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Solingen
Grossmann-Maschinen werden verkauft

Solingen: Grossmann-Maschinen werden verkauft
Grossmann-Insolvenzverwalter Dr. Marc d'Avoine. FOTO: Kempner Martin
Solingen. Online werden ab dem vierten Quartal weltweit Maschinen und Anlagen des insolventen Unternehmens angeboten. Von Uwe Vetter

Einige Einzelaufträge werden noch abgearbeitet. Dr. Marc d'Avoine, der Insolvenzverwalter der Stahlgießerein Grossmann, geht davon aus, dass dies bis Ende diesen Monats erledigt ist. Ohnehin ist den verbliebenen Mitarbeitern Ende April gekündigt worden. Bei einer dreimonatigen Kündigungsfrist ist für diese Mitarbeiter also Ende dieses Monats letzter Arbeitstag. "Bis auf einige, die ein Sonderkündigungsrecht hatten", schränkt der Insolvenzverwalter ein.

Ein Investor, der das 1853 gegründete Unternehmen übernehmen will, hat nicht an die Tür des Firmengebäudes an der Wittkuller Straße in Wald geklopft. Da das Unternehmen, das zuletzt 112 Mitarbeiter beschäftigte, wirtschaftlich alleine nicht mehr bestehen konnte, wurde Ende März das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit beantragt - und eröffnet.

Mitte April war bereits letzter Gießtag bei Grossmann, von da an wurden Restarbeiten unter anderem in der Schleiferei und Putzerei erledigt.

Das Insolvenzverfahren Grossmann wird Dr. Marc d'Avoine aber "noch einige Jahre" beschäftigen. Zumal jetzt, sobald die Auslaufproduktion eingestellt wird, die Sicherung und Verwertung von Maschinen und Anlagen ansteht, um Geld in die Unternehmenskasse zu bekommen. Die Verschuldung des Unternehmens soll im einstelligen Millionenbereich liegen. "Die Verwertung und den Verkauf werden Profis für uns machen", sagt der Insolvenzverwalter.

Er geht davon aus, dass ab dem vierten Quartal diesen Jahres die Grossmann-Maschinen und -Anlagen "online weltweit angeboten" und sich dafür Käufer finden werden. "Das wird sich voraussichtlich ein halbes Jahr hinziehen - also über den Jahreswechsel hinaus", sagt Marc d'Avoine. Neben dem Verkauf des Inventars müsse zudem eine sachgerechte Verwaltung der Liegenschaft sichergestellt sein, zudem ein Immobilienkonzept entwickelt werden. Immerhin ist das Grossmann-Grundstück rund 40.000 Quadratmeter groß. Zum Vergleich: Das Rasspe-Areal in der Kohlfurth, das jetzt vom AAV Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung entwickelt werden soll, ist mit rund 60.000 Quadratmetern etwa ein Drittel größer. "Wir stehen mit dem Insolvenzverwalter von Grossmann in enger Verbindung, um die Verwertung des Grundstücks in die Wege zu leiten", sagt der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, Frank Balkenhol.

Für eine gewerbliche Weiternutzung macht sich jedenfalls die Solinger Verwaltungsspitze stark: "Wir werden in Absprache unmittelbar mit der Bezirksregierung über eine weitere Nutzung des Areals nachdenken. Grundsätzlich streben wir natürlich an, das Gelände weiter für eine industrielle gewerbliche Nutzung vorzuhalten", so Oberbürgermeister Tim Kurzbach.

In den zurückliegenden Jahren hatte es bei Grossmann immer wieder wirtschaftliche Schwierigkeiten gegeben. Bereits Ende 2014 war das Unternehmen mit damals noch etwa 180 Beschäftigen inklusive Auszubildenden in die Insolvenz geraten. Das Verfahren endete vergangenes Jahr mit einem sogenannten Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung.

Doch auch danach kam das Unternehmen nicht zur Ruhe. Anfang dieses Jahres geriet der Betrieb erneut in existenzielle Probleme - und ein zweiter Insolvenzantrag erwies sich als unausweichlich.

Abzusehen ist nun, dass auf dem Gelände der ältesten Stahlgießerei Deutschlands schon bald ähnliche Verhältnisse herrschen wie derzeit bei Rasspe in der Kohlfurth oder auf dem Omega-/Kieserling-Gelände in der Stadtmitte: Leere große Fabrikhallen werden zumindest eine Zeit lang das Bild dort prägen.

Quelle: RP
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