für den Eiffelturm gewesen. Tatsächlich hatte Gustave Eiffel das Wahrzeichen von Paris nämlich erst einige Jahre nach der monumentalen Brücke im Zentralmassiv geschaffen.

Doch ist dies alles für eine Eintragung in die UNESCO-Liste, die wohl frühestens in einigen Jahren ansteht, eher zweitrangig. Vielmehr, darauf machte Carsten Zimmermann als Projektleiter der Stadt Solingen aufmerksam, müsse es nun darum gehen, weitere Unterstützer zu gewinnen. Deshalb wurde gestern Abend am Rande eines Empfangs zu Ehren der internationalen Gäste ein Statement aller beteiligten Städte unterzeichnet, das helfen soll, neben der Deutschen Bahn AG auch die Eisenbahngesellschaften der anderen Länder für das Projekt zu begeistern.

Der Kongress, bei dem Fachleute zu unterschiedlichen Aspekten referieren und diskutieren, wird heute fortgesetzt. Parallel dazu findet im Brückenpark das diesjährige Brückenfest statt, mit dem die Gäste und Experten davon überzeugt werden sollen, dass auch die bergische Bevölkerung hinter dem Projekt Weltkulturerbe steht. Denn immerhin, so hatten die Oberbürgermeister von Solingen und Remscheid, Kurzbach und Mast-Weisz, schon beim gestrigen Auftakt der Tagung betont, biete sich so für die gesamte Region die "große Chance", das eigene Wahrzeichen weltbekannt zu machen sowie dauerhaft zu erhalten.

Quelle: RP
 
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