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Solingen
Gedenkfeier für die Ermordeten am Wenzelnberg

Solingen. Am Sonntag gedenken wieder Menschen aus dem Bergischen Land der 71 Morde am Wenzelnberg ein paar Wochen vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Um 11 Uhr am Sonntag finden sich dort Würdenträger aus Politik und Verbänden gegen das Vergessen ein. Von Christian Peiseler

Kaplan Dr. Josef Cornelius Rossaint, Häftling des Zuchthauses Remscheid-Lüttringhausen, beschrieb in einem späten Interview aus dem Jahr 1983 die Verzweiflung der Häftlinge und die gegenseitigen Beschuldigungen, als der Gestapobesuch angekündigt wurde. "Zelle für Zelle, jeder Raum, auch der Kirchraum, jede Ecke wurde abgesucht". Jeder, der auf der Exekutionsliste der Gestapobeamten stand, versuchte noch ein letztes Mal, durch List oder Gewalt dem Tod zu entkommen. Nur einer, den sie alle Heini nannten, entkam. Zwei Tage harrte er in seinem Versteck, einer Dachschräge, aus. Bis die Amerikaner Lüttringhausen erreichten.

Kurz vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches, am 13. April 1945, ermordete die Gestapo in der Wenzelnbergschlucht 71 Häftlinge, die im Zuchthaus in Remscheid-Lüttringhausen inhaftiert waren, durch Genickschuss und verscharrte sie.

Ein weiterer schmerzhafter Aspekt des Massakers: Die Morde werden juristisch wohl für immer ungesühnt bleiben. Der militärische Befehlshaber, Generalfeldmarschall Walter Model, entzog sich dem Strafgericht durch Selbstmord (1945), ebenso der SS-Standartenführer Rudolf Batz (1961). Die anderen Täter wurden nicht belangt oder nicht erst ermittelt. Der mutmaßliche Leiter des Exekutionskommandos, SS-Hauptsturmführer Theodor Goeke, gilt offiziell als vermisst.

40 namentlich bekannte NSDAP-Mitglieder mussten am 30. April die 71 Leichen ausgraben. Am 1. Mai 1945 nahmen 3000 Menschen an der Beisetzung der Opfer und einer verordneten Trauerfeier vor dem Rathaus in Solingen-Ohligs teil. 20 Jahre später, am 23. Januar 1965, wurden die Getöteten nach einer Exhumierung am Wenzelnberg erneut beigesetzt.

Quelle: RP
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