| 00.00 Uhr

Solingen
Gräfrath droht eine Massen-Evakuierung

Solingen: Gräfrath droht eine Massen-Evakuierung
Im Fall eines Bombenfundes müssten auch Teile des historischen Ortskerns evakuiert werden. Der Radius um die mögliche Fundstelle beträgt 600 Meter. FOTO: mak, or, Stadt
Solingen. Auf alten Luftbildern wurden Stellen geortet, an denen zwei Fliegerbomben liegen könnten. Genaue Untersuchungen erfolgen am Montag. Im Fall einer Räumung wären 1200 Menschen betroffen. Die Vorbereitungen sind angelaufen. Von Martin Oberpriller

Die Experten wollen kein noch so geringes Risiko eingehen - denn sollten sich ihre Befürchtungen am Ende als stichhaltig erweisen, stehen die Sicherheitsbehörden Anfang der kommenden Woche vor einem der größten Einsätze, die es in den zurückliegenden Jahren in Solingen gegeben hat. Wegen zwei britischer Fliegerbomben, die möglicherweise in der Nähe der Straße Roggenkamp in Gräfrath liegen, könnten am nächsten Montag rund 1200 Menschen gezwungen sein, ihre Häuser und Wohnungen zeitweise zu verlassen.

Darauf hat die Stadt gestern Mittag in einer eigens anberaumten Pressekonferenz hingewiesen. Zuvor hatten Rathaus-Beschäftigte bereits am Morgen begonnen, Flyer mit Informationen an die betroffenen Haushalte zu verteilen. Und nicht allein an diese: Im Fall einer solchen Groß-Evakuierung müssten nämlich zusätzlich auch an die 300 Firmen, darunter viele im Gewerbegebiets Piepersberg, geräumt werden.

Aufgefallen waren die potenziellen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg bei der Auswertung von Luftbildern durch die zuständige Bezirksregierung Düsseldorf. Da im Bereich Roggenkamp augenblicklich neue Leitungen verlegt werden, hatten sich die Verantwortlichen vorsichtshalber dazu entschieden, die historischen Fotos noch einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Wobei schließlich an zwei Punkten abseits der Straße verdächtige Abweichungen im Boden sichtbar wurden.

"Diese gilt es nun abzuklären", sagte der beim Solinger Ordnungsamt verantwortliche Mitarbeiter des Ermittlungsdienstes, Oliver Nowacki, am Mittwoch. Aus diesem Grund werden ab Montagvormittag, 20. November, in den infrage kommenden Feldern durch eine Spezialfirma zunächst Probebohrungen durchgeführt, die endgültige Klarheit darüber bringen sollen, ob sich in Gräfrath tatsächlich zwei explosive Überbleibsel aus dem Krieg befinden.

Wäre dies der Fall, käme sodann eine regelrechte Sicherheits-Maschinerie in Gang. Der auf die Entschärfung von Blindgängern spezialisierte Kampfmittelräumdienst bei der Bezirksregierung würde mit dem Ausgraben der Bomben beginnen, derweil Stadt sowie Polizei dafür Sorge trügen, sämtliche Menschen in einem Radius von 600 Metern aus ihren Häusern und Büros zu holen.

Eine logistische Herausforderung, für die im Ernstfall etwa 70 Einsatzkräfte bereitstünden, die gegebenenfalls sogar ein noch größeres Areal zu räumen hätten. Denn sollte sich die Bergung der beiden möglichen Blindgänger als zu kompliziert herausstellen, bliebe dem Sprengmeister nichts anderes übrig, als die Bomben vor Ort zu sprengen - was zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen und ferner die umgehende Alarmierung des Krisenstabes bei der Stadt nach sich ziehen würde.

Gleichwohl käme aber auch schon eine "normale" Entschärfung ganz erheblichen Einschränkungen gleich. So wäre es unvermeidlich, die Kreuzungen Roggenkamp/Wuppertaler Straße sowie Wuppertaler Straße/Dycker Feld/Melanchthonstraße durch die Polizei sperren zu lassen. Und parallel müssten die Verkehrsbetriebe auf einem Teil der Obuslinie 683 Ersatzwagen einsetzen, während von den Menschen, die ihre Wohnungen zu verlassen hätten, wenigstens einige im Kunstmuseum Solingen unterkämen. Kita-Kinder sowie die Schüler der Grundschule Gerberstraße fänden in der Zeit einer Entschärfung wiederum in der Turnhalle der Schule Schutz.

Bei der Stadt, die seit gestern in einem engen Kontakt sowohl zu Feuerwehr und Polizei, als auch zur Bezirksregierung steht, vermögen die zuständigen Stellen einstweilen nicht mit letzter Gewissheit zu prognostizieren, wie lange ein potenzieller Großeinsatz wirklich dauern würde. So könnten sich selbst die Untersuchungen, die Aufschluss über die reale Gefahr geben sollen, bis in den Dienstag ziehen, unterstrich ein Rathaus-Sprecher, der die Anwohner in Gräfrath darum bat, rechtzeitig entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Beispielsweise sollten sich die Bürger Ausweichquartiere suchen, weil im Kunstmuseum lediglich eine begrenzte Anzahl von Betroffenen aufgenommen werden könnte, hieß es am Mittwoch aus der Solinger Stadtverwaltung.

Was allerdings bereits feststeht, sind erhebliche Behinderungen im Straßenverkehr, wenn die erwähnten Sperrungen unumgänglich sind. Zwar will die Stadt Umleitungsstrecken auf Nebenstraßen einrichten. Doch dürften diese im Fall der Fälle überlastet sein, weswegen die Stadt alle Autofahrer bittet, Gräfrath am Montag weiträumig zu umfahren. Sollte es zu einem Bombenfund kommen, schaltet die Verwaltung umgehend ein Bürgertelefon unter der Nummer 290-2900.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Gräfrath droht eine Massen-Evakuierung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.