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Solingen
Fußball stand auf dem Stundenplan

Solingen: Fußball stand auf dem Stundenplan
Peter Neururer (l.) und Sven Pistor waren mit "Pistors Fußballschule" zwei Tage hintereinander zu Gast im Rittersaal von Schloss Burg. FOTO: Gottfried Evers (Archiv)
Solingen. Mit amüsanten Geschichten auf Ballhöhe füllte "Pistors Fußballschule" an zwei Abenden den Rittersaal auf Schloss Burg. Von Alexander Riedel

Selten löst der Auftritt des Lehrers eine solche Stimmung im Klassenzimmer aus: Rhythmisches Klatschen erfüllte am Mittwoch und Donnerstag den Rittersaal von Schloss Burg, als Sven Pistor ans Pult trat. Der WDR 2-Moderator, der mit seiner "Fußballschule" durch ganz Nordrhein-Westfalen tingelt, hatte allerdings auch feurige Einpeitscher mitgebracht: Der Oberhausener Frauenchor "Cantabile" stimmte das Publikum zum Auftakt mit der Hymne "Fußball ist unser Leben" auf jeweils zwei intensive Unterrichtsstunden ein. Die umfassten die Fächer Fußballgeschichte, System und Taktik, Musik und sogar Biologie.

Doch kann man innerhalb dieser kurzen Zeit eine Wissenschaft durchdringen, die ganze Generationen in nächtelange Diskussionen verwickelt und längst tausende von Buchseiten gefüllt hat ? Natürlich nicht. Dafür lieferte der dreiköpfige Lehrkörper einen launigen Rundumschlag mit vielen Anekdoten: Pistor erklärte, wie der mühsame Versuch des deutschen Top-Schiedsrichters Rudolf Kreitlein, den Argentinier Antonio Rattin bei der WM 1966 vom Platz zu stellen, letztlich zur Einführung der gelben und roten Karten geführt hatte.

Trainer-Unikat Peter Neururer als Gastdozent erzählte sehr zum Vergnügen seiner Zuhörer, wie er bei der Feier zum Bundesligaaufstieg des VfL Bochum im Jahr 2002 NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement aus der Mannschaftskabine werfen wollte, weil er ihn für einen aufdringlichen Reporter hielt. Für feuchte Augen sorgte schließlich Radio-Kommentator Burkhard Hupe mit der Geschichte des "Wunders von Bern" aus der Reporterperspektive. Eindringlich blickte er nicht nur auf die legendäre Live-Reportage Herbert Zimmermanns zurück, sondern schilderte auch die Enttäuschung seines nicht minder berühmten Kollegen Kurt Brumme, den deutschen Endspielsieg von 1954 nicht selbst kommentiert zu haben.

Fast bis auf den letzten Platz war der Rittersaal an beiden Veranstaltungstagen gefüllt. "Der Saal ist eine echte Herausforderung, weil man immer wieder jemanden im Rücken hat", sagte Pistor, der besonders die "intime Atmosphäre" des Ortes lobte. Mit Solingen verbinden alle Lehrer besondere Erinnerungen: Eines der "schönsten Tore überhaupt", einen Kopfball fast von der Grasnarbe, habe er beim bergischen Derby von Union Solingen gegen den Wuppertaler SV gesehen, verriet Burkhard Hupe. Und Peter Neururer erinnerte sich an den wichtigen 3:1-Sieg, den er als Trainer von Schalke 04 im April 1989 am Hermann-Löns-Weg gefeiert hatte. Aber bei aller Nostalgie durften auch die handfesten Themen nicht fehlen: Pistor und Neururer gaben einen Überblick über die Weiterentwicklung des Fußballs, vom System "schottische Furche" mit nur zwei nominellen Verteidigern über die Erschaffung des Libero bis hin zur Viererkette.

Und auch wenn Pistor sich als "Anhänger des Frontalunterrichts" outete - ohne aktive Beteiligung der Schüler funktionierte auch sein Unterricht nicht: Freiwillige aus dem Publikum nahmen auf der engen Schulbank Platz, um sich in Sachen Fachwissen miteinander zu messen. Der Sieger der finalen Quizrunde durfte sich schließlich "größter Klugscheißer im Saal" nennen.

Im nächsten Jahr wird er die Gelegenheit haben, seinen Titel zu verteidigen: Denn Pistors Fußballschule geht weiter - und wird wohl wieder in der Klingenstadt zu Gast sein.

Quelle: RP
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