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Solingen
Gedenken an die Opfer des Brandanschlags

Solingen. Minister mahnt vor Hunderten zu Toleranz. Bereits am Samstag zog Demonstration durch die City.

Am Mahnmal am Mildred-Scheel-Berufskolleg haben gestern mehrere hundert Menschen der Opfer des Brandanschlags vom 29. Mai 1993 gedacht. Neben Vertretern des türkischen Staates, zahlreichen Bürgern und Mitgliedern der Familie Genc nahmen unter anderem auch Oberbürgermeister Tim Kurzbach, die in Solingen lebende stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann sowie NRW-Integrationsminister Rainer Schmeltzer an der Gedenkveranstaltung teil, mit der die Erinnerung an die fünf Mordopfer aus der Familie Genc aufrechterhalten werden soll.

Die verschiedenen Redner mahnten, sich auch heute, 23 Jahre nach dem Brandanschlag, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zur Wehr zu setzen. "Der Brandanschlag ist eine der dunkelsten Stunden in der Geschichte Nordrhein-Westfalens", sagte beispielsweise Minister Schmeltzer. Darum sei es notwendig, aus den Anschlägen von damals die richtigen Schlüsse zu ziehen und gemeinsam für ein friedliches und tolerantes Miteinander einzutreten. Schmeltzer lobte in diesem Zusammenhang das Engagement vieler Ehrenamtler für Flüchtlinge. Anschließend wurde der Preis "Silberner Schuh" vergeben.

Schon am Samstag hatte das Bündnis "Bunt statt Braun" in der Innenstadt eine Demo durchgeführt, um an die Opfer von 1993 zu erinnern. Rund 120 Teilnehmer versammelten sich am Alten Markt, wo OB Kurzbach betonte, alle gesellschaftlichen Kräfte seien "aufgerufen, zusammenzustehen für die Würde des Menschen". Mit Blick auf fremdenfeindliche Äußerungen im Internet fügte er hinzu: "Wir müssen auch im Netz wachsam sein, was passiert und geschrieben wird."

Superintendentin Ilka Werner als Vertreterin der evangelischen Kirche zitierte zum Umgang mit Fremden eine Bibelstelle: "Genauso wie ihr behandelt werden wollt, behandelt auch die anderen." Man müsse im Umgang mit Geflüchteten "Vertrauen riskieren" und dürfe "in Sachen Recht nicht mit zweierlei Maß messen". Dietmar Gaida vom Solinger Appell kritisierte eine seiner Meinung nach fehlgeleitete Sozialpolitik, die Ausrichtung der Asylpolitik und die Rolle des Verfassungsschutzes im Umgang mit Rechtsextremen. Er forderte: "Rassismus darf keine akzeptierte Meinung sein." Zudem müsse es endlich gleiche Rechte für alle Menschen in Deutschland geben, erklärte Gaida.

Vom Alten Markt zogen die Demonstranten zum Südpark. Dort schloss sich an die Demo ein Konzert mit den Bands Emma's Dream und The Cuckoo an. Eigentlich war zum 23. Jahrestag des Anschlags keine Demo geplant gewesen, denn der Solinger Appell rief bislang nur alle fünf Jahre dazu auf. "Diesmal sind aber jugendliche Aktive an uns herangetreten", sagte Frank Knoche von "Bunt statt Braun".

(bjd/or)
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