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Solingen
Händler wollen Ladensterben verhindern

Solingen: Händler wollen Ladensterben verhindern
Ein Blick in die Ohligser Fußgängerzone. Auch die dortigen Händler planen mehr Präsenz im Netz, um die Kunden zu erreichen. FOTO: Martin Kempner (Archiv)
Solingen. Laut einer Studie droht jedem zehnten Geschäft in Deutschland bis 2020 das Aus. Ein Trend, der auch an Solingen nicht vorbeigeht. Von Alexander Riedel

Leerstehende Ladenlokale, insbesondere jene in zentraler Lage, sorgen bei den Stadtplanern schon seit geraumer Zeit für Stirnrunzeln und verschrecken manch einen Kunden. Umso alarmierender sind die Berechnungen, die das Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln bereits im vergangenen August veröffentlichte. In ihrer Studie mit dem Titel "Stadt, Land, Handel 2020" entwerfen die Experten ein düsteres Szenario für den Einzelhandel. Bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts könnten 45.000 Ladengeschäfte - das wäre jedes zehnte in Deutschland - vom Aus bedroht sein. Vor allem den Bevölkerungsrückgang in manchen Regionen und den verstärkten Trend zum Online-Handel hat das Institut als wichtige Ursachen für die befürchtete Entwicklung ausfindig gemacht.

Für Solingen ergibt sich aus der Studie bis ins Jahr 2020 ein Rückgang der Einzelhandelsumsätze von rund 15 Prozent im Vergleich zu 2014. "Der Trend geht in die Richtung, dass in 20 Jahren vielleicht kaum noch kleine Geschäfte da sind", gibt sich Detlef Ammann, Inhaber von Mode-Partner und Vorsitzender des Werbe- und Interessenrings Innenstadt (W.I.R.), keinen Illusionen hin: "Dann werden eines Tages wohl nur noch die Großen übrig bleiben." Eine vergleichbare Entwicklung sei schließlich seit Jahren auch bei Gaststätten und Kiosken zu beobachten, sagt der 57-Jährige - und nennt einen weiteren Grund für den Rückgang der inhabergeführten Geschäfte: "Es sind oft keine Nachfolger in Sicht". Ein Einzelhandelsgeschäft zu führen sei für viele Jugendliche nicht mehr reizvoll.

Die Flinte ins Korn werfen will er dennoch nicht. Schließlich zeigt auch die IFH-Studie Wege auf, um das Aussterben der Geschäfte zu verhindern. "Attraktive Innenstädte punkten mit Gestaltung, Ambiente, Erlebnischarakter und Angebots- bzw. Sortimentsvielfalt", heißt es beim Institut.

"Sie bekommen die Kunden nur über Service", sagt Ammann. Geschäfte müssten nicht allein persönliche Beratung anbieten, sondern auch Marktlücken besetzen. Gemeinsame Veranstaltungen sollen helfen. Darüber hinaus wollen sich die Solinger Einzelhändler auch im Hinblick auf die Verbindung von stationärem und Online-Handel weiterentwickeln. "Wir werden uns in diesem Jahr zusammensetzen, um etwas aufzubauen", kündigt Ammann im Hinblick auf eine gemeinsame Plattform der Händler in der Innenstadt an.

Viele Geschäfte haben sich schon selbst auf den Weg gemacht, ihre Waren im Internet anzubieten. Ein Problembewusstsein ist vorhanden - auch in Ohligs. "Den reinen stationären Handel wie früher wird es nicht mehr geben", sagt Brigitte Kiekenap, Vorsitzende der Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG). Schon vor drei Jahren habe es im OWG-Vorstand die Idee gegeben, ein Online-Portal mit Infos über sämtliche Geschäfte des Stadtteils zu gründen, berichtet die Buchhändlerin.

"Bislang hatten wir aber nicht die Möglichkeit, das umzusetzen", sagt Kiekenap, die die Pläne jedoch deshalb noch nicht aufgegeben hat. Vielmehr erhoffe sie sich ein breiteres öffentliches Bewusstsein für die schwierige Lage des Einzelhandels. Die, so betont Brigitte Kiekenap, beeinflusse schließlich erheblich die Entwicklung von Innenstädten und damit auch das soziale Leben in den Zentren.

Quelle: RP
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