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Solingen
Hanaa S.: Gericht sucht nach Komplizen

Solingen. Ein Taxifahrer soll dabei geholfen haben, das mutmaßliche Mordopfer in Solingen aufzuspüren. Von Alexander Riedel

Wie zahlreiche andere Zeugen im Mordprozess um die 35-jährige Hanaa S. am Wuppertaler Landgericht gaben sich auch ein Taxifahrer und ein Rentner, die Kontakt zu den Angeklagten hatten, wortkarg. Deshalb schilderte gestern eine Ermittlerin der Mordkommission die polizeiliche Befragung der beiden Männer, deren Rolle in dem mysteriösen Kriminalfall noch unklar ist: Beide hatten häufig den Kiosk besucht, den der Schwager des mutmaßlichen Opfers führte.

In dessen Auftrag soll der Taxifahrer die irakische Jesidin beschattet haben, um ihren Wohnort herauszufinden. Von den Hintergründen will er nichts gewusst haben. Die Ermittler verdächtigen ihn, sich der Beihilfe am Verbrechen schuldig gemacht zu haben. Auch der Rentner soll mitbekommen haben, dass die Angeklagten versuchten, Hanaa S. aufzuspüren.

Die 35-jährige mehrfache Mutter Hanaa S. hatte sich von ihrem Ehemann getrennt und war nach Solingen zur Hasseldelle gezogen. Ihre Adresse versuchte sie offenbar geheimzuhalten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Ehemann, drei seiner Geschwister und sogar ihr eigener Sohn gemeinsam ein Mordkomplott gegen die junge Frau schmiedeten, um die Familienehre nach der Trennung wiederherzustellen. Im April 2015 verschwand Hanaa S. Die Leiche der Frau wurde bis heute nicht gefunden. Ermittler vermuten, dass sie in Baden-Württemberg in der Nähe der Stadt Kronau beseitigt wurde.

So waren zum gestrigen Prozesstag auch zwei Zeugen aus Süddeutschland nach Wuppertal gekommen: Ein Angler, der ein führerlos auf einem See treibendes Boot bemerkt hatte, und die Mitarbeiterin einer Tankstelle, die zwei arabisch sprechende Männer mit stark verschmutzten Schuhen aus einem hellen Sprinter hatte aussteigen sehen. Wiedererkennen würde sie die Kunden aber heute nicht mehr, gestand die Frau.

Offen ist derzeit noch, ob eine weitere Zeugin aus noch größerer Entfernung anreisen muss: Das Interesse der Ermittler weckte auch eine in Brasilien lebende Frau, die mit dem Schwager des mutmaßlichen Opfers bekannt ist. Sie hatte Hanaa S. in ihrer Solinger Wohnung besucht, als die ihre Wohnung auflösen und Möbel verkaufen wollte. Ob sie als Zeugin vor der Kammer erscheinen muss oder von ihrem Wohnort aus per Video zugeschaltet wird, stand zuletzt noch nicht fest.

Quelle: RP
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