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Gedanken Zum Fest
Gott hat ein offenes Herz für jeden

Solingen. Wenn heute der kurze Tag zu Ende geht, es langsam wieder dämmrig wird und in vielen Kirchen die Menschen sich zu Gottesdiensten versammeln, wird nicht nur in den Kirchen, sondern auch in vielen Häusern eine 2000 Jahre alte Geschichte erzählt. Es wird erzählt von einem jungen Paar, noch nicht verheiratet, aber die Geburt des ersten Kindes steht unmittelbar bevor. Es wird erzählt von Menschen, die eine weite und gefährliche Reise auf sich nehmen mussten, weil die Machthaber es so wollten. Es wird erzählt, dass für eine werdende Mutter nur noch in einem Pferch, einem Stall bei den Tieren Platz ist.

Es wird eine Geschichte erzählt, die sich heute noch genauso ereignen kann, vielleicht gerade heute irgendwo auf der Welt so ähnlich passiert. Und trotzdem freuen sich viele Menschen. Trotzdem ist dieser Abend für viele etwas besonderes. Obwohl die Geschichte auf den ersten Blick gar nicht fröhlich ist, wird dieser Tag weltweit besonders gefeiert, wegen dieser Geschichte.

Woran liegt das? Gibt es einen tieferen Grund für die Freude vieler Menschen an diesem Tag? Wir Christinnen und Christen glauben, dass bei allem menschlichen Elend, von dem die biblische Geschichte erzählt, doch eine frohe Botschaft darin steckt. Wir glauben, dass in dieser Nacht vor 2000 Jahren nicht nur irgendein Kind zur Welt gekommen ist. In dieser Nacht und unter diesen schwierigen Umständen wird Gott Mensch. Wir glauben eben nicht an einen Gott, der als der große Rächer auftritt, der zum Krieg aufruft und der erst zufrieden ist, wenn alle Ungläubigen erschlagen sind. Wir glauben an einen Gott, dem menschliches Elend nicht fremd ist. Wir glauben an einen Gott, dem das Leiden der Menschen zu Herzen geht. Wir glauben an einen Gott, der barmherzig ist.

Was bedeutet dieses Wort, das aus unserem alltäglichen Sprachgebrauch fast verschwunden ist, das auch viele gläubige Menschen kaum noch erklären können? Was heißt es, an einen barmherzigen Gott zu glauben?

Die katholische Kirche versucht seit dem 8. Dezember in diesem Jahr auf diese Frage eine verständlich Antwort zu geben. Der Heilige Vater, Papst Franziskus, hat an diesem Tag das heilige Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. Wie auch in allen anderen Heiligen Jahren, wurde dazu am Petersdom in Rom die Heilige Pforte geöffnet, eine besondere Tür, die sonst verschlossen und vermauert ist. In diesem Heiligen Jahr steht nicht nur die Heilige Pforte am Petersdom offen. Nicht nur in den anderen großen Kirchen Roms, sondern z.B. auch am Kölner Dom gibt es dieses mal eine Heilige Pforte.

So wie diese vielen Türen offen stehen, so steht jedem Menschen, der an Gott glaubt, das Herz Gottes offen. Jeder Mensch kann und darf sich Gott zuwenden. Welche Sorgen und Nöte wir auch immer mit uns tragen, Gottes Herz ist offen für uns, damit wir zu ihm kommen, bei ihm Wärme erfahren und Halt für unser Leben. Der barmherzige Gott hat ein warmes und offenes Herz für jeden von uns.

Diese Botschaft wird für uns Christinnen und Christen besonders an diesem Abend, in dieser Heiligen Nacht, der geweihten Nacht, dem Weihnachtsfest deutlich. Gott wird Mensch. Er teilt unsere Sorgen und gibt uns in seiner Barmherzigkeit die Kraft, dass auch wir miteinander Sorgen und Nöte teilen.

Gerade in diesen Tagen begegnen wir nicht nur in den Nachrichten, sondern auf unseren Straßen so viel Not und Elend. Die Geschichte von damals kann sich täglich in ähnlicher Weise wieder ereignen. Und doch haben wir Grund zur Freude und Dankbarkeit, denn in seiner Barmherzigkeit lässt uns Gott nicht allein. Gott teilt das Leben mit uns Menschen. Er wird Mensch für uns.

Diese Botschaft, dieser Glaube an den barmherzigen Gott, ist für viele Menschen zur Zeit eine wichtige Motivation. Sie setzen sich ein für Menschen auf der Flucht. Sie möchten, dass aus Vertriebenen und Geflohenen neue Nachbarn werden, Menschen die hier wenigstens für eine gewisse Zeit Wärme und ein Zuhause finden. So tragen gerade in diesen Tagen viele Menschen mit dazu bei, dass die frohe Botschaft vom barmherzigen, Mensch gewordenen Gott nicht nur mit Worten, sondern mit Taten verkündet wird. Das ist auch ein Grund zur Freude und Dankbarkeit in diesen festlichen Tagen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien, ob sie an die Botschaft von Weihnachten glauben, oder sich schwer damit tun, friedliche und gesegnete Tage. Mögen Sie etwas von der Wärme der frohen Botschaft spüren.

Ihr Pfarrer Bernhard Dobelke

Quelle: RP
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