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Im Blickpunkt Oberbürgermeister-Wahl
Hakan Canik- der spontane Bewerber

Interview mit Oberbürgermeister-Kandidat Hakan Canik
Solingen. Hakan Canik tritt bei der Oberbürgermeister-Wahl am 13. September als unabhängiger Kandidat gegen Frank Feller (CDU), Tim Kurzbach (SPD/Grüne) sowie die ebenfalls parteilosen Einzelbewerber Friedhelm Funk und Wolfgang "Coco" Teuber an. Von Günter Tewes

Bis vor einigen Wochen hatte sich in seinem Leben noch nicht so vieles um Politik gedreht. Seit drei Monaten ist das anders - mit seiner Bewerbung um das Amt des Solinger Oberbürgermeisters. "Meine Frau und meine Eltern", sagt Hakan Canik, hätten es erst geglaubt, dass er es tatsächlich ernst meine und bei der Wahl am Sonntag nächster Woche als Kandidat antrete, als sie es in der Zeitung gelesen hätten. "Zeitgleich mit der Bewerbung stand bei mir der Entschluss fest, mich aktiv politisch einzubringen."

Der 41-jährige Mann aus der Wirtschaft ist unabhängiger Einzelbewerber, er hat keine Partei im Rücken, die ihn unterstützt. Die 50 Wahlplakate mit seinem Konterfei hat er eigenhändig in Merscheid und Wald, am Mangenberg und an der Konrad-Adenauer-Straße angebracht. Unter den drei OB-Einzelbewerbern ist Hakan Canik der einzige, der plakatiert, und der es damit im Straßenwahlkampf mit den beiden Partei-Kandidaten aufnimmt. "Das können wir besser! Für Solingen wählen" - so lautet seine selbstbewusste Botschaft.

OB-Wahl 2015: Das sind die Kandidaten in Solingen FOTO: Kempner (Archiv)

"Ich bin in Ohligs geboren, wo ich heute wohne, - und in Wald aufgewachsen und zur Schule gegangen." Familie, sagt er, bedeute alles für ihn. Jedenfalls würden die drei Söhne ihn und seine Frau ziemlich in Trab halten. Seine Eltern in Wald, die vor 49 Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei nach Solingen kamen und heute pflegebedürftig sind, unterstützt er. "Wir packen mit an."

Nach dem Schulabschluss in Klasse 10 lernte Hakan Canik bei Mannesmann/Kronprinz in Ohligs Industriemechaniker; parallel ging der Azubi aufs Abendgymnasium. Nach der Fachoberschulreife und dem Abitur studierte er Wirtschaftswissenschaften und Maschinenbau in Wuppertal.

In Firmen der Region, in denen Canik nach dem Studium arbeitete, musste er erleben, wie die Produktion nach Ostdeutschland, nach Polen oder sogar noch weiter weg verlagert wurde. Mitzugehen, dies kam für den überzeugten Solinger indes nicht in Frage: "Ich wollte meine Stadt und meine Eltern nicht verlassen."

"Kinder sind doch die Zukunft." Er will sich verstärkt um Kindergärten sowie Schulen kümmern und in Bildung investieren. So müssten Schüler zum Beispiel im Unterricht mit der neuesten Computertechnik ausgestattet sein. Mit Unternehmen will er sprechen, damit die mehr Ausbildungsplätze schaffen. Im Maschinenbaubereich braucht Solingen nach seiner Überzeugung eine Fakultät beziehungsweise eine Fachhochschule, etwa in Zusammenarbeit mit der Uni Wuppertal. Das stärke die Wirtschaft. Dazu ist nach seiner Überzeugung aber auch eine Senkung der Gewerbesteuer erforderlich.

Zur Viehbachtalstraße hat er eine klare Position: Die müsste an die A 3 angebunden werden. Umweltschutz ist für ihn eine Verpflichtung. Neuen Technologien steht er offen gegenüber. Seine Idee ist, Solar-Panels auf die Solinger O-Busse zu bringen. In der Klingenstadt fehle ein großes Erlebnisbad. Dies will der 41-Jährige ändern. Dass er als unabhängiger Kandidat antritt, bezeichnet er als Vorteil. Er werde jeden unterstützen, der mit einer guten Idee zu ihm komme.

Überrascht hat ihn die Unterstützung, die er in diesen Wochen erlebt hat. "So viel Zuspruch hätte ich nicht erwartet. Mein anfängliches Ziel habe ich schon erreicht."

Hakan Canik wünscht sich eine hohe Wahlbeteiligung. "Das ist wichtig", betont er. Daran arbeitet er freilich auch selbst mit durch seine Kandidatur und die Gespräche mit den Menschen. "Ich habe schon viele, die eigentlich nicht wählen wollten, dazu gebracht, nun doch ihre Stimme abzugeben."

Quelle: RP
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