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24 Stunden - 24 Menschen
Große Momente des Lebens in einer Stunde

24 Stunden - 24 Menschen: Große Momente des Lebens in einer Stunde
Auch für Namensänderungen ist Standesbeamtin Sabine Senkowski zuständig. FOTO: Kempner, Martin (mak)
Solingen. Im Büro von Standesbeamtin Sabine Senkowski gehen die Besucher am Vormittag ein und aus: Neben Eheschließungen stehen unter anderem auch Anmeldungen Neugeborener auf dem Programm. Von Alexander Riedel

Im Regal stehen Stammbücher mit unterschiedlicher Gestaltung, die Wand ziert unter anderem ein herzförmiger Bilderrahmen mit Porträts frisch verheirateter Eheleute: "Das war meine erste Eheschließung", erzählt Sabine Senkowski und deutet auf eines der Fotos. An jenem Tag im Juli 2009 sei sie sehr aufgeregt gewesen, berichtet die Standesbeamtin. "Ich hatte in der Nacht davor sehr unruhig geschlafen", erinnert sich die 41-Jährige. Auch heute sei sie noch immer ein wenig nervös, wenn sie vor Brautleute trete, gesteht Senkowski: "Jede Eheschließung ist eben anders."

Nach ihrer Ausbildung zur Verwaltungsfachwirtin hatte sie zunächst bei der Stadtkasse gearbeitet, ehe sie nach einem speziellen Lehrgang ins Standesamt wechselte. "Ich wollte mehr mit Menschen zu tun haben", verrät Senkowski. Morgens um acht beginnt in der Woche ihr Arbeitstag im malerischen Haus Kirschheide in Höhscheid. Inzwischen ist der Zeiger auf elf Uhr vorgerückt.

Es klopft an die Tür ihres Büros: Herein kommt ein junges Paar. Der Mann trägt ein Neugeborenes in der Babyschale. Viele Unterlagen wandern über den Schreibtisch. Dabei geht es um zwei wichtige Formalitäten: Zum einen legen die Eltern fest, dass das Kind den Nachnamen der Mutter tragen soll, zum anderen gibt der Vater eine Namenserklärung ab - er will künftig die deutsche Version seines ursprünglich polnischen Vornamens tragen.

Draußen wartet bereits der nächste Besucher: Ein junger Mann ist gekommen, um die Geburtsurkunde für den Nachwuchs erstellen zu lassen. Die Anmeldung Neugeborener gehört zu den häufigsten Aufgaben der öffentlichen Einrichtung. Aber auch Sterbeurkunden müssen die Standesbeamten ausstellen. Das Telefon klingelt. "Sie können mir die Unterlagen gleich rein reichen, am besten gegen 12 Uhr, weil ich davor noch eine Eheschließung habe", sagt Sabine Senkowski dem Anrufer.

Von ihrem Büro in der ersten Etage eilt sie die Wendeltreppe hinunter in den eleganten Hochzeitsraum im Erdgeschoss und empfängt die werdenden Eheleute mit ihren Trauzeugen, die sich in der ersten Stuhlreihe niederlassen. In ihrer feierlichen Ansprache geht Senkowski auf die Verantwortung der Eheleute füreinander ein, stellt die besonderen Freuden des partnerschaftlichen Zusammenlebens heraus und erwähnt "Rezepte" einer glücklichen Beziehung.

Als sich das Paar schließlich das Eheversprechen gegeben und die Ringe getauscht hat, erklingt aus der Stereoanlage Felix Mendelssohn-Bartholdys berühmter Hochzeitsmarsch. Eine Träne rinnt über das Gesicht der Braut. Auch ihre Trauzeugin bekommt feuchte Augen. Nun ist Sabine Senkowski auch als Fotografin gefragt: Sie hält den schönsten Tag des Lebens für die frisch Vermählten und ihre Begleiter fest. "Ihnen allen wünsche ich einen unvergesslichen Tag", gibt sie der strahlenden Hochzeitsgesellschaft mit auf den Weg. "Das war heute die einzige Eheschließung", berichtet Senkowski gegen zwölf Uhr. An anderen Tagen gäben sich deutlich mehr Paare das Ja-Wort. Von Dienstag bis Freitag trauen die insgesamt sechs Standesbeamten die Heiratswilligen im Haus Kirschheide, am Samstag auch an anderen Schauplätzen wie Schloss Burg oder anderen reizvollen Orten der Stadt.

Die offene Sprechstunde endet an den meisten Wochentagen um 13 Uhr, nur am Donnerstag hat das Standesamt auch am Nachmittag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Das bedeutet aber keineswegs, dass Sabine Senkowskis Arbeit danach erledigt wäre: In jedem Fall ist bis in den Nachmittag noch jede Menge Verwaltungsarbeit zu erledigen. Ihre Tätigkeit macht ihr sichtlich Freude - und dazu trägt auch das Ambiente im Haus Kirschheide mit seinen prächtigen Stuckdecken und der idyllischen Gartenanlage bei: "Wenn ich morgens auf das Gelände fahre und sehe, dass alles blüht, ist das ein besonderes Gefühl - und unterhalb meines Fensters stehen oft die Hochzeitsgesellschaften vor der Magnolie - wer hat schon einen solchen Arbeitsplatz?"

MIT DIESER FOLGE ENDET UNSERE 24-STUNDEN-SERIE.

Quelle: RP
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