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Solingen
Gewitter-Fluten auf Straßen ableiten

Solingen. Neue Ideen beim Hochwasserschutz. Projekt startet im Bereich Am Kannenhof und Bismarckplatz. Von Günter Tewes

Keller liefen voll, an vielen Stellen trat Wasser aus Gullideckeln und in Wald überfluteten die Regenmassen sogar einen Supermarkt – heftige Unwetter gingen zuletzt im Juli über der Stadt nieder. Die extremen Gewitterschauer hielten die Feuerwehr damals sogar an drei Tagen hintereinander in Atem. Klar ist, mit dem Klimawandel hat die Unwetter-Wahrscheinlichkeit zugenommen. Für Manfred Müller, bei den Technischen Betrieben Solingen (TBS) Teilbetriebsleiter Tiefbau mit der Kanalisation, zeigt die Wetterstatistik der vergangenen Jahrzehnte eine eindeutige Entwicklung: "Der Klimawandel kommt nicht, der hat schon lange begonnen."

Wenn es wie aus Kübeln gießt, kann schnell "Land unter" herrschen. Derartige Wassermassen, die eigentlich Jahrhundertgewitter heißen, aber inzwischen wohl sehr viel häufiger niederprasseln, kann die Kanalisation auf einmal nicht fassen, so dass tieferliegende Grundstücke und Gebäude gefährdet werden.

Die Technischen Betriebe reagieren darauf und prüfen nun, die Straßen in den Hochwasserschutz einzubeziehen und so die unterirdische die Kanalisation zu entlasten. Idee ist, den öffentlichen Straßenraum als Regenwasserfließweg bei Sturzfluten zu nutzen. Anfang Oktober startet deshalb ein Pilotprojekt, bei dem zunächst ein Messfahrzeug mit Kameras und Laserscanner die Straßen im Bereich Am Kannenhof und Bismarckplatz dreidimensional erfassen. Die so gewonnenen Daten sollen helfen, schadlose Fließwege für Niederschläge bei Sturzfluten zu finden, um einen größeren Schutz vor Überflutungen zu schaffen, erklärt Manfred Müller. Bei dem Pilotprojekt soll die Uni Wuppertal einbezogen werden. Anfang Dezember präsentiert Solingen das Projekt bei einer Tagung des Deutschen Städtetages. Das Konzept passt jedenfalls in den seit Jahren erfolgreich praktizierten Weg der kreativen Lösungen bei der Kanalisation – statt neue, immer dickere und angesichts der bergischen Topographie ziemlich teure Abwasserkanäle zu bauen.

Dass die Unwetter zuletzt Ende Juli niederprasselten, war übrigens kein Zufall; im Gegenteil. Die Sommermonate sind die kritische Zeit. Denn schwülheiße Luft kann besonders viel Wasserdampf aufnehmen, der sich zu kräftigen Gewitterwolken auftürmt, die sich dann mit einmal und partiell ergießen. Während es in Ohligs beispielsweise noch glimpflich abläuft, können in Gräfrath oder der Innenstadt die Straßen geflutet sein – oder umgekehrt.

Quelle: RP
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