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Schwerpunkt Busunfall
Geländer verhindert Sturz auf Bahnstrecke

Linienbus bricht durch Brückengeländer
Solingen. Ein Auto fuhr gestern in einen Obus der Linie 684, der auf der Brühler Straße in Richtung Widdert unterwegs war. Der Bus war nicht mehr lenkbar und durchbrach das Brückengeländer - stürzte zum Glück aber nicht ab. Der Zugverkehr wurde eingestellt, die Brücke bleibt gesperrt. Von Uwe Vetter, Guido Radtke (Text) und Stephan Köhlen (Fotos)

Seine erste Sorge galt den sechs Fahrgästen, als der Fahrer des Stadtwerke-Busses Nummer 261 endlich auf der Brücke über dem Bahn-Haltepunkt Mitte zum Stehen kam. Auf einer Breite von gut fünf Metern Länge hatte der Gelenkbus an der Brühler Straße das Brückengeländer durchbrochen und hing mit dem rechten Vorderreifen bedrohlich über dem Abgrund. Der 18 Meter lange Obus stürzte glücklicherweise nicht ab, sondern blieb mit zwei Dritteln der Vorderachse über dem Brückenrand hängen.

Für den Busfahrer war nun schnelles Handeln angesagt: "Meine einzige Sorge war, die Fahrgäste sicher herauszubekommen". Der 60-Jährige entsicherte die Türen und verließ den Gelenkbus mit den sechs Passagieren durch die hintere Tür. Hier stand das Stangentaxi noch auf der Brühler Straße. Auch der Kombi, der den Unfall verursacht hatte, war hier zwischen Brückengeländer und Bus zum Stillstand gekommen. "Das Auto kam aus der Straße Am Südpark und fuhr in Höhe des Gelenks in den Bus. Durch die Wucht des Aufpralls scherte der vordere Teil des Busses nach rechts aus - ich konnte nichts mehr machen", schilderte der Busfahrer das Geschehen. "Zum Glück ist den Fahrgästen nichts passiert", ergänzt der Fahrer.

Bus durchbricht Brückengeländer FOTO: K�hlen, Stephan

Leichte Verletzungen hatte sich dagegen der Autofahrer zugezogen. Nach ersten Ermittlungen der Polizei soll dieser aus medizinischen Gründen die Kontrolle über seinen Audi verloren haben und war so unkontrolliert gegen den Bus gefahren. Der Wagen wies im Übrigen auf der rechten Seite weitere frische Unfallschäden auf, die darauf hinweisen, dass der 72-Jährige zuvor an einem weiteren Verkehrsunfall beteiligt gewesen sein muss.

Der Busfahrer hat nach Ansicht von Conrad Troullier "sehr besonnen reagiert". Der Chef der Verkehrsbetriebe war zum Unfallort geeilt, zumal das Unglück zumindest optisch als eines der größten beziehungsweise schwersten gilt, das sich bislang in der Stadtwerke-Geschichte ereignet hat. "Man hat die Flatter, wenn man so etwas erlebt", sagte der Busfahrer, der seit sechs Jahren bei den SWS-Verkehrsbetrieben arbeitet und als erfahrener Busfahrer gilt.

Derweil nahmen die Rettungskräfte die Bergungsarbeiten auf. Die Feuerwehr brachte vier Fahrzeuge in Position - zwei auf der Brücke und zwei unterhalb im Bereich der Korkenziehertrasse, um den Obus mehr oder weniger an den Haken zu nehmen, damit dieser nicht doch noch abstürzt. Die Bergung gestaltete sich indes schwierig und nahm dreieinhalb Stunden in Anspruch. Schließlich gelang es, den Bus wieder auf die Straße zu ziehen und abzuschleppen.

Auch Karsten Ditscheid von den Technischen Betrieben war vor Ort. Der Ingenieur ist für die Brücken in Solingen zuständig, "Sobald der Bus von der Brücke ist, wird es eine Sonderprüfung geben, um zu schauen, wie stark sie beschädigt ist", sagt Ditscheid. Sein erster Eindruck: "Keine wesentlichen Beschädigungen." Er begutachtete die Unfallspuren und stellte fest, welche Bremswirkung sowohl die Bürgersteigkante als auch das Geländer mit einem eingeschlossenen Stahlseil gehabt haben. "Im Zusammenspiel ist so ein größeres Unglück ausgeblieben."

Gegen 14 Uhr war Ditscheid auch mit einem Schlosser verabredet. Denn das Geländer, das die Fahrt des Busses mit abstoppte, muss zu großen Teilen erneuert werden. "Ein Provisorium reicht an dieser Stelle nicht", sagt er mit Blick auf die Sicherheit von Autofahrern und Fußgängern. "Hier muss erst ein stabiles Geländer angebracht werden, bevor die Brücke wieder freigegeben werden kann."

Die Stadtwerke richteten eine Umleitung für die Obus-Linie 684 ein, zumal die Brücke zwischen Eissporthalle und der Tankstelle an der Ecke Brühler Straße / Lüneschloßstraße bis voraussichtlich heute Mittag gesperrt bleiben wird. Alle Wagen fahren die Haltestelle Werwolf der Linien 681 / 683 an, bedienen den Haltepunkt Mitte der Linien 681 / 683 und fahren über die Rathausstraße auf ihrem bekannten Linienweg - aus Richtung Widdert kommend verkehren die Wagen analog.

Gegen 11 Uhr hatte auch Abellio als Betreiber des "Müngsteners" einen Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Denn seit dem Unfall gegen 9.20 Uhr war die Strecke der S-Bahn "S 7" zwischen den Hauptbahnhöfen Solingen und Remscheid gesperrt. Als der Bus von der Feuerwehr gegen 13.30 Uhr geborgen worden war, wurde der Zugverkehr wieder freigegeben. Auch die Sperrung der Korkenziehertrasse wurde aufgehoben.

Nicht jedoch die für die Brücke. "Das Bauwerk ist zwar in Ordnung", sagt Sabine Rische. "Das ganze Rückhaltesystem am Geländer ist jedoch in Mitleidenschaft gezogen worden", ergänzt die städtische Pressesprecherin. Im Rückhaltesystem enthalten sei ein Stahlseil - das einerseits den Bus mit abgebremst hatte, im Zuge der Bergung aber durchschnitten werden musste. Geländer und Stahlseil müssen nun erneuert werden - ein Auftrag dafür ist erteilt.

Zumindest eine Fahrspur - von der Tankstelle in Richtung Werwolf - soll im Laufe des heutigen Tages wieder freigegeben werden. Dafür müssen zunächst Betonteile, die die Technischen Betriebe von der gesperrten Leichlinger Straße abziehen, auf der Brücke der Brühler Straße aufstellen, um so Fußgänger und Autofahrer von der offenen Stelle fernzuhalten.

Quelle: RP
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