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Solingen
Großbrand vernichtet Firmenhalle in Gräfrath

Brand in Solinger Industriegebiet
Brand in Solinger Industriegebiet FOTO: Patrick Schüller
Solingen. In der Nacht auf Donnerstag war die Feuerwehr am Dycker Feld im Großeinsatz. Proben sollen nun zeigen, ob Schadstoffe auf das Gelände einer Kita gelangt sind. Von Martin Oberpriller

Es waren dramatische Szenen wie aus einem Katastrophenfilm. Aus den Fenstern der Halle schlugen teils meterhohe Flammen heraus, Feuerwehrleute mit schweren Atemschutzgeräten kämpften sich Schritt für Schritt durch dichten Qualm in das Innere des Gebäudes vor - und draußen verwandelten die Blaulichter sowie Scheinwerfer der Einsatzfahrzeuge die ganze Gegend rund um den Unglücksort in eine beinahe surreal anmutende Szenerie.

Bei einem Großfeuer im Gewerbegebiet Dycker Feld in Gräfrath ist in der Nacht zu Donnerstag die Produktionshalle einer Firma für Büromöbel fast vollständig zerstört worden. Rund 70 Kräfte der Berufs- sowie der Freiwilligen Feuerwehr hatten sich nach dem ersten Notruf, der um etwa 3.40 Uhr eingegangen war, über Stunden hinweg im Dauereinsatz befunden, um der Flammen Herr zu werden. Wobei auch nach einer vorsichtigen Entwarnung gestern Morgen um 6.30 Uhr weiter höchste Alarmbereitschaft bestand. Denn immer wieder flammten kleinere Glutnester in dem einsturzgefährdeten Bau von Neuem auf, so dass die Feuerwehr mit ihrem schweren Gerät noch bis zum späten Nachmittag vor Ort bleiben musste. Am Ende wurde bei dem Großeinsatz glücklicherweise nur ein Feuerwehrmann leicht verletzt.

Die Spuren der Verwüstung, die das Feuer hinterlassen hatte, waren am Vormittag danach nicht zu übersehen. Über der Halle lag nach wie vor ein beißender Rauchgeruch, während das Areal des betroffenen Unternehmens an der Straße Dellenfeld von einem weißen Teppich aus Löschschaum bedeckt war und sich erschöpfte Feuerwehrleute vor der Firma von ihrem Einsatz erholten.

Da infolge der starken Rauchentwicklung eine Gefährdung zunächst nicht in Gänze auszuschließen gewesen war, hatte sich die Leitung der Feuerwehr in Absprache mit der Stadt Solingen bereits am frühen Morgen dazu entschieden, die nahe gelegene Kita Sonnenblume an der Lützowstraße am Donnerstag für den gesamten Tag geschlossen zu halten. Zudem wurde auch die Dependance Lützowstraße der Grundschule Yorkstraße geräumt, von wo aus die Kinder in der ersten Schulstunde mit Lehrern ins Hauptgebäude im Gräfrather Ortskern umzogen.

Beide Einrichtungen, Kita wie Schule, können ab heute wieder genutzt werden. Allerdings bleibt der Betrieb in der Kindertagesstätte voraussichtlich noch einige Tage auf das Gebäude selbst beschränkt. Denn obwohl eine Belastung des Außengeländes mit Schadstoffen als äußerst gering erscheint, wollen die Verantwortlichen auf Nummer sicher gehen und veranlassten darum noch gestern entsprechende Messungen durch das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz, deren Ergebnisse wiederum Mitte kommender Woche vorliegen sollen.

Derweil also die Kita-Kinder bis auf Weiteres nicht mehr draußen spielen dürfen, ist die Lage bei dem vom Brand betroffenen Unternehmen erst einmal sogar in Gänze ungewiss. "Es steht noch nicht fest, ob die Halle überhaupt irgendwann wieder benutzt werden kann", hieß es nach dem Feuer aus der Firma, wo die Angestellten am Donnerstag lediglich die Büros betreten konnten. Wie es nun weitergeht, ist unklar. So gelte es möglicherweise, für einige Zeit ein Ausweichquartier zu suchen, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.

Tatsächlich rechnen die Experten der Polizei mit ersten Erkenntnissen zur Brandursache sowie zur genauen Schadenshöhe erst in einigen Tagen. "Unsere Leute hatten wegen der Einsturzgefahr und der Glutnester noch keine Gelegenheit, die Halle zu betreten", sagte gestern Nachmittag ein Polizeisprecher. Er schätzte, dass die Untersuchungen wohl bis nächste Woche laufen werden.

Eine Zeitspanne, die auch die Feuerwehr für durchaus realistisch hält. Erst ab ungefähr 14 Uhr konnte die Zahl der Einsatzkräfte langsam wieder reduziert werden. "Es bleibt aber noch ein Löschzug als Brandwache vor Ort", teilte die Feuerwehr mit, die am Abend ein weiteres Mal zum Dellenfeld ausrücken musste, da es erneut zu kleineren Feuern gekommen war.

Wobei die Einsatzkräfte vielleicht sogar Werbung in eigener Sache machten. Denn der fünfjährige Laurin hatte die zwischenzeitliche Schließung seiner Kindertagesstätte Sonnenblume gestern dazu genutzt, um zusammen mit seinem Großvater Klaus Steinbrück den Feuerwehreinsatz mit großen Augen zu verfolgen. "Wir haben am Morgen von dem Feuer und dem Ausfall der Kita erfahren und sind anschließend zu Fuß zum Dellenfeld gegangen", berichtete der Opa später.

Quelle: RP
 
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