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Solingen
Für Stolperstein von Tel Aviv nach Solingen gekommen

Solingen: Für Stolperstein von Tel Aviv nach Solingen gekommen
Den 100. Stolperstein verlegte Gunter Demnig (knieend) auf dem Gehweg der Felder Straße vor Hausnummer 14. FOTO: Martin kempner
Solingen. Zehava Schlam hat einen weiten Weg hinter sich. Sie ist eigens aus Tel Aviv angereist, um bei der Verlegung des Stolpersteins für ihre Großmutter Antonia Krauss, die in der Kölner Straße 101 wohnte, dabei zu sein. "Ich finde die Idee mit den Stolpersteinen gut, weil damit Verantwortung übernommen wird, dass die Menschen nicht vergessen werden", sagt sie. "Erst dachte ich, die Fußgänger trampeln auf den Namen herum. Aber die Steine glänzen, wenn man darüber läuft." Von Benjamin Dresen

Zehava Schlams Vater Hans Gruenhut, der Sohn von Antonia Krauss, wanderte 1939 ins damalige Palästina aus, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Antonia und ihre Schwestern Regina und Betty Krauss aber wurden von den Nationalsozialisten nach Minsk beziehungsweise Riga deportiert und ermordet. Nur die Schwester Erna Krauss überlebte.

Dass sie nach Solingen gekommen ist, verdankt Zehava Schlam dem Solinger Hans Joachim Schneider. Er hat in den Vermisstenlisten der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem die Namen der Familie gefunden und ihre Nachfahren ausfindig gemacht. "Von ihm kenne ich die ganze Geschichte dieses Familienzweiges", sagt sie.

Der Künstler Gunter Demnig, auf den die Idee der Stolpersteine zurückgeht, verlegte fünf weitere Steine: Für Walter Koch an der Schlossstraße und für Willi Haas an der Friedrich-Ebert-Straße, die beide im Widerstand waren. Zudem für die jüdischen Bürger Dr. Max Waltuch an der Felder Straße, für Josef Levy an der Malteserstraße und für Hermann Hoffmann an der Weyersberger Straße. "Es geht um die Würdigung aller Nazi-Opfer", sagt Günter Koch vom Initiativkreis Stolpersteine.

Mittlerweile erinnern in Solingen 106 Stolpersteine an Opfer der Nationalsozialisten. Europaweit sind es über 47 000 Bürger, die für ein ihnen bekanntes Opfer des Nationalsozialismus einen Stolperstein spenden möchten, sie können sich beim Initiativkreis melden. Ein Stolperstein kostet 120 Euro.

Umgekehrt recherchiert der Initiativkreis mit dem Stadtarchiv Solingen Biografien von Opfern und vermittelt Patenschaften für Stolpersteine.

Alle verlegten Stolpersteine sind auch bei geoportal.solingen.de verzeichnet. Biografien der Opfer finden sich bei stadtarchiv.solingen.de.

Quelle: RP
 
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