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Solingen
Für Grossmann-Stahlguss wird Zeit knapp

Solingen. Im Insolvenzverfahren des angeschlagenen Traditionsunternehmens zeichnet sich keine Lösung ab. Von Uwe Vetter

Das Ringen um die Zukunft der Walder Stahlgießerei Grossmann hält weiter an. Bis Ende dieses Monats sind die Gehälter der Mitarbeiter noch gesichert. Bis dahin bekommen sie das sogenannte Insolvenzausfallgeld, danach, sofern das Walder Traditionsunternehmen weitergeführt wird, müsste die Löhne und Gehälter der rund 110 Mitarbeiter aus eigener Kraft erwirtschaftet werden. "Wir bemühen uns, den Betrieb weiter aufrecht zu erhalten", sagt Rechtsanwalt Dr. Marc d'Avoine. Er ist vorläufiger Insolvenzverwalter des 1853 gegründeten Unternehmens, eingesetzt wurde er vom zuständigen Amtsgericht Wuppertal am 22. Januar dieses Jahres, weil die Stahlgießerei Grossmann erneut in finanzielle Schieflage geraten war.

"Wir brauchen dringend weitere Aufträge", sagt Marc d'Avoine mit Blick auf die nur "mäßige Auftragslage" gegenüber unserer Redaktion. Insgesamt hätten sich die Marktverhältnisse nicht gebessert, Grossmann benötige aber Gießaufträge, die bis ins zweite und auch ins dritte Quartal hineinreichen. Das konnte bislang trotz aller Bemühungen nicht realisiert werden. "Wir haben alle Kunden erneut nachdrücklich auf die Wichtigkeit einer stabilen Auftragslage hingewiesen", sagt der Insolvenzverwalter.

Auch bei den Verkaufsgesprächen ist der Rechtsanwalt trotz einiger Gespräche noch nicht zum Abschluss gekommen. "Die Interessenten haben bisher kein Kaufangebot abgegeben", sagt Marc d'Avoine, der betont, dass die Arbeitnehmervertretung in die Entwicklung eingebunden ist. Alle Seiten hoffen weiter auf eine Besserung der Lage. Gleichwohl wird die Zeit nun knapp, bis Ende dieses Monats stehen so oder so konkrete Entscheidungen an. Mit dem Gläubigerausschuss, dem Betriebsrat und der Industriegewerkschaft Metall will sich der Insolvenzverwalter zuvor absprechen. "Anfang April werde ich wohl Konkreteres sagen können", sagt der Insolvenzverwalter.

"Viel Hoffnung habe ich nicht mehr", erklärt Marko Röhrig, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, "aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt." Auch das Mitglied des Gläubigerausschusses weiß: "Grossmann helfen jetzt nur Aufträge, um weitermachen zu können." Als Gewerkschafter und in Anbetracht des Zeitdrucks sieht Marko Röhrig aber "jetzt die Zeit gekommen, bereits über einen Sozialplan für die Mitarbeiter zu reden".

Grossmann Stahlguss hat in den vergangenen Monaten ein Auf und Ab wegen des schwierigen Marktumfeldes erlebt. Ende 2014 geriet das Unternehmen mit damals etwa 180 Mitarbeitern bereits in die Insolvenz. Bei dem sogenannten Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung, das damals in Angriff genommen wurde, konnte bis zum Sommer vergangenen Jahres zwar eine Lösung auch mit Hilfe der Mitarbeiter erzielt werden, doch nun ist Grossmann erneut in einer existenziellen Krise.

Quelle: RP
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