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Sparkassen-Neubau
Geschäftsleute fürchten um Existenz

Sparkassen-Neubau: Geschäftsleute fürchten um Existenz
Gabriela Zolnowski, Inhaberin des City Imbisses, hatte nach einem Brand vor zwei Jahren alles renovieren müssen. Jetzt fürchtet sie um ihre Existenz. FOTO: Kempner Martin
Solingen. Einen Tag nach der Bekanntgabe des geplanten Neubaus der Hauptgeschäftsstelle der Stadt-Sparkasse Solingen mit Öffnung hin zum Neumarkt sitzt der Schock tief bei den Inhabern der Geschäfte, die geräumt werden müssen. Von Laura Mertens und Uwe Vetter

An der Straße Am Neumarkt müssen voraussichtlich der City-Imbiss, das Restaurant Fasil sowie das Frisör-Geschäft "Profi Hair and Nail Design" sowie die Kneipe "Schaufenster" weichen. Für die Besitzer kam die Nachricht völlig unerwartet.

Gabriela Zolnowski, Inhaberin des Imbisses am Neumarkt, trifft die Hiobsbotschaft besonders hart. Vor zwei Jahren erst habe sie nach einem Brand alles renovieren müssen. Sie ist traurig und vor allem zutiefst schockiert, "Da hängt meine Existenz dran. Das ist nicht schön." Am Mittwoch erfuhr sie von ihrem Vermieter von dem Vorhaben. Gestern lud die Stadt-Sparkasse Solingen die Geschäfts-Inhaber zu weiteren Gesprächen und Überlegungen ein. Zolnowski sagt: "Meine Kunden sind auch nicht zufrieden."

Seit zehn Jahren betreibt die Familie Ates das Restaurant "Fasil" an der Straße Am Neumarkt. FOTO: Martin Kempner

Aber auch Mokthar Hassani, dem die Kneipe "Schaufenster" gehört, ist verzweifelt. Auf Unterstützung seitens der Sparkasse hofft er schon gar nicht mehr. "Es bedeutet wahrscheinlich das Aus für uns". Seit über 30 Jahren betreibt er die Kneipe an der Peter-Knecht-Straße.

Hakan Gültop, Besitzer von "Profi Hair and Nail Design", ist ebenfalls schockiert. Auch er hörte am Mittwoch durch seinen Vermieter von dem geplanten Abriss. Er findet es schade, dass die Pläne so lange geheimgehalten worden waren und nun die Botschaft aus heiterem Himmel kommt. "Ich mach mir einfach große Sorgen, wie es weiter geht." Er hofft, dass er den Standort am Neumarkt doch behalten kann. "Oder dass die Sparkasse uns eine Entschädigungssumme anbietet." Schwierig werde es vor allem, wenn die Inhaber auf sich alleine gestellt sind. "Einen guten Standort in Solingen zu finden, ist nahezu unmöglich. Für den Neumarkt habe ich meine Zweitfiliale in Düsseldorf aufgegeben. Es ist optimal hier."

Mehmet Ates, Inhaber des Restaurants Fasil, und sein Vater Ali Ates sind vor allem sehr traurig. Sie müssen den Schock erst einmal verdauen. "Im Familienbetrieb haben sich alle reingehängt. Es steckt so viel Mühe und Arbeit darin. Das soll von heute auf morgen weg sein ?" Seit zehn Jahren betreiben sie das Restaurant mit den weißen Eingangssäulen am Neumarkt. Mehmet Ates betont: "Es gab auch schlechte Zeiten, in denen wir kämpfen mussten. All das haben wir überwunden. Und jetzt ?"

Von der Stadt-Sparkasse erhofft sich die Familie vor allem Unterstützung. "Es wäre gut, wenn sie uns einen neuen Standort in der Nähe anbieten könnten", so Mehmet Ates. Sein Vater Ali sagt: "Wir dürfen jetzt auch nicht die Kunden im Stich lassen. Wenn sie hierhin kommen, ist das mehr, als nur essen gehen." Insbesondere in Solingen sei es jedoch schwierig, einen Gastronomie-Betrieb aufzubauen. Die Familie befürchtet, dass sie an einem anderen Standort nie wieder dasselbe Flair erzeugen können.

Während die von der Baumaßnahme betroffenen Geschäftsinhaber und Gastronomen jetzt auf Hilfe von der Stadt-Sparkasse hoffen, begrüßt die Solinger SPD das geplante Projekt des Kreditinstitutes, sich neu auszurichten und eine neue Zentrale zu bauen.

Im kommenden Jahr soll zunächst ein Architekten-Wettbewerb dafür gestartet werden. "Das ist ein Riesen-Impuls für die Solinger City", sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende Iris Preuß-Buchholz. "Und es bietet sich auch eine große Chance für eine attraktive neue Nutzung der bisherigen Fläche an der Kölner Straße".

Auf dem Gelände der bisherigen Hauptgeschäftsstelle sollen wie berichtet Wohnungen errichtet werden. In dem Gebäude dort waren früher einmal ein Kino, ein Hotel, Kneipen, zahlreiche Läden, Passagen, Arztpraxen, viele Wohnungen und Tunnelgänge - alles wurde im Laufe der Jahrzehnte in den Sparkassen-Betrieb integriert. "Baulich ist das abenteuerlich", sagt die Fraktionsvorsitzende und begrüßt von daher die Neubaupläne. Der gesamte Neumarkt werde dadurch eine wesentlich höhere Frequenz erfahren, meint Iris Preuß-Buchholz.

Quelle: RP
 
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