| 00.00 Uhr

Solingen
Hanaa S.: Angeklagte kündigen Erklärungen an

Hanaa S. - Mordprozess in Wuppertal
Hanaa S. - Mordprozess in Wuppertal FOTO: Kreispolizei Mettmann
Solingen. Das Versteck der Leiche befand sich in unmittelbarer Nähe zur Autobahn. Tausende von Fahrzeugen passieren jeden Tag die Stelle an der A 5 zwischen Frankfurt und Basel. Von Martin Oberpriller

Aber bislang ahnte niemand etwas von der toten Frau, die dort in einem unwegsamen Waldstück der baden-württembergischen 5500-Seelen-Gemeinde Kronau - ungefähr auf halber Strecke von Heidelberg nach Karlsruhe - bis zu dieser Woche in über einem Meter Tiefe vergraben lag.

Und die nun, über zwei Jahre nach ihrem nahezu spurlosen Verschwinden wenigstens ein richtiges Grab bekommen wird. Denn auch wenn die Obduktion der sterblichen Überreste in der Gerichtsmedizin Düsseldorf am Freitag noch nicht vollständig abgeschlossen werden konnte, haben die Fahnder kaum noch einen Zweifel daran, dass es sich bei der Toten um die seit April 2015 vermisste Hanaa S. aus Solingen handelt.

Dementsprechend stand der gestrige Verhandlungstag am Wuppertaler Landgericht um das Verschwinden der 35-jährigen Mutter, die einem Mordkomplott der eigenen Familie zum Opfer gefallen sein soll, ganz im Zeichen dieser mutmaßlichen Wende in dem Fall. So gab der Vorsitzende Richter direkt nach der Eröffnung der Sitzung vor der 3. Großen Strafkammer als 1. Jugendstrafkammer die Neuigkeit von dem Leichenfund in Kronau bekannt - um danach mitzuteilen, sämtliche Verfahrensbeteiligte würden nähere Informationen erhalten, sobald die Obduktionsergebnisse feststünden.

Dabei dürfte der weitere Verlauf des Prozesses maßgeblich vom Verhalten der insgesamt fünf unter Mordverdacht stehenden Angeklagten abhängen, die allesamt Verwandte der Verschwundenen sind - darunter deren Ehemann sowie ein Sohn der Frau. Bislang war nämlich lediglich einer der Angehörigen dazu bereit gewesen, sein Schweigen zu brechen. Ein 26-jähriger Schwager von Hanaa S. hatte sich Ende Juni zu einer Aussage durchgerungen, den Mord gestanden und die Ermittler somit erst auf jene Spur geführt, die jetzt mit dem Fund der Leiche in Baden-Württemberg endete.

Tatsächlich kündigte der Mann - genauso wie ein anderer Schwager der Vermissten - am Freitag erneut an, nach Vorliegen der Obduktionsergebnisse vor Gericht ein weiteres Mal auspacken zu wollen. So erhoffen sich die zuständigen Richter unter anderem Auskünfte darüber, auf welche Weise genau die 35-Jährige von der Familie getötet worden sein könnte.

Laut Anklage wurde Hanaa S., die früher lange in Düsseldorf gelebt hatte, im April 2015 in ihrer Solinger Wohnung überfallen und anschließend getötet. Später sollen die Angehörigen die Frau mit einem Transporter nach Süddeutschland gebracht und sich der Leiche im besagten Waldstück entledigt haben.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft musste die gebürtige Irakerin sterben, weil sie sich nach jahrelangen Misshandlungen durch ihren Mann aus der Ehe gelöst sowie in Solingen ein neues Leben angefangen hatte. Und überdies soll Hanaa S. eine Beziehung mit einem anderen Partner eingegangen sein. Die jesidische Familie könnte die 35-Jährige also umgebracht haben, um so die aus ihrer Sicht verletzte Familienehre wieder herzustellen.

Der Prozess wird am 7. August, 9 Uhr, fortgesetzt. Insgesamt sind bis März 2018 rund 80 weitere Verhandlungstage terminiert.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Hanaa S.: Angeklagte kündigen Erklärungen an


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.