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Solingen
Großer Bahnhof für kleine Züge

Solingen. Der Modellspielzeugmarkt im Theater und Konzerthaus lud zum Schauen, Handeln und Fachsimpeln ein. 250 Besucher bestaunten die "Schätzchen", die die 21 Händler, darunter Hobbysammler und Profis, nach Solingen mitgebracht hatten. Von Benjamin Dresen

Malte und sein Großvater Ernst Amlacher haben große Pläne. "Der Junge möchte sich eine eigene Anlage aufbauen. In der Familie gibt es bereits eine, die ergänzt werden soll", erzählt der Senior aus Wuppertal von ihrem gemeinsamen Vorhaben. "Eine Modelleisenbahn ist schon lange mein Wunsch", sagt der 10-jährige Enkel, und vieles hat er schon wiedererkannt. Mit konkreten Einkaufszielen sind sie aber nicht zum Modellspielzeugmarkt gekommen. "Wir wollen vergleichen und die Preise testen", sagt Amlacher. Fest steht nur der Maßstab 1:87, unter Fachleuten auch "H0" genannt.

An den Ständen im oberen Foyer des Theaters dürften die beiden am gestrigen Sonntag sicher fündig geworden sein. Groß war die Auswahl der 21 Händler, teils Sammler, teils professionelle Händler. Schnell entwickelte sich an den Ständen aus bloßem Schauen eine ernste Fachsimpelei unter Liebhabern. Die Veranstalter rechneten mit rund 250 Besuchern.

Das Angebot umfasste vor allem Lokomotiven, Waggons, Autos und Häuser für Modelleisenbahnanlagen. Hier und da fanden sich auch Raritäten wie altes Blechspielzeug, oder Fachbücher und Kataloge. "Es gibt für alles Sammler, und vollständig ist eine Sammlung nie", sagte Jürgen Hörner vom Hildener Veranstalter Adler-Märkte. "Es soll Leute mit einigen tausend Lokomotiven geben", so Hörner, andere hätten sich zum Beispiel auf Feuerwehr-Autos spezialisiert. Hier sind erstaunliche Wertsteigerungen zu verzeichnen: "Wir haben früher die Wiking-Autos für 2,50 Mark gekauft. Die sind heute manchmal 100 Euro oder sogar noch mehr wert", sagte Hörner.

Dafür, dass Sammler und Hobby-Lokführer daheim keine böse Überraschung mit der teuren Technik erleben, sorgte das Testgleis. Denn die meisten gehandelten Lokomotiven sind gebraucht. In einem gut einen Meter langen Koffer lagen sieben Gleise verschiedener Spurweiten zur Probefahrt nebeneinander. Eine Familie setzte gerade eine grüne Dampflokomotive auf die Schienen. Jürgen Hörner drehte am Trafo und gab Strom auf das Gleis. "Die braucht in jedem Fall etwas Öl. Aber sonst funktioniert sie", stellt er fest.

Für Nachschub an Sammlerobjekten ist stets gesorgt. Denn dadurch, dass viele Sammler schon älter sind und in der Szene viele Menschen aktiv sind, kommen die Schätze aus ihrem Nachlass immer wieder in Umlauf. "Es ist eher selten, dass sich jüngere Leute mit dem Thema beschäftigen", hat Hörner beobachtet und nennt das Alter der Besucher: "40 und aufwärts - nach oben gibt es keine Grenze".

Der ambitionierte 10-Jährige ist da eher eine Ausnahme unter den Sammlern. "Die jungen Leute beschäftigen sich eher mit anderen Dingen. Es gibt ja mittlerweile sogar virtuelle Modelleisenbahnen", berichtete Hörner. "Aber da kann man nichts mehr haptisch in die Hand nehmen."

Wer - egal ob nun junger oder alter Modellfan - den gestrigen Termin verpasst hat, kann sich übrigens bereits den 2. April 2017 in seinem Terminkalender notieren. Denn dann ist der Modellspielzeugmarkt mit seiner großen Auswahl an Modellen sowie echten Raritäten wieder im Theater und Konzerthaus an der Konrad-Adenauer-Straße zu Gast.

Quelle: RP
 
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