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Analyse
Grabsteine im Stadion - neue Stufe der Provokation

Solingen. Ansichtssache Vor dem Spiel in der Fußball-Bezirksliga zwischen dem FC Remscheid und Union Solingen im Röntgen Röntgen-Stadion werden Grenzen deutlich überschritten. Dabei hatte der Union-Vorstand in einem Aufruf zu sportlicher Fairness aufgerufen. Von Henning Schlüter

Fußballstadien sind kein Hort des gewählten Umgangstons, des ausschließlich friedliebenden Miteinanders. Oft weht - von der Bundesliga bis in die Niederungen - ein herzlich-rauer Wind, der nicht immer etwas für Zartbesaitete ist. Aber bisweilen werden die Grenzen klar überschritten, wird eine neue Stufe der Provokation erklommen. Das war unlängst beim Bullenkopf-Wurf in Dresden als nicht besonders schlauer Gruß an die Gäste von RB Leipzig so.

Und das gilt auch dafür, was im Vorfeld des Bezirksliga (!)-Duells zwischen dem FC Remscheid und Union Solingen am Sonntag im Röntgen-Stadion passiert. Dass es im Vorfeld wechselseitige und szenetypische Schmähungen der sich in inniger Abneigung verbundenen Ultras von hüben und drüben gibt - geschenkt. Dass diese, offenbar von Union-Anhängern, auch mit der Sprühflasche im Inneren des Röntgen-Stadions dokumentiert wurden (was fleißige Hände inzwischen wieder übertüncht haben), ist ärgerlich, weil immer mit Kosten und Aufwand verbunden.

Was aber gar nicht geht, ist der Umstand, dass offenkundig Solinger Anhänger als gezielte Provokation auf dem Lenneper Rasen acht handgeklöppelte, symbolische Grabsteine aus Styropor mit eingeritztem Datum (von Sonntag) und bestimmten Namen platzierten. Wenn das ein Scherz gewesen sein sollte, war er verdammt schlecht, ist mithin gründlich misslungen und muss geahndet werden. Wenn es einen ernsten Hintergrund gibt, dann sowieso. Denn es gibt für alles Grenzen im Umgang miteinander. Auf und neben dem Spielfeld. Die sind hier eindeutig überschritten.

Kein Wunder also, wenn Stadt und Polizei die Begegnung als "Risikospiel" einstufen. "Es ist uns bekannt, dass es sich um zwei Klubs mit verfeindeten Anhängern handelt", sagt eine Polizei-Pressesprecherin. Das, und auch das benachbarte Oktoberfest auf dem Kirmesplatz in Lennep, machen den Ordnungskräften Sorgen, weswegen auch die Polizeipräsenz im und rund ums Röntgen-Stadion deutlich erhöht wird. "Eine Hundertschaft wird ebenso vor Ort sein wie berittene Kollegen, Hundeführer und natürlich unsere szenekundige Beamte", heißt es aus dem Polizeipräsidium Wuppertal. Was dieser Aufwand kostet, sagt die Sprecherin nicht. Aber das lässt sich mit Sorgenfalten auf der Stirn leicht erahnen.

Um so positiver, dass beispielsweise der Union-Vorstand auf der Homepage des Klubs im Internet diesen Aufruf startete: "Wie wir alle wissen, wird die Union (...) beim FC Remscheid gastieren, dem alten Rivalen, nicht Feind, der Union. Aus diesem Grund möchten wir - auch im Namen unserer Mannschaft - um sportliche Fairness bitten. Anstatt des so typischen "Anti-Gehabes" und Schmähgesängen lasst uns etwas Niveau ins Spiel bringen und auf uns und unsere Mannschaft konzentrieren. Alles andere sollten wir gepflegt ausblenden können. Unsere Mannschaft braucht Eure Unterstützung und keinen Nebenschauplatz, der von der eigentlichen Aufgabe nur ablenkt und dem Verein nur schadet."

Dem pflichten sie auch beim FC Remscheid bei, haben aber sicherheitshalber vorgesorgt. Die Gegengerade und die Pressetribüne werden für alle Remscheider Fans gesperrt. Auch die dahinterliegende Straße Am Stadion ist gesperrt. Zudem weist der FCR darauf hin, dass "zur Gewährleistung der Sicherheit an den Eingängen Personen- und Taschenkontrollen durchgeführt werden, wodurch es zu Wartezeiten kommen kann".

Quelle: RP
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