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Solingen
Furioses Orgelkonzert - mit Pauken und Trompeten

Solingen. Musik aus dem Barock ist meist der passende Auftakt für ein Konzert des Gräfrather Orgelsommers in der Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt. Das war auch beim zweiten Konzert der Reihe der Fall - allerdings rätselten die zahlreichen Zuhörer bei der festlichen Fanfare "March of Joy" ein wenig herum. Wurde der Freudenmarsch nun von Bach oder vielleicht sogar von Händel komponiert? Ein Blick auf das Programm reichte. Es war Musik von Hans-André Stamm, gespielt auf der Orgel und von zwei Trompetern. Der Leverkusener Organist und Komponist bestritt mit seinen vielseitigen Werken den Hauptteil des Konzerts, ihm zur Seite im "Trio Festivo" standen die hervorragenden Blechbläser Marion Kutscher und Michael Frangen. Von Wolfgang Günther

Natürlich kam mit Musik von Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann auch die Klangwelt des Barock zu ihrem Recht, aber die Kompositionen von Hans-André Stamm faszinierten nicht weniger. Stamm geht zupackend mit der renovierten Klais-Orgel der Klosterkirche um, als wäre es sein eigenes Instrument. Er macht sie zuweilen zur Kirmesorgel, lässt sie für Momente am Broadway verharren und zeigt den begeisterten Zuhörern alle Klangfarben der Königin der Instrumente auf. Seine Musik ist raffiniert und melodienreich, und sie hat so gar nichts von der zuweilen anstrengenden Art der Moderne. Zart und romantisch erklingt die Orgel im Solo "Ellyllon", vor dem geistigen Auge bewegt sich eine mechanische Tänzerin auf einer kleinen Spieldose.

Die beiden Bläser hatten nicht nur ihre Trompeten mitgebracht, auch das Kornett und die Hörner sorgten für den strahlenden Klang der Musik. Die Zuhörer glaubten fast, auf der Orgelempore würde ein kleines Orchester sitzen, denn Hans-André Stamm hatte auch seine Pauken dabei. Die kamen allerdings - einfallsreich - vom Computer. Als romantischen Schlussakkord interpretierte das Trio seine Bearbeitung des "Abendsegens" aus der Humperdinck-Oper "Hänsel und Gretel".

Der Leverkusener Hans-André Stamm spielte bereits im Alter von sieben Jahren Orgel und Klavier. Heute ist er 58 Jahre alt und kann als Komponist bereits ein umfassendes Werkverzeichnis mit eigenen Kompositionen und vielen Bearbeitungen für Orgel vorlegen. Sogar drei Märchenopern hat er komponiert, die auch schon in den USA aufgeführt wurden. "Im kommenden Jahr werde ich in der Reihe Solinger Orgelpunkt auch auf der großen Orgel des Solinger Konzertsaals spielen", kündigte Hans-André Stamm nach seinem Konzert in der Klosterkirche an. Die faszinierende Musikstunde in Gräfrath mit Orgel, Pauken und Trompeten werden die Zuhörer so schnell nicht vergessenen. Sie forderten begeistert zwei Zugaben von den Musikern.

Orgelsommer Das Konzert am 17. Juli wird von dem "Duo Poétique" gestaltet. Giedre Siaulyte (Harfe) und Silvie Ansorge (Flöte) werden Musik von Bach, Debussy und Bizet spielen. Beginn ist um 17 Uhr.

Quelle: RP
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