| 00.00 Uhr

Solingen
Gewerbegebiete bleiben ein Zankapfel

Solingen: Gewerbegebiete bleiben ein Zankapfel
Das Gewerbegebiet Piepersberg in Gräfrath wächst. Im Bereich Piepersberg-West sehen die Gutachter weitere Möglichkeiten für Firmenansiedlungen, hier könnte auch die geplante Arena Bergisch Land zum Zuge kommen. FOTO: Jürgen Moll (Archiv)
Solingen. Die Stadt stellte das Gesamtgutachten zu den möglichen Gewerbegebieten im Ittertal interessierten Bürgern im Walder Stadtsaal vor. Deren Anregungen sollen in die weitere politische Beratung einfließen. Von Alexander Riedel

Die Expertise war mit Spannung erwartet worden - die Standpunkte nach ihrer Veröffentlichung sind jedoch die gleichen geblieben. Das zeigte sich auch bei der Bürgerinformationsveranstaltung zum Gesamtgutachten Ittertal im Walder Stadtsaal. Dr. Cornelius Arendt von der Bürgerinitiative "Rettet das Ittertal" etwa unterstellte den Gutachtern indirekt, voreingenommen zu sein: "Sollten Sie eine ergebnisoffene Bewertung vornehmen oder hatten Sie die Vorgabe, aus allen vier Gebieten das am ehesten geeignete herauszufiltern, damit man die anderen dann später realisiert?", fragte er Referentin Andrea Kranefeld vom Planungsbüro BKR Aachen. Die Angesprochene hatte zuvor die zentralen Aspekte des Gesamtgutachtens vorgestellt und betonte: "Keiner der Standorte ist unkritisch - aber ein absolutes Tabugebiet haben wir auch nicht identifiziert."

Der Konflikt um die Entwicklung im Ittertal schwelt seit nunmehr vier Jahren: 2012 hatte die Stadt die Gebiete Keusenhof, Buschfeld, Fürkeltrath II und Piepersberg-West als zusätzliche Gewerbeflächen bei der Bezirksregierung Düsseldorf zur Aufnahme in den Regionalplan angemeldet. Seitdem wehren sich Bürger gegen das Vorhaben: Sie sehen den Naturraum in Gefahr und befürchten neben einem Verlust der Erholungsfunktion auch negative Auswirkungen auf das Stadtklima. Letzteres relativierte allerdings die am Gutachten beteiligte Klimatologin Dr. Monika Steinrücke von der Ruhr-Universität Bochum: Gravierende Auswirkungen einer Bebauung auf die Kaltluftversorgung umliegender Wohngebiete seien demnach insgesamt nicht zu befürchten - zumindest, wenn man bei der Umsetzung der Gewerbeflächen auf genügend grüne Schneisen und emissionsarm arbeitende Betriebe achte.

Gegner der Planungen mochten sich mit dieser Erklärung jedoch nicht abfinden: An drei Thementischen zu den Aspekten "Umwelt", "Klima" sowie "Ökonomie und Soziales" kam es im Anschluss an die Fachvorträge immer wieder zu Diskussionen. Darin ging es zum Teil auch um den wirtschaftlichen Nutzen neuer Gewerbegebiete. Den Bau einer Arena Bergisch Land im Gebiet Piepersberg-West zum Beispiel sahen einige Gäste im Walder Stadtsaal kritisch - nach ihrer Auffassung würde sie neuen Betrieben den Platz wegnehmen.

Ingo Hill, Sprecher von "Rettet das Ittertal" meinte, zusätzliche Gewerbegebiete verleiteten in erster Linie ortsansässige Firmen dazu, ihre Standorte zu verlagern, ohne weitere Arbeitsplätze schaffen. Dem hielt der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, Frank Balkenhol, abermals entgegen, für einige Unternehmen sei der Umzug in ein neu geschaffenes Gebiet angesichts diverser Schwierigkeiten an ihrem jetzigen Standort die einzige Möglichkeit, um überhaupt in Solingen zu bleiben oder zu wachsen. Zudem böten die frei gewordenen Flächen neue Kapazitäten.

Als vergleichsweise günstig bewertet das Gutachten die Standorte Fürkeltrath II und Piepersberg-West in Gräfrath. Nicht weiter verfolgt werden sollten hingegen Keusenhof in Ohligs wegen der zu teuren Erschließung und Buschfeld in Wald aufgrund der größten ökologischen Bedenken. Alle Anregungen der Infoveranstaltung sollen nun in die Beratungen der politischen Gremien einfließen. "Nun ist die Politik am Zug", betonte Dr. Klaus Strehlau, Leiter des Stadtdienstes Natur und Umwelt.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Gewerbegebiete bleiben ein Zankapfel


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.