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Solingen
Gemalte Noten - erzählte Geschichten

Solingen: Gemalte Noten - erzählte Geschichten
Eriko Nakajima-Yamamoto, Dozentin an der Musikschule Solingen, und Andre Peer genossen den Applaus für eine ungewöhnliche Aufführung. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Der Solinger Andre Peer zeigte sich im "Salon 122" von einer anderen künstlerischen Seite. Pianistin Eriko Nakajima-Yamamoto spielte eine Komposition aus drei seiner Jugendwerke. Von Wolfgang Günther

Andre Peer ist ein vielseitiger Künstler mit einem Atelier in Gräfrath. In jungen Jahren lernt er das Klavierspiel und nimmt als 20-Jähriger sogar Kompositionsunterricht. Schnell komponiert er vielseitige Stücke für Klavier, heimst gleich Preise ein, sein Klavierkonzert Nr. 1 wird sogar aufgeführt. Trotzdem landen seine Werke an ihrem vorläufigen Ende in der Schublade, weil der junge Andre seine eigenen Kompositionen selbst nicht spielen kann. Dann kam die Malerei in sein Leben, und die Musik hatte ausgespielt.

Heute ist Andre Peer ein vielfach preisgekrönter freischaffender Künstler. Werke des Solingers sind im Besitz der Stadt Solingen, sie hängen in vielen Galerien und sind bei Sammlern begehrt. "Aber meine Kompositionen habe ich irgendwie nie vergessen. Ich habe immer wieder nach einem Interpreten gesucht, der meine Klaviermusik endlich mal zur Aufführung bringt." Es hat 25 Jahre gedauert, aber am Sonntagabend war es soweit. Die brillante Pianistin Eriko Nakajima-Yamamoto, Dozentin an der Musikschule Solingen, spielte vor großem Publikum im Höhscheider "Salon 122" an der Neuenhofer Straße drei der Jugendwerke des Künstlers.

Die "Sonate Nr. 2" steht in der klassischen Form der drei Sätze, besonders der raffiniert bewegte erste Satz begeisterte die Zuhörer. Zu seiner Musik hatte der Künstler auch neue Bilder gemalt, die wiederum auf Geschichten ungewöhnlicher Ereignisse basierten, die er illustrierte. Andre Peer hat viele Geschichten aus aller Welt gehört und aufgeschrieben, für seine Irischen Geschichten machte er sich auf die Suche nach den Spuren von Heinrich Böll, der mit seiner Familie Urlaub auf Achill Island, der größten Insel Irlands, machte. Die Heinrich-Böll-Stiftung hat den Künstler Andre Peer eingeladen, in der Böll-Residenz auf der Insel zu arbeiten.

So las im "Salon 122" der Rezitator Dr. Peter Holbeck auch Geschichten des preußischen Standesherrn Hermann Fürst von Pückler, der Politiker, ein Weltreisender und Landschaftsarchitekt war. Der Erzähler entführte die Zuschauer auch an die Quellen des Nils - die Projektion der Gemälde des Künstlers unterstützte die Lesung eindrucksvoll.

Man darf gespannt sein, ob nach dieser ersten Aufführung die Klaviermusik von Andre Peer wieder den Weg auf die Konzertpodien finden wird. Seine Bilder jedenfalls haben ihren Weg gemacht, aber auch der Komponist Andre Peer ist es wert, neu entdeckt zu werden.

Quelle: RP
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